Magdeburg l Lässig lehnt Manfred Machus an seinem Gartentor vor seinem Haus in Stadtfeld-Ost. Gerader Rücken, kräftiger Händedruck, zügiger Gang und ein muskulöser Körperbau, der sich durch seinen Pullover abzeichnet — nichts, was darauf hindeuten könnte, dass dieser Mann heute 77 Jahre alt wird. Am 8. Februar 1941 kam der Ur-Magdeburger zur Welt. Später sollte er der wohl bekannteste und erfolgreichste Kraftsportler der DDR werden. Die Basis dazu wurde ihm in die Wiege gelegt. Sein Vater erlangte mit spektakulären Zahnkraftakten am Trapez Berühmtheit. Kopfüber hielt er nur mit dem Mund Räder fest, in denen Artisten turnten. Mit sieben Jahren ging Machus Junior mit auf Tournee, blieb jedoch nicht beim Varieté.

Magdeburger holte alle Titel, die es gab

Mit 17 Jahren entdeckte er das Gewichtheben sowie den Kraftsport für sich. Nachdem er 1967 seine erste DDR-Kraftsportmeisterschaft in der Klasse unter 90 Kilogramm gewann, war sein Erfolg unaufhaltsam. Weitere zehn Kraftsportmeisterschaften, zwei Mannschaftsmeisterschaften mit der HSG TH Magdeburg (heute USC) sowie weitere Spitzenturniere und Kulturistik (heute Body Building)-Wettkämpfe konnte Machus als Sieger verlassen. „In den fast drei Jahrzehnten, in denen ich Kraftsport gemacht habe, habe ich alles an Titeln geholt, was es gab“, sagt der 1,73 Meter große Elbestädter.

Er ist stolz auf das, was er geleistet hat, allerdings ohne über seine Person je viel Aufhebens gemacht zu haben. „Es gibt Sportkameraden, die nur in der dritten und vierten Reihe erfolgreich waren, aber sich heute dafür feiern lassen und bei jeder Gelegenheit damit an die Presse gehen.“ Diese Sportler seien es auch, die an den Altersmeisterschaften teilnehmen.

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Bodenhaftung trotz Erfolgs

Die „richtigen“ Leistungsträger würden sich nach der aktiven Zeit zurückziehen. Nur einmal ließ er sich von Freunden überreden. 1992 fand die Deutsche Meisterschaft im Bankdrücken der Senioren in Magdeburg statt. Machus nahm teil und drückte, ohne groß dafür trainiert zu haben, noch 175 Kilo. Dies bedeutete für den damals 51-Jährigen deutschen und europäischen Rekord sowie theoretisch Weltrekord.

Allerdings war in der Jury nur ein Kampfrichter mit internationaler Qualität. Zur Rekordanerkennung hätten es zwei sein müssen. Seine persönliche Bestleistung lag in seiner aktiven Zeit bei 220 Kilo. Im Kniebeugen schaffe er 275 Kilo zu stemmen. Mit Gewichtheben machte er 1971 Schluss: „Ich habe parallel dazu Einzelmeisterschaften im Kraftsport gemacht und war irgendwann körperlich total ausgelastet.“

Keine Konkurrenz

Das Gewichtheben sei, nach Aussage des Jubilars, gegenüber dem Kraftsport „dreimal so intensiv“. Mit Letzterem hörte er 1984 auf. „Ich war nicht mehr so motiviert beim Training, weil ich wusste, dass ich gewinne. Die Konkurrenz fehlte“, gibt sich der pensionierte Werbegestalter selbstbewusst.

Trotz großer Erfolge blieb der Sport ein Hobby. „Der Kraftsport hatte in der DDR einen negativen Touch, weil er aus dem Westen kam. Vom Staat gab es keine Unterstützung, die Sportler mussten sich alles selber finanzieren, deshalb konnte Manfred auch nie unter Profibedingungen trainieren“, erzählt Jürgen Roxer, seinerzeit Leiter der Sektion Kraftsport bei der HSG Magdeburg. Roxer kennt Machus seit 40 Jahren: „Er war damals unser führender Mann. Ihm ist es mit zu verdanken, dass sich die Sportart hier etabliert hat.“

Heute gibt er Sportkurse

Beide Männer sind noch Mitglied im USC Magdeburg und geben dort Sportkurse. Doch die sieben Kurse, die Machus davon in der Woche gibt, scheinen dem Senior nicht zu genügen. Vorher trainiert er noch im Kraftraum der Universität. Für zu Hause hat er sich in seinem Keller einen Kraftraum eingerichtet. Sein jüngster Sohn trainiert dort auch: „Ich habe ihm gesagt ‚Wenn du mein Sohn bist, musst du auch danach aussehen‘“, erzählt der Bärenstarke lachend.

Zufriedenes Leben in Magdeburg

Vier Söhne, eine Tochter sowie Enkel und Urenkel runden Machus 77-jähriges Leben ab. Verheiratet ist er in zweiter Ehe. „Wir lernten uns schon 1973 kennen. Damals hätte ich aber nicht gedacht, dass einer wie er, etwas Festes will. Er war mit seinem Sport ja viel unterwegs“, erzählt seine heutige Frau Doris Machus lachend. Etwas Festes wurde 1990 bei ihrer Heirat daraus. Seine Frau ist es, die wohl die beeindruckendste Geschichte seiner Stärke erzählt: „Einmal hatten wir auf dem Rückweg aus dem Urlaub eine Reifenpanne. Wir wollten das Rad wechseln, doch der Wagenheber versank immer im sandigen Untergrund. Da hat mein Mann kurzerhand das Auto mit den Händen angehoben und ich habe dann den neuen Reifen aufgezogen.“

Ihrer Meinung nach der Beweis dafür, dass hinter dem Kraftsportler keine „mit Anabolika aufgepumpten Muskeln stecken, wie es heute so oft der Fall ist“, sondern echte Stärke. (jmd)