Magdeburg l Jeden Sonntagabend verbindet Mario Hildebrandt per Ladekabel sein kleines Elektroauto mit der Garagensteckdose. Innerhalb von sechs Stunden ist der Akku in dem Citroen aufgeladen. Rund 100 Kilometer weit kommt der Magdeburger damit.

Das reicht für die ganze Woche. Eigenheim und Büro liegen nicht einmal drei Kilometer weit auseinander. Pro Ladevorgang zahlt Mario Hildebrandt derzeit zwischen drei und vier Euro an Stromkosten.

Auto bringt Komfort und Zeitersparnis

Vor zwei Jahren hat sich der Informatiker, der an der Magdeburger Universität arbeitet, für den Kauf eines Elektrofahrzeugs entschieden. Als Student nutzte er den Bus für den Weg zur Uni. Mit dem brauchte er allerdings genauso lang wie zu Fuß. Zwecks Komfort und Zeitersparnis fiel dann die Wahl aufs Auto.

Allerdings: Wegen der kurzen Wegstrecke sei ein Wagen mit Verbrennungsmotor für Mario Hildebrandt nicht infrage gekommen. Er erklärt warum: „Dieses wird dabei kaum warm und unterliegt somit einem hohen Verschleiß.“ Apropos Verschleiß: Mario Hildebrandt hat mit seinem Elektroauto bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Ständige Ölwechsel, abgefahrene Bremsbeläge und Abgasuntersuchungen sind kein Thema mehr.

Magdeburger lädt Auto zu Hause auf

Den fünf Jahre alten Gebrauchtwagen für insgesamt rund 8000 Euro in Frankreich zu kaufen, kommt für den Magdeburger damals allerdings nur infrage, weil er zu Hause die Möglichkeit zum Laden hat. Denn die öffentliche Infrastruktur an Ladesäulen sei völlig unzureichend.

„Die Elektromobilität hat derzeit ein Henne-Ei-Problem. Durch die schlechte Ladeinfrastruktur scheuen viele vor dem Kauf eines Elektrofahrzeugs zurück, entweder aus Reichweitenangst oder durch die Kosten eines großen Akkus. Umgekehrt ist ein wirtschaftlicher Betrieb ohne eine entsprechende Kundschaft nicht möglich“, sagt Mario Hildebrandt.

Für Magdeburg sind auf verschiedenen Plattformen im Internet aktuell rund 20 Ladestationen aufgelistet. Vor drei Jahren waren es noch acht Stationen, bei 59 angemeldeten Elektroautos. An Autohäusern, Tankstellen, auf Parkplätzen am Einkaufsmarkt oder am Straßenrand kann derweil Strom getankt werden. Mal gegen Bezahlung und mal stellen zum Beispiel die Stadtwerke Magdeburg den Strom kostenlos zur Verfügung.

Lange Touren per Auto mit Verbrenner

Zum Glück sei er nicht auf die Ladestationen angewiesen. Für längere Touren muss eben doch der Wagen mit Verbrenner herhalten. Ein Ausflug in den Harz ist die absolute Obergrenze. Dann checkt Mario Hildebrandt vorab im Internet, wo geladen werden kann.

Mit einem kleinen Chip für Elektrowagenbesitzer können die verschiedenen Stationen bedient werden. Über die hinterlegten Daten wird abgerechnet - entweder nach verbrauchter Menge oder eben pauschal. Und das kann im Fall von Mario Hildebrandts relativ kleinem Akku manchmal ziemlich überteuert sein.

Ladesäulen oft lange blockiert

Das noch viel größere Problem dieser Tankstellen: Die Ladesäulen sind oftmals über mehrere Stunden blockiert. Jedes private Fahrzeug stehe den Großteil der Zeit auf irgendeinem Parkplatz – daheim, vorm Büro oder in Bahnhofsnähe. Während dieser Zeit müsse eine Lademöglichkeit gegeben sein, meint der E-Wagen-Fahrer.

Das sei in Magdeburg zum Beispiel in der Tiefgarage des City Carres oder vor dem Verkehrsministerium in der Turmschanzenstraße der Fall. Allerdings handelt es sich dabei immer nur um einzelne Ladepunkte. „Es sind zu wenige“, lautet die Einschätzung von Mario Hildebrandt.

Mehr Ladesäulen gefordert

Es müssten mehr her – vor allem auch für Mieter, die nicht auf eigene Garagensteckdosen zurückgreifen können.

Dabei würden die Entscheidungen der Stadt Magdeburg eine ganz wesentliche Rolle spielen. Der Elektroauto-Besitzer macht auf Versäumnisse der letzten Jahre aufmerksam. Ein Beispiel: In der überarbeiteten Stellplatzsatzung für Magdeburg hätte für Neubauten die Vorbereitung von Ladesäulen durch das Verlegen von Leerrohren oder eine Vorverkabelung für Ladestationen verpflichtend werden müssen – in angemessener Zahl.

In der aktuellen Fassung von Juni 2018 heißt es nur: Ab einem regulären Bedarf von ganzen zehn Stellplätzen soll für mindestens zehn Prozent der Stellplätze ein ausreichender Elektroanschluss baulich vorbereitet werden. Unter dieser Anzahl gibt es in der Satzung keine Vorgaben.

Elektro-Ladestationen in Magdeburg