Magdeburg l Ein Marathon von Baustelle zu Baustelle? Klingt verrückt? In gewisser Weise ist es das auch. Doch die vielen Baustellen an Baustellen und Umleitungen nach Umleitungen in der Landeshauptstadt können auch so manchen Magdeburger verrückt machen.

Dem Stadtfelder Mathias Luther kam die Idee, genau so einen Lauf zu veranstalten, bei dem die Teilnehmer natürlich die Marathon-Distanz absolvieren müssen, doch dies in einer Art Sternlauf von der Tunnelbaustelle – der Mutter aller Baustellen in Magdeburg – zu verschiedenen anderen Baugruben verteilt im Stadtgebiet: Magdeburgs ersten Baustellenmarathon.

Idee begeisterte Läufer

Wie er auf die Idee kam? Er ärgerte sich darüber, dass der beliebte Elbebrückenlauf wegen der vielen Baustellen in der Stadt kurz vor dem Aus stand. Da dachte er sich, so eine Baustellenstadt braucht auch einen entsprechenden Marathon. Seine Idee stellte er zunächst auf dem Kurznachrichtendienst Twitter vor – und fand dabei schnell Gleichgesinnte, die bei dem Spaß mitmachen wollten.

Denn das war es auch, was Mathias Luther vorschwebte: Es sollte ein Lauf werden, der auf keinen Fall in Konkurrenz zu anderen Laufveranstaltungen der Stadt wie Magdeburg-Marathon oder eben Elbebrückenlauf stehen sollte. Ebenso wenig wollte er damit ein politisches Statement mit erhobenem Zeigefinger abgeben. Mit dem Spaßlauf wollte er mit einem Augenzwinkern auf die teils chaotischen Zustände in Magdeburg aufmerksam machen und den Laufbegeisterten eine Möglichkeit geben, aus Spaß am Sport die verschiedenen Baugruben zu erkunden.

Nun also stand er vor der Herausforderung, zum ersten Mal selbst einen Marathon zu organisieren. „Das habe ich vorher noch nie gemacht“, gibt der Stadtfelder zu. Unterstützung fand der Stadtfelder beim Verein Magdeburger Laufkultur. Sabine und Heiko Björn machten von Anfang an mit im kleinen Organisationsteam. Auch Mathias Luthers Frau, die die Idee anfangs eher skeptisch belächelte, unterstützte ihn.

Stadtverwaltung und MVB nehmen es sportlich

So wurde in kleinem Kreis geplant, die Strecke von Baustelle zu Baustelle vermessen, um die Marathon-Distanz zu erreichen. Bei André Holstein von der Mitmachwerkstatt Macherburg wurden eigene hölzerne Medaillen hergestellt. Es war irgendwie alles Handarbeit beim Baustellenmarathon.

Die Stadtverwaltung nahm den kleinen ironischen Seitenhieb sportlich und unterstützte das Projekt. „Die Stadt hat völlig unkompliziert geholfen. Das war schon toll“, blickt der 37-Jährige zurück. Für den Lauf stellte die Stadt den Infocontainer der Tunnelbaustelle vor dem Hauptbahnhof als Start/Zielbereich sowie Toilettenhäuschen zur Verfügung. Und mehr noch: Der Projektleiter der Tunnelbaustelle lud alle Teilnehmer des Baustellenmarathons zu einer Sonder- führung über die Tunnelbaustelle an einem späteren Termin ein.

Auch die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) – nicht ganz unschuldig an den vielen Baustellen – zeigten Sinn für Humor und unterstützten den Lauf mit einem eigenen Verpflegungsstand an der Strecke. „Wir begrüßen die Initiative, schließlich wird damit auf ironische Art und Weise das aktuelle Stadtgeschehen aufgegriffen. Mit unserer 2. Nord-Süd-Verbindung sorgen wir ja für die ein oder andere Einschränkung“, kommentierte MVB-Sprecher Tim Stein. Letztlich gingen trotz strömenden Regens Ende Februar 30 Läufer an den Start – und waren begeistert.

Keine zweite Auflage geplant

An eine zweite Auflage eines Baustellenmarathons denkt Mathias Luther indes nicht. Genügend Baustellen gibt es zwar immer noch, doch es sollte eine einmalige Sache bleiben. Aber: „Ich kann mir durchaus vorstellen, etwas Ähnliches zu machen. Gerade in diesem Jahr hat sich mit der Corona-Krise gezeigt, dass man Laufveranstaltungen auch anders organisieren kann – virtuelle Läufe funktionieren“, sagt der Laufbegeisterte, der seit 2013 regelmäßig läuft. Mehrere Laufveranstaltungen – auch der Elbebrückenlauf – gingen in diesem verrückten Corona-Jahr virtuell über die Bühne. Man kann also gespannt sein, was sich Mathias Luther noch so einfallen lässt.

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