Magdeburg l Wer am Kleinen Stadtmarsch entlang fährt oder läuft, wird derzeit unsanft aus der Naturidylle des Werders gerissen. Grund dafür sind laut kreischende Motorsägen, mit denen sich Fachleute durch ein dicht bewuchertes Areal langsam vorarbeiten.

Auf dem Gelände zwischen dem Funkhaus des Mitteldeutschen Rundfunks und der Schleusenstraße lässt die Magdeburger Wohnungsgenossenschaft (MWG) im Rahmen der Verkehrssicherung Bäume und Gestrüpp entfernen. Grund dafür ist der geplante Neubau eines neuen Stadtviertels, welches bis zu 300 Wohneinheiten beherbergen könnte.

Risiko minimieren

Wie die MWG gegenüber der Volksstimme mitteilte, sei man zu diesen Maßnahmen als Grundstückseigentümer verpflichtet. „Wir möchten hiermit das Risiko minimieren, dass Dritte auf dem Grundstück zu Schaden kommen“, so der technische Leiter der MWG, Jörg Sopauschke. Immerhin sei das Grundstück überdeckt mit Bruch- und Totholz sowie von etlichen Gruben, offenen Kellern und maroden Lauben geprägt.

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Doch was bei der Beräumung des Geländes alles zutage gefördert wird, würde vor allem Naturschützern einen kalten Schauer nach dem anderen über den Rücken jagen. Anscheinend war das Areal rund um die Schleusenstraße über viele Jahre lang ein beliebtes Ziel von Magdeburgern, die ihren Müll schnell und unkompliziert loswerden wollten. Wie Arbeiter am Mittwoch der Volksstimme berichteten, sei man auf die reinste Müllkippe gestoßen. Neben diversen Müllbeuteln und Unrat sind zum Teil auch große Mengen an Stahlschrott, ausrangierte Haushaltsgegenstände und große Plastikteile gefunden worden. Dabei beräumen die Arbeiter, auch mit einem Minibagger, erst seit kurzem die zukünftige Großbaustelle.

Einer von den Arbeitern resümiert: „Das Gelände hier könnte ein richtig schönes Biotop sein, wenn die Leute nicht ihren ganzen Mist abgeladen hätten.“ Laut Jörg Sopauschke sei im Zuge der Verkehrssicherung Bauschutt gefunden worden. Von einer Müllkippe will er jedoch nicht sprechen. Die Kosten für den anfallenden Müll und Bauschutt tragen die Bauherren, also die MWG und die Wobau. Wie hoch diese ausfallen werden, dazu äußert sich der technische Leiter nicht. Auch nicht dazu, wie lange die Maßnahmen zur Verkehrssicherung noch andauern werden. Fest steht derzeit nur, dass danach erst mal keine weiteren Maßnahmen auf dem Grundstück geplant seien.