Magdeburg l Max Uhlig macht Werbung für Magdeburg – und er könnte es noch viel besser, meint Dieter Scheidemann. Der Baubeigeordnete ist auch Vorsitzender des Kuratoriums für den Wiederaufbau der Johanniskirche. Er hat die Weihnachtsausgabe der Dresdner Neuesten Nachrichten mitgebracht. Bei diesen handelt es sich um eine Tageszeitung mit einer Auflage von 17.000 Exemplaren für die sächsische Landeshauptstadt, die im Verlag der Leipziger Volkszeitung erscheint.

Auf der Titelseite der Dresdner Neuesten Nachrichten waren vor wenigen Wochen ganzseitig einige Fenster der Magdeburger Johanniskirche abgebildet, die vom Dresdner Künstler Max Uhlig in den vergangenen Jahren geschaffen worden sind.

Johanniskirche - Kunstwerk von nationalem Ran

Dieter Scheidemann sagt: „Dieses Beispiel zeigt einfach einmal, dass wir in unserer Johanniskirche ein Kunstwerk von nationalem Rang haben.“ Diese müsse weiter ins Bewusstsein der Magdeburger gerückt werden. Und mehr noch: Es sollte ein Signal dafür sein, dass die Fenster viel mehr in der öffentlichen Vermarktung der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt spielen könnten. Diese Anregung richtete Dieter Scheidemann dabei auch an die Stadträte, denen er im Kulturausschuss sagte: „Damit sind auch Sie gefragt, die Bedeutung der Kunst in der Johanniskirche nach außen zu tragen!“

Dass dabei das Projekt bei vielen Magdeburger Bürgern im Bewusstsein bereits tief verankert ist, zeigt die beeindruckende Summe von 530.000 Euro. Diese Summe ist für das 1,5 Millionen Euro schwere Gesamtvorhaben, eine Vielzahl der Fenster in der Johanniskirche mit farbigen Fenstern zu versehen, durch private Spender zusammengekommen. Unter ihnen nicht allein Unternehmen, die größere Summen gesammelt haben – auch viele kleinere Spenden aus Familien. Dieter Scheidemann spricht in diesem Zusammenhang von einem großen Nachhall, den die Initiative hervorgerufen hat.

Dabei hatte es zu der Glaskunst von Max Uhlig durchaus auch Kritik gegeben. Zum Beispiel die, dass sie nicht auf den Ort eingehe. Oder die, dass mit den Farben die schlichte Sachlichkeit, die den Raum seit dem Wiederaufbau des Kirchenschiffs gezielt prägt, durchbrochen werde. Doch Dieter Scheidemann sieht das anders und hält dem entgegen: „Ich denke, dass die Farbeffekte der Johanniskirche ihre Seele zurückgegeben haben.“ Das Kuratorium verweist darauf, dass in den feurigen Farben die wiederholte Zerstörung der Stadt, in Weinreben der Neubeginn zu erkennen ist.

Vorbereitungen für ein 14. Fenster

Derzeit laufen die Vorbereitungen für ein 14. Fenster. Das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche, das sich der Finanzierung des Kunst­projekts angenommen hat, hatte zuletzt für das vorherige Fenster Darlehen bei der Stadt aufgenommen. Dieses konnte inzwischen zurückgezahlt werden, und das aktuelle Fenster konnte damit aufs Tableau gehoben werden. Dieter Scheidemann berichtet: „In den vergangenen Wochen sind um die Weihnachtszeit wieder einige Spenden eingegangen, ohne dass wir groß hätten dafür werben müssen.“

Mit dem 14. Fenster wird das Projekt seinen Abschluss finden. Mit ihm würden auch Spiegelungen verhindert – sprich: Die bereits vorhandenden Fenster werden weiter aufgewertet. Dieter Scheidemann sagt: „Letzendlich hat Max Uhlig uns gegenüber sogar signalisiert, dass er sich auch vorstellen könnte, weitere Fenster zu gestalten.“ Auf der Nordseite der Kirche im Eingangsbereich gebe es dazu noch einige freie Fenster. „Das wird dann aber sicher ohne mich passieren“, sagt Dieter Scheidemann mit Blick auf seine Amtszeit als Vorsitzender des Kuratoiums.

Ein Problem, das sich bei der Besichtigung der Magdeburger Max-Uhlig-Fenster allerdings aus rein organisatorischen Gründen ergeben dürfte: In feste Touren lassen sie sich bislang nur schwer einplanen. Denn sobald die heute vor allem als Veranstaltungsstätte genutzte ehemalige Kirche, die auf das elfte Jahrhundert zurückgeht und die als Predigtkirche Martin Luthers und mit ihrer allemannischen Gruft weitere für Gäste interessante Punkte bietet, mit einem Konzert, einer Tagung oder einem Kongress belegt ist, lassen sich hier nur schwer Gruppen mit Touristen durchschleusen. Und auch einzelne Besucher sind in einer solchen Situation nicht unbedingt willkommen.