Einwohner

Magdeburg verliert durch Wegzüge

Fast 10.000 Menschen sind im ersten Dreivierteljahr aus Magdeburg fortgezogen. Nur knapp 8600 sind in die Stadt gezogen.

Von Martin Rieß

Magdeburg l In keiner anderen kreisfreien Stadt und in keinem Landkreis in Sachsen-Anhalt sind in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres mehr Menschen weggezogen als in Magdeburg. Das geht aus einem vom Statistischen Landesamt jetzt veröffentlichten Vergleich der Kommunen hervor. Nirgendwo anders waren aber auch so viele Zuzügler zu verzeichnen wie in Magdeburg. Konkret hatte Magdeburg 9848 Fortzüge und 8556 Zuzüge zu verzeichnen.

Was bei diesem Vergleich auffällt: In allen drei Großstädten fällt der Saldo aus Zu- und Wegzügen negativ aus – sprich: Es haben mehr Menschen die Städte verlassen, als dass Menschen in die Stadt gezogen sind. Dafür konnten alle Landkreise in Sachsen-Anhalt von den Zuzügen profitieren. Damit hat sich ein Trend der vergangenen Jahre, dass nämlich mehr Menschen in die Städte als aus ihnen fortziehen, umgekehrt.

In den vergangenen Jahren hatte Magdeburg ebenso wie Halle als zweite Großstadt in Sachsen-Anhalt steigende Bevölkerungszahlen zu verzeichnen, da viele Menschen von auswärts in die Städte gezogen sind.

Der zweite Faktor, der in die Entwicklung der Einwohnerzahlen hineinspielt, ist die Differenz zwischen Geborenen und Sterbefällen. Und hier ist in Magdeburg seit vielen Jahren ein Defizit zu verzeichnen.

Die Gründe für den Einwohnerverlust für Magdeburg sind vielfältig. So hatte Magdeburgs Baubeigeordneter Dieter Scheidemann jüngst davor gewarnt, dass aufgrund fehlender preiswerter Grundstücke für den Eigenheimbau in Magdeburg eine Situation wie in den 1990er Jahren drohte, als teilweise mehr Menschen die Stadt zum Hausbau ins Umland verließen als in die alten Bundesländer, um dort beruflich neue Wege einzuschlagen.

Auf der anderen Seite hatte Magdeburg trotz einer im Vergleich zu vielen anderen ostdeutschen Städten prosperierenden Wirtschaft Rückschläge einzustecken: Große Teile der Produktion von Windkraftanlagen werden aufgegeben, und wenn die Arbeitnehmer dann andernorts eine Arbeitsstelle finden, werden einige auch aus Magdeburg wegziehen. Ob der Aufbau von Logistikunternehmen die Verluste in der Produktion kurzfristig ausgleichen konnte, ist keineswegs sicher.

Und auch das: Die Corona-Krise schlägt zu. Ein Beispiel dafür ist die Otto-von-Guericke-Universität. Die Zahl der Uni-Studenten lag zum Beginn des Semesters bei 13.563. Das sind etwa 230 weniger als zum Wintersemester ein Jahr zuvor. „Der leichte Rückgang ergibt sich vor allem aus der Situation internationaler Studierender, denen es in Teilen durch die Pandemie nicht möglich war, ihr Studium an der Uni Magdeburg zu beginnen“, erläutert Unisprecherin Katharina Vorwerk. Der Anteil internationaler Studierender an der Universität Magdeburg beträgt über alle Studienangebote hinweg inzwischen über 25 Prozent.

Eine ähnliche Entwicklung gab es an der Hochschule Magdeburg-Stendal: Am Standort Magdeburg waren vor einem Jahr 3642 Studenten eingeschrieben, dieses Semester 3590. „Weniger Anfänger gab es vermutlich, weil in Niedersachsen ein Abi-Jahrgang ausfiel. Die Zahl der ausländischen Studierenden blieb in der Summe konstant“, so Hochschulsprecher Norbert Doktor.

Da viele Absolventen Magdeburg verlassen und nicht genügend junge Menschen nachkommen, fließen auch diese Entwicklungen in die Bilanz der Zu- und Fortzüge ein.