Magdeburg l Wer in der Datenbank Lost Art (Verlorene Kunst) des Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste stöbert, wird auch auf das Magdeburger Kulturhistorische Museum treffen. Das Museum sucht über diese Datenbank 429 Objekte und hat 88 Funde gemeldet.

„Unser Museum hat schon Anfang der 1990er Jahre sehr intensiv damit begonnen, die Bestände nach Objekten zu untersuchen, bei denen der Verdacht besteht, sie könnten als NS-Raubgut in den Museumsbestand gelangt sein“, sagt Dr. Gabriele Köster, Direktorin der Magdeburger Museen. „Das war damals dem Träger unseres Museums, der Stadt Magdeburg, sehr wichtig.“

Aus diesem Grund kenne man im Kulturhistorischen Museum den Bestand bereits sehr genau. „Man kann natürlich nicht gänzlich ausschließen, dass noch etwas entdeckt wird, wir gehen aber davon aus, dass wir einen sehr guten Überblick haben“, so Dr. Köster.

Verlust durch Enteignung

Das Museum hat aber nicht nur NS-Raubkunst bei der Durchforstung der Magazine im Blick, sondern auch Kunst- und Kulturgegenstände, die nach 1945 in den Bestand kamen. „Dabei handelt es sich in erster Linie um Gegenstände, die durch Enteignungen im Rahmen der Bodenreform ,Junkerland in Bauernhand‘ in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone in die Museen gelangt sind.

Zum Beispiel viele Bilder oder Möbel aus Herrenhäusern“, erklärt Dr. Köster dazu. Die Bodenreform sei nicht rückgängig gemacht worden, dagegen hätten die früheren Eigentümer von Mobilien, wie etwa von Kunstgegenständen, ihre Eigentumsrechte behalten. „Dazu gab es nach der Wende 1989 auch bei uns viele Anfragen und wir haben Gegenstände wie Gemälde, Bücher und Möbel den Eigentümern zurückgegeben“, sagt die Museums-Chefin.

Im Verhältnis zu den gemeldeten Funden, bei denen die Herkunft (Provenienz) nicht geklärt ist, ist der Suchbedarf des Museums mehr als fünfmal so groß. „Das liegt vor allem an den Verlusten während des Zweiten Weltkriegs, die für unser Haus noch heute durchaus schmerzlich sind“, so Dr. Köster. Dazu gehört etwa das Gemälde „Die Tritonenfamilie“ des Malers Arnold Böcklin.

Diebstahlserie in den 70er Jahren

Um die wertvollen Bestände des Museums zum Ende des Krieges vor den Bombenangriffen zu schützen, wurden große Teile ausgelagert, unter anderem rund 400 Gemälde in ein Bergwerk bei Staßfurt. Dort kam es allerdings zu einem verheerenden Brand, bei dem alle Gemälde wahrscheinlich vernichtet wurden. Allerdings wisse man nicht genau wie viele und welche.

Aus dem Datenbestand der Magazinbücher wurde eine Liste der fehlenden Objekte erstellt und in die Lost-Art-Datenbank zur Suche übertragen. „Wir hatten in den 1970er-Jahren auch eine bedeutende Serie von Diebstählen, für die ein Mitarbeiter des Museums verantwortlich war. Er hat durch Tipps geholfen, Kunstgegenstände zu stehlen und zu verkaufen“, sagt Gabriele Köster. Auch Teile dieses Verlustes werden über die Lost-Art-Datenbank gesucht.

Und das Museum bekommt immer mal wieder vermisste Kunstwerke zurück. Wie zum Beispiel den Bildteppich „Esther und Ahasver“ aus dem 16. Jahrhundert. „Dieser Gobelin gehörte mit zur Beute der Diebstahlserie, war illegal nach Berlin verkauft worden und dort später einem Kunstkenner aufgefallen. Der hatte es dem Magdeburger Museum gemeldet.“