Magdeburg l Der Schritt ist wohlüberlegt und das traurige Ergebnis eines schleichenden Prozesses, so Carola Erdmann. Der Dorfkonsum ist beliebt. Die Großeinkäufe werden aber in einer der Filialen der Handelsriesen etwa auf dem Weg von der Arbeit oder beim Abholen der Kinder von der Schule erledigt und nicht in der Ortschaft Beyendorf-Sohlen. „Von dem, was ich einnehme, kann ich nicht mehr leben. Es sind einfach zu wenig Kunden“, so die Erkenntnis von Carola Erdmann. Nun wolle sie etwas Neues anfangen, Bewerbungsgespräche laufen.

Blick auf Regionalität

Die 55-Jährige ist Verkäuferin mit Leib und Seele, wie sie sagt. Mit dem kleinen Laden erfüllte sich die gebürtige Sohlenerin vor fast elf Jahren einen lang gehegten Traum, wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. Der Konkurrenz der großen Handelsketten begegnete sie mit Regionalität. Lebensmittel stammten u. a. direkt von einem Bauernhof. Neben den Produkten einer Großbäckerei bot sie auch Brötchen einer Landbäckerei an. Genau das, was derzeit in aller Munde ist und u. a. von der Friday-for-Future-Bewegung präferiert wird.

Das Angebot richtete sich auch direkt nach den Wünschen der Kundschaft. War einmal etwas nicht im Sortiment, organisierte es Carola Erdmann im Laufe des Tages, ohne sich vom Preis her groß von den Handelsketten abzuheben, wie Kunden sagen. Dass ihre Arbeitswoche 70 Stunden zählte, nahm die Konsumbetreiberin dabei in Kauf.

Wehmut und Tränen

Dass viele der Kunden, die sich am Sonnabendmorgen im Dorfkonsum einfinden, Worte des Wehmuts finden und auch unter Tränen Carola Erdmann gegenübertreten, ist nachvollziehbar. Fast jeder wird hier mit Vornamen begrüßt. „Sie ist die gute Seele des Dorfes“, so Philipp Sens, dessen Ritual es ist, am Sonnabend mit der Familie den Laden an der Ecke der Beyendorfer Straße aufzusuchen. „Die Schließung bedeutet einen großen Verlust für Beyendorf-Sohlen. Wir waren doch so stolz auf unseren Tante-Emma-Laden“, sagt Monika Kopf. Andere Anlaufpunkte zum Einkaufen und Plauschen gibt es nicht im ehemaligen Bördedorf. Vor allem Bewohner, die nicht mehr mobil sind, treffe das Aus hart, so Monika Kopf weiter.

Nachfolger gewünscht

Der Laden steht zur Vermietung. Noch hat sich nichts getan, aber „eine direkte Nachfolge für den Dorfkonsum wäre wünschenswert. Es wäre sehr schade, wenn solch eine Institution nicht weitergeführt wird“, so Eigentümer Ulrich Harms, der den Dorfkonsum selbst ab 1993 führte. Eine Bäckerei reagiert auf die Entscheidung und legt ab sofort am Sonnabend in Sohlen und in Beyendorf jeweils einen Halt ein und bietet neben Back- auch Handelswaren an.

Der Dorfkonsum in Beyendorf ist der letzte seiner Art im Stile des Tante-Emma-Ladens gewesen, der in den ländlichen Regionen der Landeshauptstadt betrieben wurde. Weder in Randau-Calenberge und Pechau, noch im Westen in den früheren Bördedörfern Diesdorf und Alt-Olvenstedt fand sich jüngst solch ein Laden. In Alt-Olvenstedt eröffnete zwar im Zuge der Schließung des einzigen Nahversorgers an der Agrarstraße 2015 ein kleiner Tante-Emma-Laden, der sich aber nicht lange halten konnte.