Zoo Magdeburg

Lauf des Lebens für die Rhinos

Von Karolin Aertel

Magdeburg. Gabriele Bryan hat Krebs. Und doch gehörte sie für einen Moment zu den wohl glücklichsten Menschen der Welt. Im Magdeburger Zoo konnte die 55-Jährige gestern das Nashornkind Mala und deren Mutter Mana streicheln - für Gaby, wie sie von ihrem Ehemann John Bryan liebevoll genannt wird, war das ein ganz besonderer Augenblick; hat sie doch die vergangenen zwei Monate ihres Lebens allein den Dickhäutern gewidmet.

Seit dem 30. April läuft die gebürtige Rheinländerin, die seit 33 Jahren in Australien lebt, durch Deutschland, um auf das Aussterben ihrer Lieblingstiere aufmerksam zu machen. 1800 Kilometer will sie dabei bis zum Jahresende zurücklegen, 770 hat sie schon hinter sich. Gestartet ist sie im Kölner Zoo, lief über Frankfurt am Main, Koblenz, Kassel und Göttingen nach Magdeburg. In den nächsten Tagen geht es weiter nach Berlin, Hamburg und dann wieder Richtung Köln. Alles zu Fuß. Unzählige Schuhe habe sie dabei schon zerlaufen; die Blasen könne sie nicht mehr zählen.

Dennoch wirkt sie glücklich. Sie hat schon Tausende Euro Spenden gesammelt. Und es sollen noch mehr werden. Sie will etwas bewegen; will die Menschen wach rütteln: Nach den letzten Statistiken seien allein von Januar bis Mai 2013 in Südafrika 292 Nashörner gewildert worden. 2008 waren es 83 im ganzen Jahr. "Es geht ums Überleben", sagt sie und spricht in gewisser Weise auch über sich selbst.

Gabriele Bryan hat Darmkrebs im dritten Stadium. Die Heilungschancen liegen bei etwa 50 Prozent. Sie macht sich die Erscheinung der Nashörner im Kampf gegen die Krankheit zu eigen: Die Tiere sind widerstandsfähig, kräftig und zäh. "Wie ich auch", sagt sie. Schon als Kind habe sie die behäbig wirkenden Rhinozerosse über alles geliebt. Dass sie einmal 1800 Kilometer für sie laufen würde, war so jedoch nicht geplant. Denn eigentlich wollte Gaby Bryan in diesem Jahr für vier Wochen nach Südafrika, um in einem Volunteer-Programm zum Nashornschutz zu arbeiten. Aber es kam eben anders. Doch sie hadert nicht mit ihrem Schicksal. Mit der Unterstützung ihres Mannes, der bis zum Jahresende unbezahlten Urlaub nahm, verfolgt sie ihr Ziel - auf das Aussterben ihres Lieblingstieres aufmerksam zu machen.

Wer mehr über die Aktion der Australierin erfahren will, kann im Internet unter www.gabywalksforrhinos.com nachlesen.