Magdeburg l An ihrer Grundschule in Greifswald wurde Leichtathletik großgeschrieben. So kam Anna Rüh dazu. „Ich war relativ gut“, sagt sie bescheiden. Daraufhin habe sie das Angebot bekommen, in Neubrandenburg aufs Sportgymnasium zu gehen, um den Sprung in den Leistungssport zu schaffen.

„Eigentlich sollte ich Siebenkämpferin werden. Erfahrene Trainer haben dann doch aufgrund meiner Größe zum Diskuswerfen geraten“, so die 1,86 Meter große Athletin.

Sehr gute Bedingungen fürs Training

Der Rest klingt mit den Worten der 25-jährigen U20-Weltmeisterin von 2012 und Olympia-Zehnten von London 2012 recht simpel: „Man trainiert fleißig, bleibt am Ball.“ So sei es für sie immer weiter in Richtung Weltspitze gegangen. Und es soll noch viel weiter nach oben gehen.

Die Wahl-Magdeburgerin – sie kam 2015 zum SCM – kann sich dabei als Sportsoldatin der Bundeswehr voll auf das Diskuswerfen konzentrieren. „Ich habe hier eine super Trainingsgruppe und bin sehr zufrieden mit den Bedingungen in Magdeburg“, sagt sie: „Mit dem Erfolg kommt der wahnsinnige Ehrgeiz. Den muss man sich auch bei schlechten Trainingseinheiten immer wieder in den Kopf rufen.“

Projekt Tokio gibt Unterstützung

Ohne den unbedingten Willen zum Training zu gehen, das gebe es für sie nicht. „Letztlich ist das ja mein Job als Soldatin, sportlich meinem Land zu dienen“, erklärt die Leistungssportlerin, die nebenbei auch gelernte Kauffrau für Bürokommunikation ist.

Unterstützung bekommt sie durch das „Projekt Tokio“, eine Erfindung „Made in Magdeburg“. Der Sportclub gründete es zur Unterstützung von Athleten auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2020 in Japan. So entstand ein Netzwerk von Sponsoren und Unterstützern, die den Sportlern in der Olympia-Vorbereitung auf vielfältige Weise unter die Arme greifen.

Hilfe auch vom Arbeitgeber

„Die Kampagne hilft uns wahnsinnig, nicht zuletzt bei der Vermarktung. Neben Fußball und Handball, die in der Stadt sehr präsent sind, stehen Leichtathletik, Schwimmen und andere Sportarten nicht so im Fokus“, sagt Anna Rüh.

In den Fokus rücken will diese auch der 20 Jahre alte Sprinter und Staffelläufer Thomas Barthel. Am besten als Teilnehmer bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020. „Ich bin durch die Familie in den Leistungssport hineingewachsen. Meine Mutter und mein Vater waren ebenfalls im Leistungssport aktiv, haben allerdings kurz vor dem Erwachsenenbereich aufgehört“, erzählt der aus der Gegend um Stendal stammende SCM-Athlet. „Ich bin dann ab 2013 die Schiene über das Sportinternat und das Sportgymnasium gegangen und habe 2018 mein Abitur erfolgreich abgeschlossen“, berichtet er.

Sonntags mal die Beine hochlegen

Derzeit ist er – neben dem Leistungssport – Auszubildender bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben (MVB). Ein zusätzlicher Kraftakt, aber für Thomas Barthel die notwendige Vorbereitung auf die Karriere nach der Karriere: „Ich mache bei den MVB eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. Das macht mir auch viel Spaß und ich bin froh, dass ich dort als Leistungssportler sehr stark unterstützt werde, gerade was Freistellungen für Trainingslager und Wettkämpfe betrifft“, sagt der Sprinter.

Dafür trainiert er täglich, dafür will er bei den anstehenden Qualifikationswettkämpfen alles in die Waagschale legen. „Nur sonntags habe ich frei, da wird nur ersatzweise trainiert, wenn es gar nicht anders geht. Sonst bin ich sonntags meist bei meinen Eltern und ruhe mich einfach aus, lasse mich auch mal vor dem Fernseher berieseln, genieße die Zeit mit meiner Familie.“

Perfektes Programm zum Abschalten

Für ihn sei das das perfekte Programm zum Abschalten von Trainingsqualen und Leistungsdruck. Wie es ohne Leistungssport wäre? Er zuckt mit den Schultern. „Das lässt sich schwer sagen. Ich glaube, ich würde kaputt gehen, wenn der Sport auf einmal wegfallen würde.“

Auch Diskuswerferin Anna Rüh sagt, sie könne sich ein Leben ohne den Sport nicht vorstellen. Sie selbst könne beim Gassigehen mit dem Hund „den Kopf freispazieren“. Auch bei etwas Gartenarbeit zu Hause könne sie gut entspannen.

Mit Hochdruck beim Training

Doch schon am nächsten Tag geht es beim Training mit Hochdruck weiter. Diskuswerferin Anna Rüh und Sprinter Thomas Barthel geben alles für den Traum, olympisches Edelmetall nach Magdeburg zu holen.

"Made in Magdeburg" ist eine Gemeinschaftsserie von Volksstimme und dem Stadtmarketingverein Pro M. Mehr gibt es auf einer eigenen Internetseite.