Magdeburg l Einigermaßen überrascht wurden viele Stadträte dieser Tage von der Nachricht der Stadtverwaltung Magdeburg, eine Akademie für Musik und darstellende Künste gründen zu wollen. Das Pikante an dem Vorschlag: Beschließen soll der Stadtrat dies am 13. Juni 2019 – wenn also der alte Stadtrat noch einmal zusammentritt, obwohl bereits ein neuer gewählt wurde.

Magdeburgs Kulturbeigeordneter Matthias Puhle jedenfalls nannte einen guten Grund für die Eile: „Es geht zunächst um einen Grundsatzbeschluss. Dieser dient dazu, damit wir weiterarbeiten können, um die Möglichkeiten genau auszuloten.“ Diesen zügig zu fassen sei wichtig, da die Akademie ein zentraler Bestandteil für die Bewerbung Magdeburgs um den Titel der Kulturhauptstadt 2025 sein soll. Die Präsentation müsse bis zum Herbst fertig sein. „Gerade bei den großen Vorhaben können wir nur punkten, wenn die Ideen mit Beschlüssen hinterlegt sind“, so der Magdeburger Kultur­beigeordnete.

Werk vieler Magdeburger

Wie genau die Akademie die Ausbildung auch auf akademischem Niveau organisieren soll, müsste in den weiteren Gesprächen und Planungen geklärt werden. Klar ist aber bereits jetzt, dass eine Vielzahl von Kultureinrichtungen in Magdeburg eingebunden werden sollen.

Geplant ist es, mit den unterschiedlichsten Akteuren aus dem Kulturbereich zu kooperieren. Gespräche hat es bereis mit der Theaterballettschule Magdeburg gegeben. Deren Leiterin Annett Herwig sagte gegenüber der Volksstimme: „In Magdeburg fehlt derzeit eine weiterführende Ausbildung im kulturellen Bereich.“ Zwar sei der Zuspruch durch Kinder und Jugendliche zu den Angeboten der Theaterballettschule ungebrochen stark. „Doch wir können jenen, die ihr Talent im Rahmen einer beruflichen Ausbildung oder eines Studiums weiterentwickeln möchten, hier in der Region leider nichts bieten.“ Mit einer Akademie werde hingegen nicht nur die Attraktivität für die Jugendlichen in der Region erhöht, im Land zu bleiben. Vielmehr würde ein entsprechendes Angebot auch Talente aus anderen Regionen nach Magdeburg locken.

Frage des Probensaals

Zu den Unterstützern des Vorhabens zählt auch Karen Stone, Generalintendantin des Theaters Magdeburg. Sie berichtet: „Bei unseren theaterpädagogischen Veranstaltungen merken wir, dass es oft an Vorkenntnissen fehlt.“ Dies sei eine Folge fehlender Fachleute im pädagogischen Bereich, die mit Blick auf Musik und darstellende Künste ausgebildet sind. Mit einer Akademie könnten zudem Synergien genutzt werden: Dem Theater fehlt es an einem geeigneten Probenraum. Mit einer neuen Einrichtung wäre die gemeinsame Nutzung eines geeigneten Saals denkbar.

Auch im Bereich der Forschung deuten sich mögliche Synergien an. Kathrin Singer vom Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung der Landeshauptstadt berichtet von einer Reihe von Werken des aus Magdeburg stammenden Barockkomponisten Georg Philipp Telemann, die bislang noch nicht ausreichend erforscht sind: „Hier ergeben sich sicher eine Reihe von Ansatzpunkten für interessante Projekte“, sagt Kathrin Singer.

Puppentheater war schon aktiv

Puppentheater-Intendant Michael Kempchen hatte während der Präsentation der Idee davon berichtet, dass Kooperationen in Sachen Ausbildung in seiner Einrichtung bereits diskutiert wurden. „Mit der Akademie würde sich dazu ein Ansatz in Magdeburg ergeben und wir müssten nicht auf Partner in anderen Städten setzen.“

Eine Aussage zu einem möglichen Standort gibt es noch nicht. Klar ist aber, dass er sich in der Innenstadt befinden soll und dass er auch einen spürbaren Beitrag zum öffentlichen Kulturleben in Magdeburg leisten soll.