Magdeburg l Von Beruf ist er Straßenbahnfahrer in Magdeburg. In seiner Freizeit schreibt Daniel Stodolka hitverdächtige Musik. Angefangen hatte alles vor sechs Jahren, als der damals 24-Jährige von seiner Freundin eine Western-Gitarre geschenkt bekommen hatte. Bei einer Feier im heimischen Garten brachte ihm ein Freund die Akkorde des Metallica-Klassikers „Nothing Else Matters“ bei.

Die übte er nach der Arbeit. „Und zwar bis zum Umfallen.“ Doch das reichte dem Magdeburger schnell nicht mehr. So schaffte er sich ein Buch an, das Griff­symbole, also einzelne Akkorde bekannter Lieder abbildet. Denn Noten lesen konnte der Musiker damals nicht und hat es bis heute nicht gelernt. Das ist auch gar nicht nötig, denn seine musikalischen Erfolge sprechen für ihn.

Trennung war der Auslöser

Nachdem er sich über mehrere Jahre hinweg mit Hilfe von Videos im Internet immer mehr beigebracht hatte, kam es zur Trennung von der langjährigen Freundin. Und diese Trennung wurde letztlich zum Auslöser seines ersten Songs.

Daniel Stodolka erinnert sich zurück an diese Zeit: „Mir ging es schlecht. Ich musste mich irgendwie ablenken und habe Zuflucht in der Musik gefunden.“ Den Alltag, wie er ihn kannte, gab es nicht mehr. Schlaflose Nächte führten Daniel Stodolka an die Elbe.

Charterfolg mit den Glocken des Doms

Beim Spiel auf der Gitarre verwandelte sich seine Gefühlswelt in Akkorde. „Ob es diese Akkorde überhaupt gibt, weiß ich nicht, aber sie klingen einfach traurig“, berichtet Daniel Stodolka. Und aus seinem Bedürfnis heraus, über seine Gefühle zu sprechen, wurden Stichpunkte, aus diesen wiederum seine Geschichte. Unterlegt mit den traurigen Grundakkorden, einigen Beats und dem Glockenschlag des Magdeburger Doms entstand eine erste Demo-Version.

Sein Lied nannte er „Karussell“. „Ich habe nie singen gelernt und in dieser Version hört man das auch“, gesteht er. Dennoch lud er im März 2015 eine Live-Version des Songs bei Facebook hoch. „Es gibt schließlich genug Leute, die dasselbe durchmachen“, findet er. Und die Reaktionen der Freunde waren durchweg positiv.

House-Produzent Ronny Rockstroh greift zu

Durch eine Freundin, die den House-DJ und Produzenten Ronny Rockstroh kennt, lernten auch Daniel Stodolka den DJ kennen. Die Freundin berichtete Rockstroh dann, dass auch Daniel Musik mache. Die spontane Antwort Rockstrohs: „Dann schick doch mal was rüber.“ Das ließ sich Daniel Stodolka nicht zweimal sagen und versendete die Demo-Version.

 „Komm nach Leipzig, wir nehmen das auf“, war die Antwort des Produzenten. In dessen Studio sang Daniel Stodolka seinen Song „Karussell“ dann ein und spielte auch die Akkorde ein – auf einer eigens dafür angeschafften Gitarre. Nachdem Ronny Rockstroh die Stimme des Magdeburgers technisch bearbeitet und den gesamten Song überarbeitet hatte, waren sich Produzent und Sänger einig: „Irgendwas stimmt da nicht.“

"Karussell" wird zum Dancehit

Und auch, was da nicht stimmte, war beiden schnell klar – eine Frau sollte den Song einsingen. Die Wahl dafür fiel auf Jasmin Graf, die durch die Casting-Show „The Voice of Germany“ bekannt wurde. Veröffentlicht wurde das House-Lied „Karussell“ dann schließlich im April 2016 – und landete prompt als höchster Neueinsteiger auf Platz sieben der deutschen Dancecharts und kletterte bis auf die eins.

Obwohl das Lied selber nur als Download verfügbar war, landete es auf mehreren Sampler-CDs. „Es war einfach nur verrück“, erinnert sich Daniel Stodolka.

Auch der Musiker Sven Schäf aus dem Erzgebirge ist auf den Magdeburger aufmerksam geworden. Man war sich auf Anhieb sympathisch und musizierte zusammen. Dass Sven Schäfer ein Freund des bekannten DJ-Duos Stereoact ist, wusste Daniel Stodolka zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht. Durch den gemeinsamen Freund lernte der Magdeburger Rico Einenkel und Sebastian Seidel, die das DJ-Duo bilden, kennen. Es entstand eine gute Freundschaft.

Bei Amazon auf der Bestsellerliste

Bereits beim Kennenlernen hatte Daniel Stodolka Stereoact vorgeschlagen, auch mal eine Nummer für sie zu schreiben. Und das ist aktuell der Fall. Denn der Magdeburger Musiker schreibt an einem Text, den Ricos Frau Andrea Einenkel einsingen soll.

An den Erfolg von „Karussell“ knüpft Daniel Stodolka seit Juni 2017 mit dem Lied „An jenem Tag“ an, das er selber geschrieben, komponiert und eingesungen hat. Textlich bilden auch hier persönliche Erfahrungen und die von Freunden die Grundlage. Der Song landete in den Download-Bestsellerlisten bei Amazon. Auch mit dem DJ-Duo Ramba Zamba arbeitet der Magdeburger zurzeit zusammen.

Magdeburger trifft den Nerv der Zeit

Letztlich war zwar der Anlass für die Entstehung seines ersten Songs ein trauriger, doch Daniel erzählt: „Diese Single hat mich bestärkt mit der Trennung fertig zu werden.“ Und der Erfolg zeigt, dass Daniel Stodolka mit seiner Musik den Nerv der Zeit trifft.

Zwar läuft es gerade musikalisch rund für den Magdeburger, doch ist er immer bodenständig geblieben : „Wenn ich mich zwischen Job und Musik irgendwann entscheiden müsste, dann für den Job, denn den habe ich bis zur Rente. Ob der musikalische Erfolg bleibt, ist ungewiss.“