Lars Johansen kam 1994 ans Kabarett „Die Kugelblitze“ nach Magdeburg, die damals noch eine Sparte des Theaters Magdeburg waren. Was Situationen wie heute betrifft, ist der Kabarettist leidgeprüft. 2003 wurden die „Die Kugelblitze“ als Sparte des Theaters abgewickelt, geschlossen, weil die Stadt Magdeburg damals knietief – und weit darüber hinaus millionentief – in den roten Zahlen stand, so wie heute aus anderen Gründen erneut. Die Sorge um den Bestand der Kulturszene ist also sehr berechtigt. Leere Säle, leere Bühnen. Auftrittsverbot. Publikumsentzug. Das Virus weidet Orte der Begegnung aus.

Kabarettist Lars Johansen ist stellvertretend für jene freien Kulturarbeiter zum Jahresmagdeburger 2020 nominiert, die versuchen, Rettungsnetze für die existenzbedrohte Szene zu spannen. Mit seinem Team vom „Moritzhof“ hat Johansen schon am Beginn des ersten Corona-Lockdowns 2020 sehr schnell reagiert und noch im März das Online-Format „Hof on Air“ auf die Bühne gebracht, bei dem 60 Künstler an 60 verschiedenen Aufzeichnungen Auftrittsmöglichkeiten bekamen und damit zugleich Spenden einsammelten für Künstler ohne Einkommen. 24.000 Euro kamen zusammen und wurden umgehend verteilt.

Solisten mit null Einkommen

Der ganzen Gemeinschaft um Johansen, die sich bemüht, Rettungsnetze für die existenzbedrohte Szene zu spannen und Künstlern Wege zu zeigen, wie sie Unterstützung bekommen können, ihre Interessen zu bündeln und an die Politik heranzutragen – dafür wurde Lars Johansen von den Lesern der Volksstimme zum Jahresmagdeburger nominiert und – in Hoffnung für die Stadtkultur – gewählt. Netzwerkend und moderierend steht Lars Johansen an der Seite von Kulturmachern im Überlebenskampf – mit, wie er vielfach betont, vielen anderen. „Es hängen Tausende Existenzen allein in Magdeburg an dieser Szene, auf, vor und neben den Bühnen“, sagt Johansen, der sich selbst – immerhin mit einer Viertelstelle bei der Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren und ein paar Aufträgen als Autor für Filmportale ausgestattet – gegenüber anderen Kollegen, die ausschließlich vom Liveerlebnis leben, noch in nobler Lage sieht. Er komme noch eben so ohne Unterstützung klar, aber andere hätten null Einnahmen. Johansen wurde im Dienste seiner Kollegen wider Willen zum Antragsspezialisten. Das hat ihn viel Zeit in stundenlangen Sitzungen und Gesprächen gekostet – amtliche und politische Auseinandersetzungen, die keines Künstlers Passion sind, aber eben gerade jetzt nicht zu umgehen sind, um zu überleben. Die meisten Künstlerkollegen wünschten sich, es ginge ohne staatliche Hilfe, dafür mit Eigeninitiative und Publikum, doch wann das wiederkommen darf, steht aktuell leider in den Sternen.

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Johansen bringt als Verhandler Eigenschaften mit, die manchem Kollegen abgehen: Geradeaus-Ton, eine Art Auf-der-Hut-sein-Geist gepaart mit prinzipieller Menschenfreundlichkeit und dem Glauben an den Einzelnen, wenn man nur persönlich ins Gespräch kommt. Johansen hält auch die ein oder andere Beschimpfung wacker, überwiegend gelassen und ohne Verbitterung aus.

Im Sinne der Stadtkultur und derer, die darauf warten, dass sie endlich wieder erwachen darf, wünsche ich Lars Johansen, seinen Mitstreitern und allen Kulturschaffenden der Stadt Kraft und Durchhaltevermögen für einen formidablen Neustart.