Magdeburg l Wer eine Arztpraxis betritt, muss seine Gesundheitskarte am Tresen abgeben. Per Lesegerät werden die Daten in einem speziellen Computerprogramm verarbeitet. Auf den Rechnern von 11.000 Psychotherapeuten und Ärzten in ganz Deutschland ist dafür die Software „Elefant“ installiert. Das Programm „Made in Magdeburg“ unterstützt bei der generellen Verwaltung der Praxis, bei der Dokumentation der Patientendaten sowie bei der Abrechnung der Leistungen. Entwickelt wurde die Software im Hause Hasomed, einem Magdeburger Medizintechnikunternehmen.

Auslöser war eine neue Richtlinie

Von den 120 Mitarbeitern beschäftigen sich circa die Hälfte mit der speziellen Software. René Chelvier ist der Produktmanager für Elefant. Er hat in Magdeburg Computervisualistik studiert. Seine Aufgabe ist es, zwischen den Anwendern und Entwicklern zu vermitteln. Er steht stetig in Kontakt mit den Kunden, um deren Arbeitsabläufe sowie Wünsche und Sorgen zu verstehen. „Nur dann kann das Produktmangement sagen, was als Nächstes entwickelt wird. Die Entwickler bestimmen dann das Wie“, so René Chelvier mit einem zwinkernden Auge. Doch wie entstand die Idee zur Software? Auslöser sei eine neue Richtlinie für Psychotherapeuten gewesen, die vor mehr als zehn Jahren in Kraft trat. Hatten die Therapeuten bisher ihre Abrechnung per Karteikarten erledigt, sollte das Ganze jetzt digitalisiert werden.

Auf einmal suchten Tausende nach einer geeigneten Praxissoftware. „Solche Programme gab es bis dahin nur für Ärzte. Der Funktionsumfang war viel zu groß, die Software dadurch viel zu teuer“, macht René Chelvier deutlich. Der Unterschied: Eine Arztpraxis empfängt pro Tag 100 bis 200 Patienten, ein Psychotherapeut circa acht. Zudem kommen deutlich weniger Geräte zum Einsatz, die in der Software eingebunden werden müssten.

Der Impuls kam aus Rostock

Ein Psychotherapeut aus Rostock wandte sich damals an Hasomed und fragte nach Unterstützung. Chelvier: „Die Mitarbeiter haben angefangen, die Software ganz nah am Anwender und entsprechend den Arbeitsabläufen zu bauen.“ Benannt ist die Magdeburger Entwicklung nach dem Lieblingstier des Rostockers – dem Elefanten. „Ein starkes Tier, das geduldig ist und sich viel merken kann – passt perfekt.“

Wichtigste Grundlage bei der Programmierung. Viele Psychotherapeuten sind sehr fokussiert auf das Gespräch mit ihren Patienten und sehen die Technik als Herausforderung. Deswegen soll die Magdeburger Software „mit wenig Aufwand bestmöglich unterstützen“. Wie kann das funktionieren? Zum Beispiel weise das Programm die Anwender mit einem Assistenten darauf hin: „Wenn Sie diese Leistung erfassen, muss auch die entsprechende Dokumentation hinterlegt werden“, so René Chelvier.

Heute gibt es in ganz Deutschland fünf solcher Programme, die sich auf die Arbeit von Psychotherapeuten spezialisiert haben. Von den 165 Praxisverwaltungssystemen liegt Elefant laut einer Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bereits auf Platz 4. „Das zeigt, dass wir den Kunden mit Elefant den Mehrwert „Mehr Zeit für ihre Patienten“ ermöglichen. Und das motiviert auch uns.“, so Chelvier. Dass die Software von hier ist, habe bisher noch keinen Kunden gestört. René Chelvier: „Ich habe eher die Erfahrung gemacht, dass Nutzer aus den neuen Bundesländern sagen: ‚Toll, das ist ja jemand von uns.‘“

Persönlicher Kontakt ist vorhanden

Auch in den alten Bundesländern gebe es null Berührungsängste. Worin unterscheidet sich Elefant von anderen Systemen? „Es ist nicht die Anwendung, sondern auch der persönliche Kontakt im telefonischen Support, den wir hier in Magdeburg selbst erbringen.“ Wie sieht die Zukunft aus? Aktuell arbeite man in dem Unternehmen an der nächsten Generation. Ziel ist es, dass sich die Anwender noch weniger um die Technik kümmern müssen.

„Made in Magdeburg“ ist eine Gemeinschaftsserie von Volksstimme und dem Stadtmarketingverein Pro M. Mehr dazu auch online unter der Adresse www.made-in-magdeburg.com.