Straßenbahnen

Lärmbelästigung: Das große Quietschen in der Magdeburger Innenstadt

Anwohner aus der Leiterstraße in der Magdeburger Innenstadt klagen über ohrenbetäubendes Quietschen der Straßenbahnen. Derzeit befahren unter der Woche in der Hauptverkehrszeit 42 Bahnen den Gleisbogen pro Stunde.

Von Karolin Aertel

Magdeburg - Es sei ohrenbetäubend und gehe durch Mark und Bein. Wenn die Straßenbahnen von der Otto-von-Guericke-Straße in die Hasselbachstraße in Richtung Hauptbahnhof einbiegen oder wieder herausfahren, zerrt ein langanhaltendes penetrantes Quietschen an den Nerven von Christiane Jackschies. Die Anwohnerin der Leiterstraße sagt, es sei bei der Vielzahl an Bahnen, die um diese Kurve fahren, kaum noch zu ertragen. Seit die Straßenbahnen die Tunnelbaustelle wieder durchfahren können, leide sie unter der enormen Geräuschkulisse. Und nicht nur sie: Viele Anwohner aus dem Bereich klagen darüber, erzählt sie. Und tatsächlich dringt ein auffallend lautes Quietschen durch die Straßen, wenn Bahnen diese Kurve passieren. Jenes ist auch in der unweit davon gelegenen Redaktion der Volksstimme zu hören. Christiane Jackschies habe sich bereits bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben (MVB) beschwert und suchte Hilfe beim Umweltamt – bisher vergebens.

Den MVB lag dazu zuletzt im Januar dieses Jahres eine Beschwerde bei der Service-Hotline vor, bestätigt MVB-Sprecher Tim Stein. Die Befahrung mit dem Schienenschleifwagen und die manuelle Fettung des Gleisbogens sei daraufhin häufiger vorgenommen worden, sagt er und erklärt: „Das von den Straßenbahnen verursachte Geräusch ist physikalischer Natur, das durch das Rad-Schiene-System - beides Metallkörper - auftritt. Bei Bogenfahrten wird der Spurkranz des Straßenbahnrades geschliffen, während die Fahrfläche des Rades über den Schienenkopf rutscht. Beides verursacht Geräusche. Je nach Witterung können diese Geräusche lauter oder leiser sein. Gerade bei Trockenperioden sind die Geräusche lauter, während bei Nässe die Geräusche leiser sind.“

Abhilfe durchs Fetten der Strecke

Vermeiden könne man diese Geräusche leider nicht. „Durch die langsame Geschwindigkeit, mit der die Bahnen den Bogen passieren, werden sie jedoch reduziert.“ Kurzfristig können die MVB zusätzlich die Gleisbögen mit einem speziellen Schmierfett einfetten, um die Geräusche weiter zu reduzieren. Die nächste reguläre „Fettung“ der Strecke war ohnehin für den gestrigen Freitag vorgesehen.

Auch der Schienenschleifwagen passiere den Bereich, um Abhilfe zu schaffen.

Durch die Bauarbeiten der Stadt am City-Tunnel am Hauptbahnhof werden die Straßenbahnlinien derzeit über die Hasselbachstraße umgeleitet und müssen somit eine „Runde“ um das City Carré fahren, erklärt der MVB-Sprecher. „Mit Freigabe der Strecke in der Ernst-Reuter-Allee, was voraussichtlich im kommenden Jahr geschehen wird, können die Straßenbahnlinien wieder den direkten Weg nutzen, so dass sich die Anzahl der Fahrten in der Hasselbachstraße deutlich reduzieren wird.“

Derzeit befahren in der Hauptverkehrszeit, welche montags bis freitags 6 bis 18 Uhr umfasst, jeweils 42 Bahnen den Gleisbogen pro Stunde. An Sonnabenden seien es in der Spitze 24 Bahnen pro Stunde. In den Abendstunden seien es montags bis sonntags (18 bis 23 Uhr) jeweils 18 bis 24 Bahnen, wobei Linie 3 nur montags bis freitags bis 21 Uhr im Einsatz ist.