Magdeburg l „Gemäß Vorgabe der Verwaltungsführung der Landeshauptstadt Magdeburg wurde bei der Wirtschaftsplanung 2021 mit Zielansätzen gearbeitet, die aus Sicht des Theaters risikobehaftet sind“, heißt es einleitend im Wirtschaftsplan des Theaters Magdeburg. Mit Blick auf die weiter beschriebenen Vakanzen im Plan erscheint das sehr gelinde ausgedrückt. Tarifsteigerungen, realistische Sachkostensteigerungen und vor allem auf der Hand liegende Umsatzeinbußen aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie seien im Wirtschaftsplan fürs neue Jahr „nicht berücksichtigt“.

Soweit sich die Abstandsregelungen gemäß Eindämmungsverordnung nicht änderten und von der eingeschränkten Platzkapazität der Spielstätten durch die anhaltende Corona-Pandemie auch 2021 ausgegangen werden müsse, rechnet das Theater Magdeburg mit Einbußen bei den Umsatzerlösen in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro. Davon schlagen allein 655.000 Euro für den Fall eines erneuten Ausfalls des Domplatz-Open-Airs zu Buche. Derweil weiß aktuell niemand genau, ob und wie das Veranstaltungsgeschäft wegen der in ganz Deutschland rasant steigenden Infektionszahlen überhaupt weitergeht.

Umsatzeinbruch um zwei Drittel

Wie gewaltig das Virus Veranstaltungsstätten – umso mehr jene, die nicht auf Millionengaben von Stadt und Land bauen können – in die finanzielle Krise stürzt, lässt sich am Ausmaß der schon ohne erneute Schließungen erwarteten Verluste der hochsubventionierten städtischen Bühnen erahnen.

Den Gesamtetat des Theaters Magdeburg in Höhe von rund 33 Millionen Euro pro Jahr federn Stadt und Land mit etwa 30 Millionen Euro Jahreszuschuss ab. Schmelzen die 3,2 Millionen Euro, die das Haus selbst zu erwirtschaften in der Lage ist, um mehr als zwei Millionen ab, sind fast zwei Drittel der Einnahmen futsch. Während die kommunalen Bühnen auf einen Ausgleich aus öffentlichen Kassen hoffen dürfen, steht das Überleben der privat getragenen Veranstaltungshäuser ganz unmittelbar auf dem Spiel.

Unproblematisch ist die Lage aber auch für die subventionierten Tanker der Bühnenkultur ganz und gar nicht. Das über die Jahre stets ausverkaufte Puppentheater Magdeburg befürchtet langfristige Folgen der Krise für die Besucherbindung.

„Die derzeit geltenden Hygiene- und Sicherheitsvorschriften erlauben eine maximale Besucherauslastung von circa 35 Prozent“, heißt es in der Einleitung zum Wirtschaftsplan 2021 der in Buckau ansässigen Puppenbühne.

Langfristige Folgen befürchtet

Darüber hinaus sei fraglich, inwieweit die Besucher im kommenden Jahr wieder bereit seien, sich mit Fremden innerhalb eines geschlossenen Raumes über einen längeren Zeitraum aufzuhalten. „Auch ist unklar, wie das Kita- und Schulanrecht, das gut 40 Prozent der Gesamteinnahmen des Theaters ausmacht, durch die Einrichtungen angenommen wird, wenn es zu einem Zusammentreffen mit anderen Einrichtungen kommt“, schreibt die Theaterleitung weiter.

Gemäß der Order aus dem Rathaus hat auch das Puppentheater einen Wirtschaftsplan verfasst, der „von einem normalen Vorstellungsbetrieb“ ausgeht. Allein: Der Glaube daran fehlt im Bühnenhaus. Wie sich der Spielbetrieb im neuen Jahr gestalte, sei aktuell „vollkommen unklar“.

Dauerten die Einschränkungen an, rechnet auch das Puppentheater mit einem Rückgang der Umsatzerlöse um mehr als die Hälfte. Unter Normalbedingungen spielt das Haus rund eine halbe Million seines 3,6 Millionen Euro schweren Gesamtetats durch Kartenverkäufe, Festivals, den Berieb der angegliederten Jugendkunstschule und Sponsorengelder selbst ein. Neben den mit der Pandemie verbundenen Sorgen plagen Personalnot und Sanierungsstau das Puppentheater. Unter anderem hat die Villa P. ein Nässeproblem (Eintritt Regenwasser, feuchte Grundmauern).

Formal soll der Magdeburger Stadtrat die Wirtschaftspläne der kommunalen Bühnenhäuser im Januar 2021 absegnen. Ihm wird nichts anderes übrig bleiben, auch wenn sich abzeichnet: Die Lösung der krisenbedingten Probleme an den Theatern und in der gesamten Stadtkultur ist damit nur vertagt.