Magdeburg l „Oh, schade! Jetzt schon“, quittieren ein paar ältere Damen vor wenigen Tagen die Abschaltung des Ernst-Reuter-Brunnens am zentralen Innenstadtstandort in Magdeburg. Gerade haben die Seniorinnen einen freien Platz auf einer der ansonsten komplett belegten Bänke rund um den Brunnen herum ergattert.

Der Platz liegt im schönsten Abendsonnenschein. Die Terrassen der benachbarten Restaurants sind sehr gut besucht. Kinder spielen am Brunnenrand. Tatsächlich wirkt es jahreszeitlich und standortbezogen einigermaßen unpassend, dass gerade jetzt das Wasserspiel seinen Betrieb einstellt, gerade so, als sei urbanes abendliches Leben unerwünscht – Fußwege hoch?

Brunnen bis Dämmerung an

In den Verlautbarungen der Stadtverwaltung Magdeburg zum Start der Brunnensaison im April 2018 heißt es jährlich gleichlautend, die Brunnenlaufzeiten würden im Laufe eines Sommers der Witterung und den Lichtverhältnissen angepasst. Heißt sinngemäß: Ist es länger hell und heiß, wird auch länger gesprudelt. Im Angesicht der beschriebenen Ulrichplatz-Szenerie dieser langen Hitzetage fragte die Volksstimme im Rathaus nach, warum der Brunnen versiegt, wenn die umliegenden Zapfhähne eben erst richtig zu fließen beginnen.

„Der Ernst-Reuter-Brunnen auf dem Ulrichplatz ist täglich von 10 bis 20 Uhr in Betrieb“, konstatiert Rathaussprecher Michael Reif und: „Wegen der Geräuschkulisse, die das Sprudeln hervorruft, lässt sich eine längere Anschaltzeit nicht mit den Interessen einiger Anwohner vereinbaren.“

Anwohner beschweren sich

In der Vergangenheit habe die Stadt Magdeburg eine Ausdehnung des Brunnenbetriebes in die späteren Abendstunden hinein probiert, „worauf es vermehrt Beschwerden von unmittelbar am Ulrichplatz lebenden Anwohnern gab“, so Reif weiter. Diese fühlten sich durch „das andauernde Plätschern vor allem in den Abendstunden massiv gestört“.

Der für den Brunnenbetrieb zuständige Stadtgartenbetrieb nehme deshalb mit dem Verzicht auf eine längere Brunnenlaufzeit Rücksicht auf die Anwohnerinteressen und bitte dafür um Verständnis.

Wasserspiel am Domplatz an

Auch die meisten anderen Brunnen im Stadtzentrum gehen um 20 Uhr in die Abendruhe – mit einer Ausnahme. Am Domplatz funktioniert, was am Ulrichplatz undenkbar scheint. Die dortige Wasser-Licht-Skulptur – 2013 eingeweiht und allsommerlich wochenlang von der Theaterbühne überbaut – darf sich nach Abbau der Bühne in diesem Jahr mal so richtig und auch im Abendsonnenschein aussprudeln. Seit dem 1. August ist sie täglich von 10 bis 22 Uhr in Betrieb und lädt mutige Passanten zur Erfrischung unterm Bogenstrahl ein – Durchschreiten erlaubt!

Allerdings mit Maß und ohne massives Geplansche, denn sonst könnte auch die Notabschaltung drohen – wie bei den Wasserspielen am Fahnenmonument. Die Volksstimme hatte Anfang Juli über die regelmäßige Dürre im Brunnen berichtet und die Verwaltung ebendiese auf planschende Kinder geschoben – Notstopp nach Wasserverlust. An heißen Sommerwochenenden würden an der Anlage bis zu 10.000 Liter Wasser „verplanscht“, meldet die Rathauspressestelle und erachtet dieses Ausmaß als Ergebnis einer „zweckentfremdeten“ Nutzung des Wasserspiels an der Elbuferpromenade.