Magdeburg l Balu, der Großpudel, weicht der Magdeburgerin Jenni Höhn im Alltag nicht von der Seite. Er ist für die 32-Jährige viel mehr als ein tierischer Freund und Begleiter. Balu sieht für sein Frauchen, er führt sie durch den Trubel der Stadt und die Dunkelheit, die Jenni Höhn umgibt, seit sie mit 8 Jahren erblindet ist.

Dank Balu kann die Olvenstedterin die Hürden des Alltäglichen relativ gut meistern. Da ihr Mann Patrick ebenfalls fast blind ist, ist sie auf ihren ausgebildeten Blindenhund umso mehr angewiesen. Jenni Höhn kann tagsüber kaum auf sehende Begleitpersonen zurückgreifen, da ihr Freundeskreis auch aus Blinden besteht, wie sie berichtet.

Hund darf nicht ins Schwimmbad

Somit hat die 32-Jährige ein handfestes Problem: Hunde haben aus Sicherheits- und hygienischen Gründen in sensible öffentliche Bereiche keinen Zutritt. Das gilt auch für anerkannte Blindenhunde. „Ich gehe sehr gern mal schwimmen, aber das ist für mich seit längerem nicht mehr möglich“, erzählt Jenni Höhn. Sowohl in den Freibädern als auch in Schwimmhallen, wo sie sich noch recht sicher bewegen könne, muss Balu draußen bleiben. Auf ihre Anfragen, dass das doch besondere Umstände seien, habe sie stets Absagen bekommen.

„Es geht doch nicht darum, dass Balu mit ins Becken darf. Überhaupt nicht. In einem Schwimmbad komme ich auch so noch zurecht. Er könnte in einem Nebenraum, wo er niemanden stört, auf mich warten“, erklärt die Magdeburgerin.

Andere Städte, andere Möglichkeiten

Dass dies durchaus möglich sei, wisse sie von einer guten Freundin aus Düren, wo der ebenfalls blinden Frau dies mit ihrem Begleithund, einem Labrador, ermöglicht werde. „Mein Pudel haart ja nicht mal“, argumentiert Jenni Höhn. Sie würde auch eine Decke mitbringen, auf die sich Balu so lange legen könnte.

Gleichwohl hat sie Verständnis für strenge Regeln in Sachen Hygiene. „Vielleicht könnte die Stadt ja die Möglichkeit einräumen, dass Betroffene wie ich in einer Gruppe einmal im Monat zwei Stunden schwimmen gehen dürfen“, lautet ihr Vorschlag.

Eintritt für Begleitpersonen kostenlos

Doch die Verwaltung in Magdeburg sieht hier keine Möglichkeit. Schwerbehinderte Menschen hätten die Möglichkeit, kostenfrei eine Begleitperson mit in die Bäder zu nehmen, betont Stadtsprecher Michael Reif. Dies ist in allen Schwimmhallen und Freibädern problemlos möglich. „Unsere Schwimmhallen haben jedoch keine räumlichen Kapazitäten, um Blindenhunde artgerecht unterzubringen“, so betont er.

Und selbst wenn es diese geben würde, müsste der Blindenhund in dieser Zeit von jemandem betreut und „gegebenenfalls versorgt“ werden. Im Anschluss wäre aus hygienischen Gründen zudem eine Reinigung des Raumes nötig. Reif ergänzt: „Unsere Schwimmmeister könnten diese Aufgaben nicht absichern, weil sie ihren Kontroll- und Aufsichtspflichten im Bad nachkommen müssen.“

In Ämtern kein Problem

In die Ämter und Fachbereiche der Stadtverwaltung Magdeburg könnten Blindenhunde hingegen „selbstverständlich mitgenommen werden“, betont der Stadtsprecher.

Nicht nur bei den Bädern der Stadt, auch im privatwirtschaftlich betriebenen Freizeitbad Nemo am Elbauenpark muss Balu draußen bleiben. Auf Nachfrage bei der Betriebsleitung heißt es, man bedaure das zwar sehr, aber den Hund in die Einrichtung zu lassen, verstoße gegen das Gesetz.

Werden blinde Menschen benachteiligt?

Sind blinde Menschen ohne sehende Begleitperson damit nicht benachteiligt? Magdeburgs Behindertenbeauftragter Hans-Peter Pischner kann das Problem von Jenni Höhn gut nachvollziehen. Auch er müsse auf die Möglichkeit, schwimmen zu gehen, aus diesen Gründen seit längerem verzichten. „Das ist ohne eine Begleitung wirklich schlecht“, räumt er ein.

Das Problem: Es gebe keine eindeutige Regelung für derlei Fälle im Zusammenhang mit einem Blindenführhund. „In Magdeburg betrifft das auch nur eine Handvoll Blinde, die einen Begleithund haben“, so Pischner. Die meisten Betroffenen kämen mit einer Begleitperson und/oder dem Blindenstock zurecht. Dennoch wünscht er sich im Einzelfall auch eine Prüfung der Möglichkeiten, Blinde mit Begleithund zu unterstützen.

In Magdeburg gibt es laut Pischner rund 500 Menschen, die fast oder vollständig erblindet sind.