Magdeburg l „Respekt, dass du in der Pflege arbeitest – ich könnte das ja nicht!“ – Diese Reaktionen auf seine Berufswahl ist Pflegeschüler Tom Schumann mittlerweile schon gewöhnt. Inzwischen befindet er sich im dritten Lehrjahr und ist nach wie vor davon überzeugt, hier genau richtig zu sein. Der Freund seiner Stiefschwester sei auch Krankenpfleger und habe ihm während der Schulzeit empfohlen, doch mal ein Praktikum in der Pflege zu machen. Gesagt, getan. „Danach stand für mich fest, dass ich Krankenpfleger werden möchte“, erzählt der 21-Jährige.

Migrationsklasse soll Lernen erleichtern

Für das Universitätsklinikum sind er und seine Mitschüler ein großer Gewinn, der Fachkräftemangel in deutschen Krankenhäusern ist längst bekannt und wird auch in den Medien vielfach beklagt. Anstatt sich jedoch nur auf die Politik zu verlassen, die laut Meinung des Pflegedirektors Rick Pieger bereits aber vieles richtig macht, wurde man am Uniklinikum längst selbst aktiv. Mit einem speziell entwickelten Konzept soll dem Fachkräftemangel der Kampf angesagt werden. So habe man eine Kampagne ins Leben gerufen, die unter anderem über die Sozialen Medien läuft. Man müsse explizit werben, um die Ausbildungsplätze in der Pflegeschule zu füllen. Neue Flyer, Poster, Postkarten, die in Bars ausgelegt werden, sowie Stände auf Berufsmessen seien dabei Möglichkeiten, so Pieger. „Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken sind drei Punkte entscheidend: Man muss selber ausbilden, Menschen aus dem Ausland heranholen und vor allem – und das ist das Wichtigste, aber zugleich Schwierigste: Man muss ein guter Arbeitgeber sein.“ Deshalb wolle man den Pflegeschülern auch etwas bieten, ergänzt Stephanie Dolge, Direktorin des Ausbildungszentrums und der pflegerischen Weiterbildung.

Zum einen habe man eine Migrationsklasse aufgemacht, um besonders den ausländischen Pflegeschülern den Einstieg zu erleichtern. Durch eine Tandem-Partnerschaft mit jeweils einem deutschen Schüler soll so vor allem die Sprache besser gelernt werden. „Die vielen Fachbegriffe sind besonders oft ein Problem“, so Dolge. Zum anderen biete man den Auszubildenden die Option an, sich mit der Aussicht auf eine Position als Stationsleiter weiterzubilden. Das Programm „Stationsleiter Plus“ wurde dazu eigens in Kooperation mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Otto-von-Guericke-Universität ins Leben gerufen. Die Lehrgänge der DKG werden hierbei mit einem Bachelorstudium an der Universität verzahnt. „So hat man nach 4,5 Jahren einen Bachelorabschluss und zusätzlich die Ausbildung der DKG in der Tasche“, betont Dolge. Das seien zwei Jahre weniger, als wenn man beides einzeln absolvieren würde. Das Ganze sei zudem so angepasst, dass es sich gut in den Arbeitsplan auf der Station integrieren lasse und somit Personalausfall vermieden werde.

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Im nächsten Jahr soll noch weiter aufgestockt

Für die Zukunft hat man am Universitätsklinikum Magdeburg noch weitere große Pläne. Gab es im letzten Jahr noch zwei Pflegeklassen, so starteten 2019 bereits vier Klassen in die Ausbildung. Im kommenden Jahr soll abermals aufgestockt werden.

Für die aktuellen Pflegeschüler ging es im August nun richtig los. Bei der Begrüßung durch die Pflegedirektion wurde auch hier noch einmal bekräftigt, wie wichtig die jungen Menschen seien, um den Fachkräftebedarf zu decken. Was seine Nachfolger erwartet, das kann Tom Schumann mittlerweile schon gut einschätzen: „Ein abwechslungsreicher Beruf und eine spannende Ausbildung, bei der man jederzeit einen Ansprechpartner hat und natürlich viele nette Mitschüler.“

Die Pflegeklassen konnten in diesem Jahr bereits auf vier aufgestockt werden. Im letzten Jahr waren noch zwei Klassen gestartet.