Welche Höhepunkte bietet das Programm bei Ihnen 2016?

Carsten Gerth: Das Magdeburger Gesellschaftshaus ist nicht nur ein Ort für feste Kammermusikreihen und Gastspiele, sondern auch Gastgeber namhafter Festivals. So wird es im Rahmen der 23. Magdeburger Telemann-Festtage Mitte März 2016 neun Konzerte im Gesellschaftshaus sowie in der Konzerthalle im Kloster Unser Lieben Frauen geben. Darüber hinaus präsentieren sich im Mai mit je einem Konzert im Gesellschaftshaus und in der Konzerthalle im Kloster die „Tage der Mitteldeutschen Barockmusik“. Das Wanderfestival wird jährlich in einer anderen Stadt in Sachsen-Anhalt ausgetragen – 2016 in Kooperation mit der Landeshauptstadt in Magdeburg.

Nun bietet Ihre Einrichtung nicht allein klassische Musik.

Jazzfreunde können sich am 30. Januar auf ein Solokonzert mit dem Pianisten Stefan Schultze freuen, während im März die Tradition fortgesetzt wird, führende Vokalensembles in die Landeshauptstadt einzuladen. Nachdem in der Saison 2014/2015 „Amarcord“ zu Gast war, ist mit „Singer Pur“ am 5. März eine weitere der herausragendsten deutschsprachigen A-cappella-Formationen in Magdeburg zu erleben.

Hinzuweisen wäre außerdem auf zwei Konzerte der von dem Organisten Franz Danksagmüller neu konzipierten Orgelreihe in der Konzerthalle im Kloster Unser Lieben Frauen: am 16. Januar ein Gedenkkonzert anlässlich der Zerstörung Magdeburgs sowie ein Cross-over-Konzert im Juni mit Orgel, Saxofon und Liveelektronik.

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An welchen Erfolg möchten Sie anknüpfen?

Ich habe seit April 2015 die Teamleitung im Gesellschaftshaus und verantwortete gemeinsam mit Charlotte Bittner bereits die Programmgestaltung für die Spielzeit 2015/16. Anliegen ist eine stetige Ausweitung des musikalischen Repertoires in kammermusikalischem Rahmen. Dies ist in vollem Umfang gelungen. Das Magdeburger Publikum ist, so die Erfahrung, erfreulich offen für neue Hörerfahrungen. Rückmeldungen teilweise langjähriger Konzertabonnenten beispielsweise auf das Auftaktkonzert mit dem Hamburger Schlagzeugensemble „Elbtonal“ bestätigen den neuen programmatischen Ansatz.

Auf positive Resonanz stieß auch das erste Konzert der Reihe „Eltern-Kind-Konzerte“, die im Herbst 2015 startete. Während die Eltern den Konzerten lauschen, beschäftigen sich die Sprösslinge im Alter von drei bis acht Jahren unter fachkundiger Anleitung von Musikpädagogen aus dem Konservatorium thematisch angepasst mit Musik. 2016 wird es daher zwei Zusatztermine für die Jüngsten geben: am 30. Januar, parallel zum Konzert von Stefan Schultze, sowie am 6. März zur „Sonntagsmusik“.

Ein voller Erfolg war auch der erstmals organisierte „Tag der offenen Tür“, bei dem allein die erste Hausführung mit über 100 Interessenten in zwei Gruppen geteilt werden musste. Auf jeden Fall soll an diesen Erfolg rund um den Tag der Heiligen Cäcilie, der Schutzpatronin der Musik, am 22. November angeknüpft und der „Tag der offenen Tür“ zu einer Tradition werden.

Immer wieder müssen Kultureinrichtungen nach Wegen suchen, um mit ihren Angeboten in die Öffentlichkeit vorzudringen. Die Ideen dahinter sind manchmal beachtlich und interessant. Was planen Sie für das Marketing?

Unserer Erfahrung nach wünscht sich das Konzertpublikum vornehmlich eine direkte Ansprache. Daher konzentriert sich das Gesellschaftshaus eher auf eine effektive Verteilung gedruckter Informationen. Aber auch Newsletter sind sehr gefragt, die Mailinglisten mit dem Wunsch nach elektronischen Infos füllten sich vor allem beim „Tag der offenen Tür“.

Eine gute Gelegenheit zur Präsentation ist außerdem die Teilnahme an der Magdeburger Kulturnacht, die 2015 in Buckau ausgesprochen gut angenommen wurde. Im kommenden Jahr wird das Haus außerdem erstmals bei der „Fête de la musique“ mit einer Bühne – bei gutem Wetter hoffentlich auf der Terrasse zum Park – vertreten sein.

Wie sieht es aus mit der Kooperation mit anderen Einrichtungen, mit Schulen oder der Teilnahme an Aktionstagen und Aktionen von stadt- oder stadtteilweiter Bedeutung?

Wir beteiligen uns wie gesagt an der Fête de la musique und an der Kulturnacht.

Neben der Zusammenarbeit mit den renommierten Musikfestspielen wie den Telemann-Festtagen und den Tagen Mitteldeutscher Barockmusik gibt es Kontakte zum Konservatorium und zur Magdeburgischen Philharmonie. Das Konservatorium nutzt die Säle gern als Konzertorte, ebenso die Philharmonische Gesellschaft. Diese Kooperationen sollen intensiviert werden.

Die Kammerspiele Magdeburg haben den Ort ebenfalls als reizvollen Rahmen für Chansonabende mit Susanne Bard entdeckt und werden im Februar eine Premiere herausbringen.

Saxofonist Warnfried Altmann und das Forum Gestaltung sind im April mit den Magdeburger Jazztagen zu Gast im Gesellschaftshaus und bringen damit eine neue musikalische Farbe in den Klosterbergegarten.

Erste Sondierungsgespräche für gemeinsame musikalische Ideen gab es zudem mit dem Magdeburger Puppentheater sowie mit dem Schumann-Haus in Leipzig.

Auch ist das Gesellschaftshaus fester Probenort für das Sinfonieorchester Magdeburger Musikfreunde e. V. sowie für den Cantamus-Chor. Magdeburg als Chorstadt ist zudem regelmäßig präsent im Gesellschaftshaus und in der Konzerthalle „Georg Philipp Telemann“, beides Spielstätten, die bei Chören als Auftrittsorte sehr beliebt sind: Allein im Dezember 2015 fanden elf Weihnachtskonzerte verschiedener Magdeburger Chöre statt.

Wenn Sie Besucher mit einem einzigen Satz für einen Besuch bei Ihnen begeistern möchten – wie würde dieser lauten?

Das Gesellschaftshaus ist das „Haus der Musik“ in der Landeshauptstadt: Wer größtmögliche musikalische Abwechslung sucht, dargeboten von handverlesenen Ensembles in den schönsten Kammermusiksälen der Stadt, ist in dem von Karl Friedrich Schinkel geplanten Juwel an der Schönebecker Straße genau richtig!