Magdeburg l Eigentlich wollte Frank Trommer Pilot werden. Daraus ist zum Glück für die Schweißindustrie nichts geworden. Heute ist der 36-Jährige Professor am Institut für Maschinenbau der Magdeburger Hochschule und hat im Bereich Reibschweißen für bedeutende Entwicklungen gesorgt.

Reibschweißen, das bedeutet: Zwei Bauteile werden durch die Kraft und Wärme, die bei der Reibung aneinander entsteht, zusammengefügt. Anders als beim sogenannten Schmelzschweißen kommen weder eine Flamme noch ein Lichtbogen zum Einsatz. Sondern ein Bauteil dreht sich mit bis zu 3000 Umdrehungen pro Minute auf dem anderen. In jedem Pkw gebe es eine Vielzahl von Bauteilen, die auf diese Weise verbunden werden, erklärt Frank Trommer.

Magdeburger Verfahren ist weltweit bekannt

Der große Vorteil dieses Schweißverfahrens: „Zahlreiche Werkstoffe und deren Kombinationen können so miteinander verbunden werden“, macht der Doktor der Ingenieurwissenschaften deutlich. Mit der klassischen Schweißtechnik sei das nicht möglich. Man müsse sich das folgendermaßen vorstellen: Selbst Bauteile unterschiedlicher Struktur, die zuvor verschraubt oder gesteckt werden mussten, könnten jetzt durch Reibung verbunden werden.

Durch die Wärme ließe sich das Material wie Knete verformen und ineinanderpressen. In Magdeburg und Umgebung wenden viele Firmen diese Technik bereits an. In Haldensleben zum Beispiel stellen mittlerweile rund 20 Maschinen per Reibschweißen Antriebs- und Gelenkwellen für die Automobilindustrie her. Im Jahr 2018 waren es fast 6 Millionen Wellen.

In gemeinsamer Arbeit aufgebaut

Die Region Magdeburg sei als Reibschweißzentrum mittlerweile in ganz Deutschland ein Begriff und eine Marke, so Frank Trommer. Er selbst war nach seinem Maschinenbaustudium an der Magdeburger Hochschule bei einem Stuttgarter Autohersteller Doktorand und arbeitete bereits als Prozessingenieur in Augsburg. In Sachen Reibschweißtechnik sei Magdeburg überall bekannt gewesen. „Wir können stolz darauf sein, was wir in gemeinsamer Arbeit aufgebaut haben.“

Die gute Zusammenarbeit der Wissenschaftler von Universität und Hochschule mit regionalen Unternehmen sei die Basis für diesen Erfolg. Gemeinsam werden neue Verbindungsgeometrien erprobt, Maschinen optimiert und Prozessabläufe simuliert.

Mit 31 Jahren als Professor im Hörsaal

„Jeder Partner spielt seine Expertise aus.“ An der Hochschule Magdeburg-Stendal sei dies vor allem das über lange Jahre aufgebaute Prozess-Know-how sowie der hohe technische Standard in den Forschungslaboren. „Mit modernsten Reibschweißmaschinen sind wir in der Lage, vielfältige Industrieaufgaben zu lösen. Die integrierte Sensorik hilft uns dabei, den Prozess zu verstehen und anschließend zu optimieren.“

Das sei eine wesentliche Voraussetzung für Industrie 4.0, so Frank Trommer. Wenn Frank Trommer über seine Arbeit spricht, klingt das lebhaft, nahezu leidenschaftlich. „Ich versuche für unser Fachgebiet Begeisterung zu übertragen.“ Und das gelingt ihm ganz offensichtlich. Bereits mit 31 Jahren wurde Frank Trommer Vertretungsprofessor an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Nah dran am Studentenleben

Wie kommt so ein junger Hochschullehrer bei den Studenten an? „Ich empfinde es als positiv, dass ich noch so nah dran an der Studierendenschaft bin, was Interessen, Musik, Sport und so weiter betrifft“, berichtet Trommer aus seinen Erfahrungen der letzten Jahre. „Da wir auf dem ‚gleichen Level‘ sind, entsteht vielleicht noch mal ein ganz anderer, intensiverer Draht.“ Allerdings achte er auch immer auf die nötige respektvolle Distanz. Damit das Verhältnis nie zu „kumpelhaft“ werde.

Gebürtig stammt Frank Trommer aus der Altmark, lernte die Hochschule zu einem Tag der offenen Tür kennen. Sein erster Eindruck damals: „Ich fühlte mich hier sofort aufgehoben.“ Das Angebot sei gut strukturiert gewesen.

Moderne Lehre und Forschung

Im Ablauf habe sich bis heute allerdings einiges verändert, die verschiedenen Institute im Bereich der Ingenieurswissenschaften würden enger zusammenarbeiten. Frank Trommer: „Wir haben es geschafft, in unserem Fachbereich viel enger zusammenzuwachsen.“ Ihm zufolge steht Magdeburg für eine „moderne Lehre und Forschung“. Man tue alles dafür, damit das genau so bleibt.

Eine immer wichtigere Rolle in der Ausbildung spiele die Zusammenarbeit im Team, eine interdisziplinäre Arbeit sowie Flexibilität, zum Beispiel wenn es um Auslandssemester geht. Frank Trommer: „Es ist wichtig, dass wir ein attraktives Studium anbieten, um Fachkräfte, unter anderem für unsere Region, ausbilden zu können.“

„Made in Magdeburg" ist eine Gemeinschaftsserie von Volksstimme und dem Stadtmarketingverein Pro M. Mehr gibt es auf einer eigenen Internetseite.