Magdeburg l „Nach einem Diebstahl von Bekleidung in einem Geschäft im Breiten Weg hat ein bislang unbekannter Täter am Freitagvormittag bei seiner Flucht Pfefferspray eingesetzt. Ein Kaufhausdetektiv hatte den Unbekannten beobachtet, als dieser mehrere Bekleidungsartikel in seine Jacke steckte ....

Meldungen wie diese gehören in der Polizeispalte der Volksstimme fast schon zum Alltag beim Kriminalitätsgeschehen. Doch ist die Landeshauptstadt damit auch automatisch eine der deutschen Hauptstädte, wenn es um den Ladendiebstahl geht? Eine Statistik des Internetportals billiger.de hat genau das ergeben. In Magdeburg liegen die Ladendiebstahlsvorgänge um 43 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt von 749 Diebstählen im Jahr.

Magdeburg als „Klauhochburg“

Danach landet Magdeburg deutschlandweit auf Platz 6 der Ladendiebstahlsdelikte nach Flensburg, Saarbrücken, Dortmund, Heidelberg und Hannover. Das Portal stuft damit Magdeburg genau wie die anderen ersten 35 Städte dieser Statistik sogar als „Klauhochburg“ zwischen Nordsee und Alpen ein.

Dagegen landen andere vergleichbare Städte viel weiter hinten: Schwerin kommt auf Platz 51, gefolgt von Potsdam (58), Rostock (67), Wolfsburg (89). Schlusslicht der Top 100 ist Speyer mit 241 Ladendiebstählen pro 100.000 Einwohner beziehungsweise 68 Prozent unter dem Deutschland-Durchschnitt. Zum Vergleich: Magdeburg kommt auf 1073 Ladendiebstähle, Spitzenreiter Flensburg sogar auf 1308. Wohnen also in Flensburg, Hannover und Magdeburg die meisten Langfinger?

„Das lässt sich aus diesen Statistiken nicht unbedingt ablesen“, sagt Polizeisprecher Marc Becher. „Vielmehr ist es so, dass in Magdeburg und vermutlich auch bei den anderen Spitzenreitern der Kontrolldruck durch Detektive viel höher ist, mehr Ladendiebstähle zur Anzeige gebracht werden und die Ladenfläche bezogen auf die Einwohner deutlich größer ist als in anderen Städten.“ Das sieht auch das Internetportal nicht viel anders. Denn in seiner Studie wird gleich zu Beginn darauf verwiesen: Rund 90 Prozent der Ladendiebstähle werden nicht polizeibekannt. Das heißt: Der Warenverlust wird entweder erst bei Inventuren bemerkt oder gar nicht erst zur Anzeige gebracht und vom Handel gleich als Verlust verbucht. Und auch hier kann es in der Statistik zu Schwankungen kommen. Städte mit vielen Filialisten, die den Diebstahl von Waren praktisch schon einkalkulieren, bringen Diebstähle seltener zur Anzeige als inhabergeführte Geschäfte.

„Für die kann Ladendiebstahl existenzbedrohend sein“, sagt Magdeburgs IG-Innenstadt-Sprecher Arno Frommhagen. Dabei werde der Händler mitunter doppelt bestraft: Einmal durch den Warenverlust. Ein zweites Mal durch das Finanzamt, das ja wissen will, wo das Geld für die Differenz zwischen eingekaufter und verkaufter Ware geblieben ist.

6,8 Diebstähle pro Tag

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass der Ladendiebstahl für alle ein großes Problem ist. Im Jahr 2015 – auf dem diese Statistik beruht (neuere Zahlen gibt es flächendeckend noch nicht) wurden deutschlandweit knapp 370.000 Ladendiebstähle bekannt. Das sind rund 7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Damit werden pro Tag in Deutschland rund 1012 Polizeieinsätze wegen Diebstahl notwendig. 60 Prozent aller Diebstähle ereignen sich in Großstädten. In Magdeburg sind es – statistisch gesehen, 6,8 Ladendiebstähle pro Tag, die angezeigt werden.