Jahresbilanz

Magdeburger Messegesellschaft erzielt Überschuss im Corona-Jahr

Einen Überschuss in Höhe von rund 456 400 Euro bilanziert die Magdeburger Messe- und Veranstaltungsgesellschaft für 2020. Und das, obwohl sich die Umsatzerlöse durch Corona halbiert haben. Das positive Ergebnis ist trügerisch.

Von Konstantin Kraft
Die Messehallen neben dem Elbauenpark in Magdeburg standen 2020 zumeist leer.
Die Messehallen neben dem Elbauenpark in Magdeburg standen 2020 zumeist leer. Foto: Konstantin Kraft

Magdeburg - Die Corona-Pandemie hat der kommunalen Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg GmbH (MVGM) im vergangenen Jahr nahezu komplett die Geschäftsgrundlage entzogen. Größere Veranstaltungen fielen aus oder waren nur im kleineren Umfang möglich. Kulturstätten wie das Amo Kulturhaus, Stadthalle, Elbauenpark mit Jahrtausendturm und Seebühne oder die Johanniskirche, die von der MVGM verwaltet werden, verwaisten. Wenn in der MDCC- oder der Getec-Arena gespielt wurde, dann vor leeren Zuschauerrängen. Am stärksten durch die Pandemie getroffen, zeigt sich die Messe am Cracauer Anger. Die Erlöse durch Vermietung brechen massiv ein. Erst mit der Einrichtung einer der Hallen als Impfzentrum herrscht wieder etwas Betriebsamkeit.

Einsparungen und Liquiditätszuschuss

All dies im Hinterkopf, lässt eine Zahl im jüngst veröffentlichten Jahresabschluss 2020 der MVGM aufhorchen. Obwohl die Umsatzerlöse in den verschiedenen Einrichtungen um 48 Prozent eingebrochen sind, genauer gesagt von 10,55 Millionen in 2019 auf 5,454 Millionen in 2020, verzeichnet die Gesellschaft einen deutlich höheren Jahresüberschuss, als im Vorjahr. Exakt 456 413 Euro hat die MVGM im Corona-Jahr an Überschüssen erwirtschaftet. Im Jahr zuvor waren es lediglich 24 664 Euro.

Doch der Überschuss ist trügerisch: Er wird unter anderem mit Einsparungen im Bereich der Personalaufwendungen erkauft. Zahlreiche Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit geschickt werden. Weitere Spareffekte ergaben sich bei den Materialaufwendungen, weil schlicht kaum etwas stattfand. Aber diese beiden Punkte reichen noch nicht aus, um das derartig positive Jahresergebnis zu erklären. Zum Vergleich: Die Bilanzsumme fällt 2020 mit 19,4 Millionen Euro gut zwei Millionen Euro niedriger aus als 2019 (21,5 Millionen).

Dass die MVGM dennoch mehr Gewinne erzielen konnte, liegt vor allem an den staatlichen und städtischen Sonderhilfen im Zuge der Corona-Pandemie. Aus November- und Dezemberhilfen erhielt die Gesellschaft rund 940 000 Euro vom Bund. Um die Liquidität der MVGM zu sichern, steuerte die Stadt Magdeburg zusätzlich 1,2 Millionen Euro bei. Insgesamt belaufen sich die städtischen Zuschüsse auf 3,865 Millionen.

Sonderhilfen im Haushalt vorgesehen

Freude ob des unerwartet hohen Überschusses will bei der MVGM nicht aufkommen. Das Jahresplus müsse direkt zur Deckung neuer Verluste eingesetzt werden: „Der durch die Hilfen entstehende Liquiditätsvorteil fließt in die im ersten Halbjahr 2021 durch die Einstellung des Veranstaltungsgeschäfts entstandenen Verluste“, erklärt MVGM-Geschäftsführer Steffen Schüller auf Volksstimme-Nachfrage. Auch für das erste Halbjahr 2021 rechnet seine Gesellschaft mit einem Einbruch der Umsatzerlöse von mehr als 40 Prozent. Der Elbauenpark etwa konnte erst zum Juni wieder in die Hauptsaison starten. Mit den „Gartenträumen“ gab es Ende Juni die erste Messe in diesem Jahr, allerdings unter freiem Himmel.

Von Normalität kann also noch keine Rede sein: Im Lagebericht der MVGM, der parallel zum Jahresabschluss veröffentlicht worden ist, führt Steffen Schüller aus, dass die Veranstaltungswirtschaft wohl frühestens im Jahr 2023 auf das Niveau von 2019 aufschließen kann. „Von einer Normalisierung der Umsätze oder des Veranstaltungsgeschäfts kann nicht wirklich die Rede sein“, unterstreicht er. Für den Sommer ist im Magdeburger Elbauenpark eine Open-Air-Konzertreihe geplant. Losgehen soll es am 10. August mit Max Raabe auf der neu geschaffenen MDCC-Parkbühne. Ein positives Signal: Die Landesregierung hat gerade erst die Obergrenze von 1000 Personen für Konzerte im Außenbereich gekippt. Im Bereich der Messe sei dagegen weiter eine starke Zurückhaltung der Aussteller spürbar. „Weiterhin sagen Kunden im Bereich Bankett und Tagungen nach wie vor Veranstaltungen im Herbst 2021 aufgrund der Unklarheiten und möglichen neuen Virus-Mutationen ab“, macht der MVGM-Geschäftsführer deutlich.

Weitere Hilfen dürften nötig werden: „Im Haushalt der Landeshauptstadt Magdeburg sind unabhängig von diesen Zuschüssen weitere 1,2 Millionen Euro an Sonderhilfen vorgesehen. Ob und in welcher Höhe diese benötigt werden, wird die weitere Veranstaltungsentwicklung in 2021 zeigen“, meint Schüller. Die Liquidität der Gesellschaft sei aber durch die Hilfen bis zum Jahresende gesichert.