Staßfurt l Die Versammlungsbehörde bei der Salzlandkreisverwaltung war auf die montäglichen Spaziergänge in Staßfurt, die einen Protest gegen die Corona-Maßnahmen darstellen sollen, durch die Presse aufmerksam geworden. Sowohl ein Internetmagazin als auch daraufhin die Volksstimme berichteten. Während sich bei einem der letzten dieser Treffen noch über 40 Teilnehmer ohne Maske und Abstand vor der Staßfurter St. Petri-Kirche abbilden ließen, kam jetzt nicht nur der Wintereinbruch dazwischen. Die Polizei und die Behörden überwachten das Geschehen vor Ort streng.

Das Treffen am Montag dieser Woche war dieses Mal als Versammlung angemeldet worden. Wie immer kamen die Teilnehmer abends am Benneckschen Hof zusammen. Das kalte Wetter und die Schneehaufen in der Innenstadt hatte dieses Mal laut Polizeiangaben anfangs nur sieben und später dann zwölf „Protestler“ aus dem Haus gelockt. Begrüßt wurden diese gleich am Anfang von Behördenvertretern und zeitweise 30 Polizisten. Die Versammlungsbehörde im Salzlandkreis, wo das Treffen angemeldet worden war, genehmigt solche Versammlungen zwar, muss in der Corona-Situation aber prüfen, ob die Vorschriften zu Abstand und Co. vor Ort auch eingehalten werden.

„Im Einsatz war ein Zug der Bereitschaftspolizei für drei Veranstaltungen an dem Tag“, informiert der Sprecher der Polizei im Salzlandkreis, Marco Kopitz. Das bedeutet, um die 30 Polizeibeamte verteilten sich am Montagabend auf die drei fast zeitgleichen Demonstrationen in Staßfurt, Bernburg und Schönebeck. Auch dort waren ähnliche Protest-Veranstaltungen angemeldet. „Je nach aktueller Lage verteilten sich die Beamten dann während des Abends und wechselten zwischen den verschiedenen Städten hin und her“, so Kopitz. Damit reichte die Einsatzstärke am Montag in Staßfurt von einigen bis zu zeitweise 30 Polizisten.

Von „mehr Polizisten als Teilnehmern“ und „vielen Polizeiautos“ spricht auch ein anonymer Teilnehmer. Für die Staßfurter, die sich wöchentlich zu dem Protest treffen, ist der Polizeieinsatz zum einen von der Anzahl der Polizeikräfte her überzogen, störend für die Aktion und wird zum Teil als Bevormundung empfunden. „So waren Unterhaltungen und Austausch nicht mehr möglich. Der Sinn und Zweck der Aktion war überhaupt nicht mehr gegeben“, sagt der Teilnehmer weiter.

Gleich zu Beginn wiesen die Polizisten den Teilnehmern am Montagabend an, dass Abstand zu halten und Maske zu tragen ist. Angeblich sollen einige Teilnehmer eine Befreiung von der Maskenpflicht gehabt haben, sodass sie ohne laufen konnten. „Als die Teilnehmer zweichenzeitlich zu eng zusammengestanden haben, haben wir sie ermahnt. Auch am Ende der Versammlung hat die Polizei noch einmal zur Einhaltung der Regeln aufgefordert.“ Also lief die kleine Gruppe einzeln und im Zwei-Meter-Abstand durch die Steinstraße, wie Fotos und Videos im sozialen Netzwerk Facebook zeigen.

Laut den Teilnehmern sollen die Montagspaziergänge Möglichkeit für Gespräche über die aktuelle Corona-Lage mit all ihren negativen Seiten, zum Beispiel für geschlossene Unternehmen, sein. Auch der bewusste Verzicht auf Maske und Abstand in der Öffentlichkeit war Teil des Protestes - auch das fiel am Montag aus.

„Wir wissen nicht, wie und ob die Montagsspaziergänge weitergehen sollen“, berichtet der Teilnehmer weiter. Die Gruppe scheint genervt von der neuen Polizei-Begleitung. Auf der anderen Seite wolle man weiter protestieren, damit Beschränkungen aufgehoben werden und das gesellschaftliche Leben sich ohne „Zwangsmaßnahmen“ endlich weiter drehe. Es ist durchaus möglich, dass sich die Staßfurter Gruppe neue Möglichkeiten des Protestes sucht.

„Die Teilnehmer haben sich nach den Aufforderungen der Polizei an die Regeln gehalten und die Aktion ist in dem Sinne gut verlaufen“, berichtet Polizeisprecher Kopitz über den Montag. Bisher habe man keinen Grund für weitere, tiefergehende Ermittlungen. „Versammlungen sind weiterhin legitim“, so der Polizeisprecher, „natürlich unter den gegebenen Bedingungen.“

„Die Polizei wird weiterhin zusammen mit der Verwaltungsbehörde ein Auge auf die Sache in Staßfurt haben“, erklärt Polizeisprecher Kopitz. Ob angemeldet oder nicht. Die Versammlungsbehörde hat die Möglichkeit bei Verstößen Ordnungsgelder zu verhängen.