Magdeburg l Hätte Dietrich Fröhner die überparteiliche Allianz im Stadtrat Magdeburg, in Ottersleben, in ganz Magdeburg und noch weit darüber hinaus erleben dürfen, er wäre sicher stolz gewesen. Leider starb Fröhner – geboren in Nürnberg und ab 1964 in Magdeburg zu Hause – im Alter von nur 44 Jahren anno 1983.

Fünf Jahre vor seinem Tod, also im Jahr 1978, schuf er das meterhohe Wandbild „Organisches und Anorganisches“ für die Fassade der Ottersleber Ernst-Wille-Schule. Die aktuelle Lage – bis Donnerstag – ist bekannt und sorgte für einige Schlagzeilen: Bei der Schulsanierung – neue Dämmung – sollte das Wandgemälde gesichert, aber mit neuer Dämmung überdeckt werden, Kopie obendrüber – fertig. Dem Vorschlag der Stadt waren aber weite Teile der Ottersleber Einwohnerschaft wie auch des Stadtrates sowie Kunstfreunde überhaupt nicht mitzutragen bereit.

Trümper geht in die Offensive

Der Kulturausschuss plante den Aufstand im Rat am 21. Februar 2019 – und musste ihn gar nicht proben, denn Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) ging gleich, nachdem der Tagesordnungspunkt aufgerufen wurde, in die Offensive. „Ich möchte die Debatte, wer hier nun der schlimmste Wandbildzerstörer und der beste Kunstfreund ist, gerne etwas abkürzen. Wir werden das Bild erhalten und eine Innendämmung anbringen. Das wird etwas teurer, aber es ist machbar“, so Trümper und: „Das Bild wird noch die nächsten 100 Jahre zu sehen sein.“

Bilder

Kleine Einschränkung: Die Stadt Magdeburg habe beim Fördermittelgeber angefragt, ob die leicht veränderte Planung zur energetischen Sanierung auch dort akzeptiert wird und noch keine Antwort erhalten. Trümper geht aber von Zustimmung aus.

Jubel im Stadtrat Magdeburg

Jubel und Erleichterung im Rat. „Das freut mich sehr“, sagte FDP-Frau Carola Schumann, Ottersleberin und Mitglied im Kulturausschuss. Ihr Fraktionschef Wigbert Schwenke (CDU) gab zu Protokoll, dass die Onlinepetition zum Erhalt des Bildes inzwischen von mehr als 1000 Unterstützern unterzeichnet wurde. Seiner Kenntnis nach, so Schwenke, würde es nicht teurer. „Die Innendämmung kostet wohl rund 14.000 Euro mehr, Außendämmung und Kunst-Kopie hätten 20.000 Euro gekostet.“

Zur Sicherheit schickte der Rat dem OB-Versprechen noch einen einstimmig verabschiedeten Auftrag zum Erhalt des Wandbildes hinterher.