Magdeburg l Wenn alle Welt hofft, dass für die Wochenenden gutes Wetter angesagt ist, ist das bei Karl-Heinz Ehrhardt inzwischen genau anders herum: „Wir freuen uns über Regen“, sagt er, „denn dann ist es ruhig am Hasselbachplatz.“ Seit 2002 wohnt er in einer Wohnung am Hasselbachplatz.

Und mehr als zehn Jahre sei es dort ruhig gewesen. Doch seit etwa zwei Jahren werde er regelmäßig durch feiernde Jugendliche an den öffentlichen Sitzgelegenheiten rund um den Hasselbachplatz aus dem Schlaf gerissen.

Feiern, grölen, klatschen

„Die feiern, grölen, singen, klatschen“, beschreibt er. Und Ordnungsamt und Polizei würden untätig danebenstehen. Der Hassel-Anwohner ist nicht mehr nur verärgert. Inzwischen wirke sich die permanente Ruhestörung auch auf seine Gesundheit aus. Deshalb zieht er nun die Konsequenz – und flieht am Wochenende ins Hotel.

Als er gesehen hat, dass die Wetteraussichten für das kommende Wochenende sommerlich sind, hat er sich ein Zimmer im „Maritim“ reserviert und will dort übernachten. Die Rechnung für seine Unterbringung will Ehrhardt dann an die Stadtverwaltung schicken. Schließlich sei die ja schuld an der Misere.

Verwandte und Freunde von ihm, die nach Magdeburg kommen, würden schon länger im Hotel schlafen, weil sie Angst hätten über den Hasselbachplatz zu laufen und durch den Lärm nicht schlafen könnten.

Schon vor zwei Jahren habe sich Ehrhardt mit weiteren Anliegern bei der Stadt über das nächtliche Tohuwabohu am Hasselbachplatz beklagt. Entsprechende Kopien der Schreiben an die Stadtverwaltung liegen der Volksstimme vor. „Damals wäre es vielleicht noch einfacher gewesen, den Ruhestörungen Einhalt zu gebieten“, meint Karl-Heinz Ehrhardt. Zuletzt hatte die Sadtverwaltung erklärt, es gebe nicht genügend Ressourcen und Rechte, um am Hasselbachplatz einschreiten zu können.

Eigentlich müsste es regelmäßig Kontrollen auf dem Hasselbachplatz geben, vor allem nachts, damit es für die jungen Leute unbequemer wird, sich dort zu treffen, findet Ehrhardt: „Wenn man das mal ein Viertel-jahr lang konsequent durchziehen würde, wäre die Situation schon eine andere“, ist er überzeugt. Einige Anwohner würden inzwischen selbst nach Lösungen suchen – es gebe Gerüchte, dass Motorradclubs angesprochen werden sollen, damit sie am „Hassel“ für Ordnung sorgen.

Besonders pikant an seiner Aktion: Ehrhardt ist nicht nur Anwohner des Hasselbachplatzes, sondern auch vertretungsberechtigter Geschäftsführer der Hafen GmbH (jährlich etwa 1 Mio. Euro Überschuss) – ein kommunales Unternehmen.

„Wenn ich mit dieser Firma so umgehen würde wie die Stadt mit mir, dann könnte Trümper jedes Jahr eine Million zuschießen“, sagt Ehrhardt. Für ihn steht inzwischen fest: Wenn sein Vertrag Ende nächsten Jahres ausläuft, wird er der Stadt den Rücken kehren. Einfach in einen anderen Stadtteil zu ziehen, kommt für ihn nicht infrage. „Warum soll ich hier wegziehen, wenn es hier über zehn Jahre ruhig war?“, fragt er.

Die Stadt reagierte gestern auf Volksstimme-Nachfrage kurz und bündig: „Wir werden die Absichten des Anwohners nicht kommentieren.“

Vorwurf der Untätigkeit

Parallel zu seiner Flucht ins Hotel hat sich Ehrhardt zudem mit einer „Beschwerde über die Untätigkeit der Stadt Magdeburg“ ans Landesverwaltungsamt gewendet. Pressesprecherin Denise Vopel berichtete, dass aus solchen Beschwerden in der Landesbehörde ein Vorgang werde.

„Der Sache wird natürlich nachgegangen“, erklärte sie. In diesem Fall werde sich die Landesbehörde wohl mit dem Ordnungsamt der Stadt Magdeburg in Verbindung setzen und je nach Sachlage auch beratend zur Seite stehen. Ob und wann die Beschwerde beim Landesverwaltungsamt eingegangen ist, war gestern aufgrund eines technischen Problems nicht herauszufinden. Gegebenenfalls könne das Landesverwaltungsamt auch Anweisungen geben.