Verkehr

Magdeburger Stadtrat entscheidet sich gegen Radweg an der Klinke

Eigentlich sollte an der Leipziger Straße der Klinke-Radweg entstehen. Weil mittlerweile eine Kita im Weg steht, wurde das Projekt jetzt vom Stadtrat abgeblasen.

Von Stefan Harter
Der Lauf der Klinke an der Leipziger Straße in Magdeburg soll zugänglicher werden.
Der Lauf der Klinke an der Leipziger Straße in Magdeburg soll zugänglicher werden. Foto: Martin Rieß

Magdeburg - Normalerweise wird im Magdeburger Stadtrat über den Bau neuer Radwege gestritten. Diesmal ging es aber darum, eine geplante Verbindung zu verhindern. Entlang der Klinke sollte dieser Weg eigentlich entstehen und von der Leipziger Straße zur Humboldtstraße führen. Doch weil dort zwischenzeitlich eine neue Kita gebaut worden war, stand das Projekt jetzt zur Disposition.

Die SPD-Fraktion hatte den entsprechenden Antrag gestellt, diesen Abschnitt des Klinke-Radwegs zu streichen. „Das passt eigentlich nicht in die übliche Diskussion, ist aber trotzdem richtig“, sagte Falko Grube. Denn entweder müsste die Kita einen Teil ihres Grundstücks für den Radweg opfern oder in den bestehenden Grünzug eingegriffen werden. Etliche Bäume im Uferbereich müssten gefällt werden. Er bezeichnete die Fehlplanung von Kita und Radweg als Schildbürgerstreich, da der Weg wegen einer Gartensparte auf der anderen Seite der Leipziger Straße auch nicht verlängert werden könnte.

Mögliche Eingriffe in den Grünzug stießen auch bei Oliver Müller (Linke) auf Kritik. „Man muss genau gucken, auf welches Grün wir verzichten wollen, nur um die Klinke ein bisschen erlebbarer zu machen“, betonte er. Auch mit Blick auf weitere Projekte entlang der Klinke erkenne er eine „gewisse Planlosigkeit“ der Verwaltung.

Freiraumkonzept vergessen

Madeleine Linke (Grüne) stellte fest, dass bei der Kita-Planung offensichtlich etwas schief gelaufen sei. „Das Freiraumentwicklungskonzept wurde anscheinend vergessen. In der Breite, wie ein Radweg nach gültiger Richtlinie gefordert wird, ist er dort nicht möglich“, sagte sie. Fraktionskollege Jürgen Canehl bat in Richtung Verwaltung darum, dass solche Fehlkommunikation, wie sie bei der Planung stattgefunden haben muss, nicht mehr passieren möge. „Da muss in Zukunft darauf geachtet werden“, sagte er.

Andreas Schumann (CDU) erklärte, dass der Radweg den Kindern Fläche wegnehmen würde. Zudem verwies er darauf, dass es bereits zwei parallel verlaufende Radwege in der Hellestraße und Lennéstraße gebe und somit der Weg an der Klinke nicht notwendig sei.

Debatte um Garagen

Weniger Unterstützung fand Grubes Vorstoß, mehrere Garagen in dem Bereich zu sichern, die wegen des Radwegebaus weichen sollten. Im Sinne der Anwohner sollten diese erhalten bleiben, argumentierte auch Andreas Schumann von der CDU, „um den Parkdruck nicht zu erhöhen“.

Oliver Müller hielt dagegen, dass diese „hässliche Dinger“ seien. „Es wäre nicht schade, wenn die wegkommen“, sagte er. Außerdem komme der Antrag viel zu spät. Schließlich seien die Garagen längst verkauft, ein Rücktrittsrecht gebe es nicht.

Da es sich aber um Eigentum der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft handele, könne man den Verkauf sicherlich trotzdem rückgängig machen, versuchte es Falko Grube erneut: „Das könnte man hinbekommen.“

Petition abgelehnt

Mirko Stage (future!) erinnerte daran, dass das Garagenthema schon vor einem Jahr im Ausschuss für Kommunale Rechts- und Bürgerangelegenheiten behandelt wurde. Eine Petition der Garagennutzer war damals abgelehnt worden. „Wir müssen nun gucken, was wir dort machen können, ohne Bäume zu fällen“, sagte er.

Mit acht Enthaltungen wurde die Streichung des Klinke-Radwegs einstimmig beschlossen. Die beiden anderen Punkte des SPD-Antrags (Erhalt der Garagen und der derzeitigen Nutzung des Grünzugs) fanden hingegen keine Mehrheit und wurden abgelehnt. Somit könnte ein Gehweg mit geringerer Breite gebaut werden.