Nahverkehr

Magdeburger Stadtverwaltung sieht keinen Bedarf für eine Stadtpark-Bahn

Die Gartenpartei/Tierschutzallianz hat vorgeschlagen, eine kleine Bahn durch den Stadtpark fahren zu lassen. Die Stadtverwaltung Magdeburg lehnt das aber aus Kostengründen ab.

Von Stefan Harter 05.07.2021, 00:01 • Aktualisiert: 05.07.2021, 05:27
Die Bäderbahn im Seebad Binz. Solch eine Bahn soll nicht durch den Magdeburger Stadtpark fahren, sagt die Stadtverwaltung.
Die Bäderbahn im Seebad Binz. Solch eine Bahn soll nicht durch den Magdeburger Stadtpark fahren, sagt die Stadtverwaltung. Foto: Stefan Sauer/dpa

Magdeburg - Aus Ostsee-Bädern ist sie vielen bekannt, die kleine Bäderbahn, die mit mehreren Anhängern in Zugoptik die Badegäste von Strand zu Strand transportiert. Auch in Magdeburg fuhr vor einigen Jahren noch ein solches Modell von einem Privatunternehmen durch die Straßen.

Die Fraktion Gartenpartei/Tierschutzallianz hatte nun vorgeschlagen, dass die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) solch eine Bahn im Stadtpark einsetzen sollten, um die Besucher bis zur Rotehornspitze zu bringen. Ziel sei die bessere Erreichbarkeit aller Orte im Stadtpark, hieß es im Antrag zur Begründung.

Stadtpark ist bereits gut erschlossen

Die Stadtverwaltung hat dazu jetzt eine Stellungnahme vorgelegt. Wenig überraschend lehnt Magdeburgs Verkehrsbeigeordneter Jörg Rehbaum das Ansinnen der Fraktion ab. Der Stadtpark sei bereits ausreichend mit der Buslinie 59 erschlossen. Die zentralen Orte Messeplatz und Heinrich-Heine-Platz könnten so von der Stadt aus erreicht werden. Schon jetzt sei die Nachfrage aber sehr mäßig, so dass die Linie nur in geringer Taktung fährt. So gibt es wochentags lediglich neun Fahrten am Tag, im Herbst und Winter fährt der Bus sogar nur sechsmal täglich. Mit der geplanten Erschließung im Bereich Kleiner Stadtmarsch soll diese Linie gegebenenfalls bis zur künftigen Haltestelle „Zollstraße“ verlängert werden, erklärt Jörg Rehbaum.

Eine weitere Erschließung des südlichen Bereichs des Stadtparks mit Salzquelle und Rotehornspitze hält die Verwaltung aktuell nicht für notwendig. Mit der Fähre am Buckauer Mückenwirt im Westen wäre dieses Areal bereits gut erreichbar.

Die Kosten spielen bei der ablehnenden Haltung der Stadt auch eine nicht unerhebliche Rolle. Die Anschaffung einer solchen Bäderbahn – eine Einzelanfertigung – würde nach Angaben des Beigeordneten mindestens genauso viel kosten wie ein normaler Linienbus und mit bis zu 200.000 Euro zu Buche schlagen.

Fehlende Barrierefreiheit

Bei einem Elektroantrieb, wie von den Antragstellern angeregt, wären die Kosten wohl noch ein Stück höher. Aufgrund der Beförderungspflicht müssten zudem mindestens zwei Fahrzeuge angeschafft werden, falls eines mal ausfallen sollte. Hinzu kämen noch die Personalkosten für zwei Mitarbeiter von gut 90.000 Euro jährlich.

Zudem sei es bei solch einem Modell nicht gut um die Barrierefreiheit bestellt, weist Rehbaum hin. Auch die geringe Geschwindigkeit von maximal 25 Stundenkilometer wäre in seinen Augen eine Einschränkung für den Linienbetrieb. Für eine Runde bräuchte so eine Bahn nach Einschätzung der MVB gut 20 Minuten. Mit Ruhezeiten könnte sie bestenfalls alle 40 Minuten fahren.

„Der verkehrliche Nutzen einer zusätzlichen Erschließung wäre sehr gering“, meint Jörg Rehbaum. Nach derzeitiger Einschätzung wäre „kein nennenswertes Fahrgastaufkommen zu erwarten“, da die Mehrzahl der Besucher den Stadtpark zur Erholung aufsuchen würde. Aufgrund dessen sei der Antrag aus Sicht der Verwaltung nicht zielführend, lautet das Fazit des Verkehrsbeigeordneten.

Der Antrag samt Stellungnahme wird nun in diversen Ratsausschüssen diskutiert, bevor voraussichtlich in der Oktober-Sitzung darüber abgestimmt wird.