Magdeburg l Bäume verschwinden, Brachen und kleine Grünflächen weichen Neubauten. Die Antwort heißt für dieses Trio: „Bäume pflanzen! Grün statt Grau!“. Steffen Tilsch, Felix Bosdorf und Hartwig Haase wollen mit ihrem Team so viele Bäume pflanzen, wie Magdeburg Einwohner hat. 242.000 Bäume für die Landeshauptstadt heißt das erklärte Ziel der Aktion „Otto pflanzt“. Ein großes Ziel, dessen Ursprungsidee aus Dresden kommt. Initiator Steffen Tilsch hat mit Felix Bosdorf und Hartwig Haase die Idee für Magdeburg adaptiert und „Otto pflanzt“ gegründet.

Gründe, Bäume zu pflanzen, gebe es genügend: Sie sind Sauerstoffspender, CO2-Speicher, Lebensraum, Erholungsort und vieles mehr. Gerade in den letzten Jahren sind in und um Magdeburg viele Tausend Bäume gefällt worden. Flächenversiegelungen durch Bauprojekte und das extreme Wetter der letzten Jahre haben dem Bestand arg zugesetzt. Schädlinge wie der Asiatische Laubholzbockkäfer hatten es dann leicht, schon angeschlagene Bäume anzufallen, was zu weiteren Fällungen führte.

Team aus engagierten Freiwilligen

„Magdeburg verliert langsam, aber sicher sein Grün, wenn wir nicht gegensteuern. Dabei waren wir einmal Deutschlands zweitgrünste Stadt, aktuell findet sich Magdeburg nur noch auf Rang 70“, erzählt Hartwig Haase. Die beste Zeit zum Pflanzen wäre eigentlich schon vor vielen Jahren gewesen, aber die zweitbeste Zeit sei auf jeden Fall jetzt. „Eigentlich müssten wir jeden Tag Bäume pflanzen. Dies wäre gut für die heimische Tier- und Pflanzenwelt, besonders aber auch für die CO2-Bindung“, so die drei Männer.

Die drei sind keine Einzelkämpfer, hinter ihnen steht ein Team aus über 50 engagierten Freiwilligen. Darunter auch die Studentinnen Julia Zigann und Leonie Wöhrle sowie Juliana Hilf, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Otto-von-Guericke-Universität, die das Männer-Trio im Kern-Team ergänzen. Die Initiative werde auch von verschiedenen Experten aus dem Garten- und Umweltbereich unter anderem vom Pflanzenhof Beyme, Klimabonus e.?V. und Bienenweide e.?V. unterstützt. Hinzu kommen Spenden zahlreicher Magdeburger und manch einer Firma. „Die Resonanz ist toll, die Bevölkerung hat großes Interesse daran, dass die Stadt wieder grüner wird“, so Steffen Tilsch.

Stadt stellt Fläche zur Verfügung

Alle drei sind eng mit Magdeburg verbunden. „Die Stadt ist meine Heimat“, erzählt Felix Bosdorf. Der 27-Jährige ist hier geboren und engagiert sich unter anderem bei der Magdeburger Bewegung „Students for Future“, wo er Steffen Tilsch kennenlernte. Geboren in Magdeburg hat es Steffen Tilsch zwar mittlerweile mit Kind und Kegel ins Umland verschlagen, doch nach wie vor engagiert er sich für seine einstige Heimatstadt. Bei einem Protest gegen die Bebauung des Kleinen Stadtmarschs lernte der 36-Jährige Hartwig Haase kennen, der seit 1972 in der Landeshauptstadt lebt und in mehreren Nachhaltigkeitsinitiativen aktiv ist.

Ein Jahr hat es gedauert von der Idee bis zur Umsetzung. Ende November konnte die erste Fläche von etwa 8000 Quadratmeter an der Oebisfelder Straße in Rothensee bepflanzt werden. Sie wurde der Bürgerinitiative von der Stadt zur Verfügung gestellt. „Für diese ersten Pflanzungen waren fast 6000 Euro allein für die Bestellung der Gehölze nötig. Die gleiche Summe wird für die Bewässerung und Pflege in den nächsten sieben Jahren kalkuliert. Und wir haben es wirklich geschafft, in kurzer Zeit das Geld einsammeln zu können. Es war genial“, berichten die drei Akteure.

Zu der öffentlichen Pflanzaktion seien ursprünglich mehr als 60 Helfer angemeldet gewesen. Doch die Auflagen wegen der Corona-Pandemie hätten eine solche Großveranstaltung nicht zugelassen. „Keine Pflanzparty, nur Arbeitseinsatz, aber dazu waren neben dem Kernteam rund 30 Helfer erschienen: Kinder sowie Frauen und Männer von 18 bis fast 80 halfen mit. Ein Arbeitseinsatz unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen“, erzählt Felix Bosdorf.

Das stolze Ergebnis: 58 Obstbäume sowie 1800 weitere standortheimische Bäume und Sträucher haben nun ihre Wurzeln in Magdeburger Erde. Unterstützung gab es vom Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg (SFM) beim Bewässern. Sieben Jahre werde sich die Initiative nun um die Pflege des Grüns kümmern.

Das Pilotprojekt ist geschafft. „Mit Rückenschmerzen, Erleichterung und großem Enthusiasmus“, erzählt Hartwig Haase. Wie lange „Otto pflanzt“ insgesamt brauchen wird, um 242.000 Bäume zu pflanzen, steht noch nicht fest. „Damit die Baumpflanz-Aktion gelingen kann, werden noch viel mehr Flächen benötigt. Wir würden gerne Autobahnkreuze und Brachflächen neben Bahntrassen bepflanzen“, erzählt Steffen Tilsch.

Projekt für besseres Stadtklima

Der Flächen-Appell des Bündnisses richtet sich vor allem an Firmen mit Brachflächen. Im Gegensatz zur städtischen Aktion „Mein Baum für Magdeburg“ wollen die Akteure große Flächen begrünen und keine einzelnen Alleen oder Baumscheiben. Es gehe beim Projekt darum, keine Einzelbäume, sondern große Flächen zu bepflanzen und viel Ökomasse für ein besseres Stadtklima zu produzieren.

„Ich habe durch Otto pflanzt so viel gelernt und erlebt. Dabei war Bäume pflanzen übrigens das Geringste. Dies hat oft Spaß gemacht, war aber auch nicht immer leicht. Neben dem inneren Antrieb für die gute und wichtige Sache, aktiv etwas für den Klimaschutz zu tun, sind es viele großartige Menschen, welche ich kennengelernt habe, mit denen ich gerne die Herausforderungen angehe und von denen ich viel gelernt habe”, fasst Felix Bosdorf die vergangenen Monate zusammen.

Ihren Einsatz für ein grüneres Magdeburg und den Klimaschutz sieht das Trio nicht als etwas Besonderes an. „Manch einer engagiert sich bei der freiwilligen Feuerwehr oder ist im Sportverein aktiv. Wir pflanzen Bäume“, so Steffen Tilsch.

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