Einbruch

Kulturgut mit Füßen getreten

Henning Fuchs ist so richtig wütend. Zufällig hat er entdeckt, dass dreiste Diebe in der Telegrafenstation Nr. 18 in Neuwegersleben ihr Unwesen getrieben haben.

Neuwegersleben

Von Yvonne Heyer Henning Fuchs ist in Sachen Optische Telegrafie und Erhaltung dieses Stücks deutscher Geschichte sehr engagiert unterwegs. Die Station Nummer 18 in Neuwegersleben ist, wie der Friedhof des Ortes, am Ortsrand gelegen. „Ich war mit meiner Schwester auf dem Friedhof und habe am Sonnabend die Gelegenheit genutzt, auch an der Telegrafenstation nach dem Rechten zu schauen. Entsetzt musste ich feststellen, dass in das Gebäude eingebrochen worden ist“, berichtet Henning Fuchs. Die Polizei wurde verständigt und hat den Fall aufgenommen.

Die Täter sind möglicherweise über das Erdgeschoss in das Gebäude gelangt. Sie haben einen Fensterladen zerbrochen und eine Fensterscheibe eingeschlagen. Die Diebe hatten es wohl auf die Kupferkabel abgesehen, denn die Blitzschutzverbindung zwischen Dach und Tiefenerdung ist verschwunden. Gestohlen wurde ebenso ein Ringschlüsselsatz aus dem Pult im Obergeschoss. Sämtliche Blitzschutzeinrichtungen wurde vom Dach abgebaut. Da das Kupferdach ebenso Schäden aufweist, müsse davon ausgegangen werden, dass versucht wurde, auch dieses zu stehlen. Die Dachluke ist beschädigt. Die Scharniere sind komplett gelöst, der Verschluss verbogen.

Schäden weitgehend repariert

„Ich habe die Schäden so weit repariert, dass die Station erst einmal dicht ist. Allerdings macht mir der jetzt fehlende Blitzschutz schon richtig Sorgen.

Es wird wohl einige Zeit brauchen, bis wir die Station wieder in einem zeigenswerten Zustand haben. Das zermürbt nach einem coronabedingten Schließjahr 2020 noch mehr. Begleitet wird das von einer wahnsinnigen Wut, wie in unserer Gesellschaft das Kulturgut und die Arbeit des Ehrenamtes derart mit Füßen getreten wird“, macht Henning Fuchs deutlich.

Die Station Nummer 18 ist Bestandteil der Optischen Telegrafenlinie, die einst von Berlin nach Koblenz über eine Distanz von 550 Kilometern und 62 Stationen führte. Betrieben wurde diese Linie von 1832 bis 1852. Die Station Nummer 18 auf einer Anhöhe am Ortsrand von Neuwegersleben wurde von 1833 bis 1848 genutzt, um geheime Depeschen zu übermitteln. Die Neuwegersleber Station wurde nach der Wende rekonstruiert und 2001 wieder eröffnet. Seither öffnet die „Nummer 18“ von April bis Oktober immer am letzten Sonntag eines Monats für Besucher ihre Pforten. Genau wie in Ampfurth übrigens, wo sich im Burgturm die Station Nummer 16 befindet.

Viele, viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit stecken die Mitglieder der Interessengemeinschaft „Optische Telegrafie“ in die Stationen, um ein Stück Geschichte zu bewahren. Im Erdgeschoss der Station können sich Besucher über die optische Telegrafie informieren. Auf dem Dach befindet sich der Telegrafenmast. Er ist voll funktionsfähig, könnte also weiterhin Nachrichten übertragen.

Fördermittel vom Leader-Programm

Seit der Rekonstruktion sind nunmehr 20 Jahre ins Land gegangen. Um die Station für die Zukunft fit zu machen, wurden 2019 Fördermittel aus dem europäischen Programm Leader beantragt. Die genehmigten Mittel in Höhe von 80?000 Euro sollen genutzt werden, um das Dach abzudichten, Malerarbeiten auszuführen, die Außenbeleuchtung zu erneuern und die Zuwegung zu sanieren.

Im vergangenen Jahr blieb die Station wegen Corona komplett geschlossen. Wie es 2021 weiter gehen soll, steht noch nicht fest.

Wann die Diebe in die Telegrafenstation eingedrungen sind, steht nicht genau fest. Der Neuwegersleber Dietmar Hobohm war am vergangenen Mittwoch im Haus, da war noch alles in Ordnung.

Das deckt sich auch mit den Erkenntnissen der Polizei, die von Tatzeitraum zwischen dem 24. und 27. März ausgeht. Die Schadenshöhe könne noch nicht beziffert werden, dazu müsste sich zuerst eine Fachfirma den Schaden anschauen.

Wer etwas beobachtet hat, sollte sich im Polizeirevier Börde unter der Telefonnummer 03904/4780 melden.