Magdeburg l „Wer Venedig liebt, wird es mögen“, sagt Frank Salender vom Verein Filmkunst mit einem Lächeln im Gesicht. Tatsächlich lebt der Raum vom morbiden Charme der Vergänglichkeit. Man sieht ihm an, dass er bereits mehrere Leben „gelebt“ hat. Aber er lebt jetzt weiter. Das ist Anna Ebert und Clemens Hornemann zu verdanken. Beide absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Kulturbereich und haben seit April den ehemaligen Schankraum zu einem Kino umgebaut.

Projekt im freiwilligen Jahr

Alles, was nicht nötig war, haben sie entfernt und in den entkernten Raum dann ein Kino mit rund 60 Sitzen (Stühle) eingebaut. Dabei bekamen sie Hilfe vom Verein Kulturanker, der gerade sein Kunstfestival im Wissenschaftshafen erfolgreich beendet und abgebaut hat. „Die haben uns Material und Technik zur Verfügung gestellt“, sagt Clemens Hornemann. FSJler sollen, wenn möglich, während ihres Freiwilligenjahres ein spezielles Projekt umsetzen. Anna Ebert und Clemens Hornemann haben sich für das Studioklub-Kino entschieden. „Wir wollten etwas Dauerhaftes schaffen“, sagt Clemens Hornemann. Man habe das Kino zwar im Vorfeld durchgeplant, „vieles ist dann aber doch während der Arbeit entstanden, wir haben viel improvisiert“. Große Unterstützung bekamen die beiden FSJler von ihren Freundinnen und Freunden.

Zukünftig soll der Studioklub einmal pro Monat „bespielt“ werden, sagte Frank Salender. Damit wolle man in Zukunft eine Angebotslücke in Sachen Kino schließen. In der bundesdeutschen Kinolandschaft gebe es den Trend zum kleinen Klub-Kino als Alternative zu den normalen Lichtspielhäusern. „Wir wollen mit dem Studioklub Angebote rund um den Film schaffen. Also Diskussionen, Vorträge, Lesungen, Fotoschauen, Konzerte, Filmmusikschwerpunkte und vieles mehr“, so Frank Salender.

Programmkino, Arthouse-Kino

Auch eine Art Kneipenatmosphäre passe dazu, darum gebe es im Studioklub auch eine Theke und extra Sitzgruppen. Und man wolle mit dem Club gezielt jüngeres Publikum ansprechen und für das besondere Kino, das Programm- und Arthouse-Kino abseits der Blockbuster, interessieren.

Aber das Ganze sei ein Entwicklungsprozess — mit viel Experimentierfreude. Der Studioklub gehört mit zum Studiokino am Moritzplatz. Dort läuft das normale Filmangebot in einem von Magdeburgs letzten klassischen Kinosälen. 1997 haben Salender und seine Mitstreiter das Kino vom Branchenriesen Ufa übernommen. Und damit auch das alte „Marktschlösschen“ am Moritzplatz. Der Studioklub ist in einem ehemaligen Schankraum im Seitenflügel des Gebäudes (Eingang Abendstraße) zu finden.

Ein Stummfilmklassiker

Das gesamte Gebäude habe einen Sanierungsbedarf. Rund vier Millionen Euro würde das kosten. „Am Anfang hatten wir ein Konzept für die komplette Sanierung, das ist aber zu teuer“, so Salender. Jetzt werde man in Etappen vorgehen. Und der Studioklub sei eine davon. Am Freitag, 21. Juli 2017, wurde Eröffnung gefeiert, am heutigen Sonnabend geht es um 21 Uhr weiter. Dann ist der Stummfilmklassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“ von 1919 zu sehen. Das Besondere daran: Die Musik dazu wird live von DJ D’dread unterlegt. Einlass ist um 19.30 Uhr. Nach dem Film ist „Partytime“.