Magdeburg l Es ist noch nicht lange her, da war es so weit: Der Nachlass der aus Magdeburg stammenden deutsch-jüdischen Fotografin Lore Krüger mit 100 Fotografien und darüber hinaus weiteren Fotoalben und Schriftdokumenten ist dem Museum für zeitgenössische Kunst im Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg übergeben worden. Anlässlich dessen fand eine Pressekonferenz statt, während der Museumschefin Dr. Annegret Laabs ihrem Stolz über den neuen Schatz im Haus noch einmal Ausdruck verlieh.

Aktuell hängt noch eine Serie mit Bildern von Sinti und Roma aus Südfrankreich im obersten Geschoss des Kunstmuseums – Originalfotografien. Doch die werden künftig nicht mehr gezeigt werden, da sie durch eine dauerhafte Ausstellung Schaden nehmen würden. Stattdessen werden Abzüge gezeigt, berichtet die Leiterin des Kunstmuseums. Das sei allerdings nicht ungewöhnlich, sondern eine gängige Methode, um alte Fotografien für nachfolgende Generationen zu schützen.

Internationales Interesse an Bildern

Ausgeforscht sei das Thema Lore Krüger auch noch nicht, berichtet Annegret Laabs weiter. Denn die 100 Fotografien, die 2015 zunächst in der C/O Galerie in Berlin und anschließend in Lore Krügers Heimatstadt Magdeburg gezeigt wurden und internationales Interesse weckten, bilden nicht den kompletten Nachlass. Etliche weitere Fotoalben und Schriftstücke seien dem Museumsteam ebenfalls übergeben worden. „Da kommt noch einiges an Arbeit auf uns zu“, sagt Annegret Laabs, die Unterlagen müssen nun durchgesehen und inventarisiert werden.

Bilder

Die Magdeburger Museumschefin steht auch in Kontakt mit Archiven an den Orten, an denen Lore Krüger gelebt hat. Sie will sichergehen, dass das Kunstmuseum es erfährt, sollte dort etwas über die deutsch-jüdische Fotografin gefunden werden. „Denkbar wäre eine Kabinettausstellung über das Leben der Lore Krüger“, sagt Annegret Laabs. Damit ließe sich gut an die Ausstellung ihrer Fotos anschließen. Es sei jedoch kein Projekt, das überstürzt werden und gleich 2018 oder 2019 umgesetzt werden solle.

Lore Krüger im Exil

Bekannt wurden Lore Krügers Bilder erst nach ihrem Tod im Jahr 2009, so gut hatte sie sie gehütet. Bemerkenswert war dabei ihr spektakulärer Lebensweg. Geboren 1914 in Magdeburg er- und überlebte sie Emigration, Widerstand, Verhaftung, Internierungslager, Verfolgung und Exil nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und während des Zweiten Weltkrieges.

Ihre Kamera hatte sie stets mit dabei. So entstanden einzigartige historische Dokumente zwischen intimen Privatfotografien, Auftragsarbeiten, Sozialstudien, die für ihre Zeit noch etwas Außergewöhnliches waren, und abstrakten fotografischen Experimenten. Ihre größte Leidenschaft sei das Beobachten der Menschen gewesen, berichtet Annegret Laabs, und das sei auch den Bildern ihres Hauptwerkes anzumerken – jene ungestellten, aus dem Leben gegriffenen Momentaufnahmen gehören zu den stärksten Bildern von Lore Krüger. Lore Krüger steht mit ihrer Arbeit zudem für die neue emanzipierte Stellung der Frau innerhalb der Avantgarde der 1930er und 1940er Jahre.

Fotos für die Öffentlichkeit

Dass sie Fotografin werden wollte, stand für sie schon früh fest. Ihr Handwerk erlernte sie als Schülerin der großen Fotografin und Bauhaus-Absolventin Florence Henri in Paris, die junge Lore wandte sich aber bald von der Studiofotografie ab und dem realen Leben zu. Nach dem Krieg und der Rückkehr nach Deutschland arbeitete sie als Übersetzerin, fotografierte nur noch für private Zwecke. Die Signierung ihrer Fotografien und das eiserne Aufbewahren und Schützen ihres schöpferischen Werkes, das in den Jahren zwischen 1934 und 1944 entstand, lassen jedoch darauf schließen, dass sie ihre Bilder einmal der Öffentlichkeit zugänglich machen wollte, vermutet Annegret Laabs. Lore Krüger erlebte diesen Moment selbst nicht mehr mit.

Mit der Rückführung der Bilder nach Magdeburg würdigt die Stadt Magdeburg, die den Kunstankauf finanziert hat, das Werk der Fotografin.