Bauprojekt

Magdeburger Hafenspeicher wird saniert

Der erste der beiden Reichseinheitsspeicher im Magdeburger Wissenschaftshafen wird saniert. In zwei Jahren sollen 116 Wohnungen bezogen werden können.

22.03.2021, 00:00

Magdeburg

Bevor sich der Abrissbagger tatsächlich durch den Silo frisst, wird es noch einige Wochen dauern. „Wir müssen erstmal alles leerräumen“, sagt Uwe Thal. So sei die alte Fördertechnik immer noch vorhanden. Dennoch fiel jetzt der offizielle Startschuss für den Umbau des Reichseinheitsspeichers, der am Becken des Wissenschaftshafens steht.

14 Jahre Planung und etliche Schweißperlen liegen hinter Thal. Der Magdeburger Architekt hat das Projekt von Anfang an für einen Investor aus Niedersachsen begleitet. „Dass ein Bauherr solange am Ball bleibt, ist schon besonders“, findet er.

Zwei Jahre soll es jetzt dauern, bis die ersten der 116 geplanten Wohnungen bezogen werden können. Höhepunkt wird im wahrsten Sinn die Wohnung im Turm. „Sie geht über drei Etagen und ist wie ein eigenes Einfamilienhaus“, sagt Thal. Alle Wohnungen werden zur Miete angeboten. Zusätzlich gibt es im Erdgeschoss 15 Gewerbeeinheiten. Wofür diese genutzt werden, ist noch offen. Büros oder auch eine Senioren-WG wären beispielsweise denkbar.

Glasbalkone als Lärmschutz

Gut 15 Millionen Euro werden in das Projekt investiert, das einige Schwierigkeiten überwinden musste. So galt es unter anderem eine Lösung für die Geräusche von den gegenüberliegenden Mühlenwerke zu finden. Diese hätten eine Wohnnutzung eigentlich unmöglich gemacht. Durch vorgelagerte, verglaste Balkone konnte das Problem schließlich gelöst werden. „Allein das hat uns über vier Jahre gekostet“, sagt Uwe Thal.

Dann wurde im vergangenen Jahr bei einer Untersuchung festgestellt, dass der Beton im Silotrakt von minderwertiger Qualität ist. Die beiden Speicher wurden in den 1930er Jahren auf Basis des von Hermann Göring verantworteten Vierpunkteplans errichtet. „Allein die Ertüchtigung wäre so teuer wie ein Neubau geworden“, berichtet der Architekt. Daher musste umgeplant werden. Der fensterlose Bereich wird nun abgerissen und in gleicher Größe wieder aufgebaut. Das wird man später per Webcam live mitverfolgen können, kündigt er an.

Der zweite Speicher, unmittelbar an der Elbe gelegen, wird zu einem späteren Zeitpunkt von einem anderen Investor saniert. „Wir wollen erstmal sehen, welche Erfahrungen wir bei diesem noch machen“, sagt Uwe Thal.

Außerdem gibt es bereits eine Baugenehmigung für die Gestaltung des Umfelds der beiden Reichseinheitsspeicher. Insgesamt werden dort unter anderem 280 Stellplätze entstehen. Weiterhin wird ein Spielplatz gebaut. Die Gleise der Hafenbahn, die im Gegensatz zu den Speichern unter Denkmalschutz stehen, bleiben erhalten. An der Werner-Heisenberg-Straße wird noch ein Stadtplatz gebaut, dessen Gestaltung derzeit noch geplant wird.

Soziale Kontrolle im Hafen

Der Baustart ist auch für Magdeburgs Baubeigeordneten Dieter Scheidemann „ein wichtiger Schritt für die Belebung des Wissenschaftshafens“. „Durch die Bewohner der Wohnungen entsteht eine soziale Kontrolle“, sagt er, die bislang noch fehle. Zudem behalte der Hafen durch den Erhalt der Speicher „seine Eigenart als früherer Umschlagplatz für Agrarprodukte“.

Auch Uwe Thal glaubt, dass die Wohnnutzung zum „sozialen Frieden“ in dem Gebiet beitragen wird. Bei den Eisenbahnfreunden oder den Museumsschiffen der Gise gibt es regelmäßig Probleme mit Vandalismus, weil das Hafengelände nach Feierabend bislang ausgestorben ist. Durch die neuen Bewohner ändere sich das.