Magdeburg l Der Vorhang bleibt geschlossen, die Theatertüren zu. Obgleich nach außen coronabedingt der Theaterbetrieb stillsteht, wird hinter den Kulissen fleißig gewerkelt und geprobt. Denn: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Statt der ursprünglich geplanten Vorstellungen bis zum Spielzeitende möchte das Theater Magdeburg seine Türen jedenfalls für eine Reihe von Kleinformaten öffnen, sobald es dafür die Erlaubnis und die Möglichkeit von Stadt, Land und Bund erhält. An diesem „Ersatzprogramm“ arbeiten derzeit alle Sparten und hoffen dieses im konkreten Fall, möglichst live, umsetzen zu können.

Proben für die nächste Spielzeit

„Die Probensituation ist derzeit nur sehr eingeschränkt bei Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygieneregelungen möglich“, erklärt Theatersprecherin Christine Villinger. So trainieren die Balletttänzer in Kleingruppen, zeitlich immer gestaffelt und immer die gleichen Konstellationen, um etwaige Infektionsketten schnell nachvollziehen zu können. Zwischendurch wird immer wieder nach einem genauen Plan desinfiziert. Die Opernsänger proben mit den Korrepetitoren unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln, die für alle Proben grundsätzlich gelten. Geprobt wird für die ersten Premieren der nächsten Spielzeit als auch für die Kleinformate, die das Opernhaus hofft, noch in dieser Spielzeit anbieten zu können.

Auch die Schauspieler ruhen nicht. Wie unter anderem durch die „Tage der jungen Dramatik“ auf YouTube, Facebook und der Webseite ersichtlich, sind die sie schon trotz Homeoffice am Spielen beziehungsweise Lesen und machen zudem Leseproben per Zoom für die ersten Premieren der nächsten Spielzeit. Außerdem bereichern sie den Online-Content mit Aktionen aus ihrem Homeoffice unter anderem in der Reihe #theaterzuhause sowie www.mdzusammen.de.

Musiker spielen in Altenheimen

Die Orchestermusiker des Hauses proben in musikalischen Registerproben für „La clemenza di Tito“, wer keine Probe dafür hat, probt für kammermusikalische Auftritte in Alten- und Pflegeheimen, eine sehr unterstützenswerte Initiative des Orchesters. Die nächsten Termine sind am 9./10. Mai in den Pfeifferschen Stiftungen und im Marienstift. Des Weiteren entsteht ein Online-Content für die Reihe #theaterzuhause und #erklärtundausprobiert, zu sehen auf www.theater-magdeburg.de und YouTube sowie www.mdzusammen.de.

Die Theaterpädagogen erarbeiteten Texte für zukünftige Produktionen. Zusätzlich soll ein Film über die Arbeit an dem Projekt „YOUR_Street.Scene“ entstehen. Daran kann mit den Schüler allerdings frühestens nach den Pfingstferien in Kleingruppen wieder gearbeitet werden, aber die Lehrkräfte arbeiten bereits mit den Schülerinnen an den fertig gestellten Texten. Der Online-Content entsteht für die Reihe #erklärtundausprobiert unter anderem  zusammen mit Musikern der Magdeburgischen Philharmonie. Der Theaterjugendclub trifft sich zu Online-Videokonferenzen und erarbeitet dabei alternative Präsentationsformen für Produktionen dieser Spielzeit.

Neben den Mitarbeitern der Werkstätten haben auch die Bühnentechniker, Beleuchter, Tontechniker und Requisiteure ihre Arbeit wieder aufgenommen.

Es werden Vorbereitungen für die nächste Spielzeit (Bauproben oder so), Räumungs- und Katalogisierungsarbeiten in den Lagern und teilweise Wartungsarbeiten durchgeführt, die in den Theaterferien zum Teil von Fremdfirmen übernommen werden müssten. Ebenso werden umfangreiche Räumungs- und Reinigungsarbeiten der Bühnen gemacht, die im laufenden Spielbetrieb nie möglich sind. Die Mitarbeiter leisten zurzeit damit einen erheblichen Beitrag zur allgemeinen Werterhaltung der Spiel- und Produktionsstätten.

Bühnenbild wird fertiggestellt

Der Bau des Bühnenbildes von „Rebecca“, dem Domplatz-Open-Air, das für diese Jahr geplant war, wird aktuell fertiggestellt, um es dann in diesem Zustand für die wahrscheinliche Umsetzung 2022 einzulagern. Die finanziellen Mittel waren dafür im Wirtschaftsplan 2020 eingeplant, sind nicht verloren und entlasten finanziell als auch zeitlich die Produktionen des Jahres 2022.

Die Werkstätten arbeiten darüber hinaus fortlaufend an den Produktionen der Spielzeit 2020/2021, was bei einem Vorlauf von sechs bis zwölf Monaten eine übliche Theaterpraxis ist. Diese Arbeiten dürfen zurzeit auch nicht eingestellt werden, da für eine sukzessive Wiederaufnahme des Spielbetriebes nach dem Sommer dieser produktive Vorlauf notwendig ist. Die Kostümwerkstätten arbeiten neben der Vorbereitung der Produktionen an der Herstellung von Mund-Nase-Masken für den Gebrauch für alle Mitarbeiter als auch für die an das Theater herangetragenen Anfragen (z.B. Ordnungsamt).

Versuch Verluste zu minimieren

Neben dem Ausfall der geplanten Veranstaltungen trifft die Absage des diesjährigen Domplatz-Open-Airs das Theater Magdeburg hart. „Wir können diese Verluste derzeit noch nicht genau beziffern und erarbeiten noch eine Gesamtrechnung, denn das Theater versucht Kosten, wo es geht, einzusparen, dafür aber fehlen wieder Einnahmen. Wie diese Situation aber ganz am Ende im Juli aussieht, kann derzeit noch niemand verlässlich sagen. Die entfallenen Produktionen dieser Spielzeit holen wir alle in der nächsten Spielzeit nach, so minimieren wir auch die Verluste.

Durch die frühzeitige Absage des Domplatz-Open-Airs ist es uns zudem gelungen, einigen Firmen noch rechtzeitig abzusagen, Aufträge zu stornieren und der Stadt damit Kosten zu ersparen. Das war uns besonders wichtig.“