Magdeburg l In der City und in den Stadtteilzentren steht der Handel unter Druck: seit Jahren schon durch billige Konkurrenz aus dem Internet. Und seit Beginn der Pandemie nun auch noch durch die Corona-Einschränkungen. Eine Begleiterscheinung: Von der zwischenzeitlich gesenkten Mehrwertsteuer haben jene profitieren können, die zum Beispiel dank eines starken Onlineumsatzes weiter handeln konnten.

Ganz vorn bei jenen dabei, die weiter ihrem Geschäft nachgehen dürfen, ist der in den USA beheimatete Versandhandel von Amazon. Und dieser hat just im vergangenen Jahr in Magdeburg sein neues Verteilzentrum für den Raum Magdeburg eröffnet.

Amazon-Sprecherin Nadiya Lubnina berichtet, dass das Unternehmen mit dem Start in Magdeburg zufrieden sei und spricht mit Blick auf eine eigene Verteilung von schnelleren und flexibleren Lieferoptionen. Nadiya Lubnina sagt: „Wir haben circa 150 Arbeitsplätze in unserem Verteilzentrum geschaffen.“ Sechs Gründer aus der Region haben als Partner von Amazon ihre eigenen Lieferunternehmen gegründet, diese haben 150 weitere Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt sind rund 270 Zusteller für den Konzern in Magdeburg im Einsatz.

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Emissionsfreiheit bleibt ein Thema

Die Mitarbeiter stammen größtenteils aus Magdeburg. Neben Deutschen arbeiten in der Magdeburger Niederlassung Menschen aus weiteren zehn Nationen.

Durchaus mit Argusaugen war in Magdeburg während der Diskussion über die Ansiedlung die Frage der Verkehrsbelastung durch Lieferfahrzeuge in der Innenstadt und in den Stadtteilen andiskutiert worden. Unter anderem war seinerzeit die Rede davon, dass der Investor auf besonders viele Elektrofahrzeuge setzt.

Doch im Stadtbild sind es eben doch sehr oft Dieselfahrzeuge oder private Pkw, die die Amazon-Pakete ausfahren.

25 Lieferfahrzeuge mit Elektroantrieb

Immerhin wird aber an der Infrastruktur gearbeitet. Derzeit hat das Unternehmen 25 Elektrolieferfahrzeuge im Einsatz, die vor allem in der Magdeburger Innenstadt eingesetzt werden. „Auf unserem Parkplatz verfügen wir über 52 Ladesäulen, wo die Fahrzeuge geladen werden. Ein Projekt zur Nutzung von Solarenergie auf dem Grundstück ist gestartet“, berichtet Nadiya Lubnina zum Stand der Entwicklung.

Neue Technologien wie vernetztes Fahren oder die vernetzte Stadt sollen es in der Zukunft ermöglichen, nicht nur den Verkehr sicherer und umweltfreundlicher zu gestalten, sondern auch auf Kundenwünsche individuell eingehen zu können, so die Hoffnung bei Amazon.

„Deshalb beobachten wir mit Spannung das Projekt ,Traffic Guidance Infrastructure‘ in Magdeburg“, sagt die Amazon-Sprecherin mit Blick auf den Logistikstandort im Herzen Sachsen-Anhalts.

Pilotprojekt geplant

Dabei sind die Amerikaner nicht allein an diesem Thema interessiert. In Magdeburg möchten die Otto-von-Guericke-Universität, die FIApro UG als Spezialist im Prototypenbau und die Mediengruppe Magdeburg – unter anderem Biberpost und Volksstimme – ein Pilotprojekt für den nachhaltigen Paketdienst entwickeln. Der Titel lautet „Paket-KV-MD²“.

Konfliktbeladen ist seit Jahren das Verhältnis zwischen Amazon und der Gewerkschaft Verdi. Hauptstreitpunkt ist die Eingruppierung der Mitarbeiter in den Bereich der Logistik, während die Gewerkschaft hier die Löhne wie für den Handel verlangt.

Hinweise aus der Belegschaft

Erst kurz vor Weihnachten hatte es daher bundesweit an einigen Amazon-Standorten Arbeitsniederlegungen gegeben. Es verwundert daher nicht, dass sich Nadiya Lubnina nicht zum Verhältnis zur Gewerkschaft äußern möchte.

Wohl aber sei die Meinung der Mitarbeiter gefragt: „Wir haben verschiedene Kommunikationswege eingerichtet, über die unsere Mitarbeiter Gehör finden und wir Rückmeldung geben. Wir haben Kultur der offenen Tür und es stehen verschiedene Möglichkeiten für die Mitarbeiter zur Verfügung, ihr Arbeitsumfeld zu beeinflussen, wie beispielsweise unsere Stimmen der Mitarbeiter-Ausschüsse, Mitarbeiterbefragungen und weitere Initiativen“, berichtet sie. Mehr als 50 Ideen oder Vorschläge seien seit dem Start im September 2020 aus der Belegschaft gekommen. „So haben wir zum Beispiel Winterhandschuhe gegen Modelle ausgetauscht, die auch Touch-Geräte bedienen können. Und neben dem bereitgestellten Einweg-Mund-Nasen-Schutz haben sich die Mitarbeiter eine wiederverwendbare Maske aus Stoff gewünscht. Diese haben wir für unsere Belegschaft bestellt“, berichtet die Amazon-Sprecherin.

Hohe Standards beim Schutz vor Corona

Überhaupt sei der Corona-Schutz ein wichtiges Thema. 150 Arbeitsabläufe an den Standorten und auch am Standort Magdeburg wurden geändert und Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen.

Darunter seien verstärkte Reinigungs- und Desinfektionsintervalle, Temperaturmessung beim Betreten des Gebäudes, Maskenpflicht sowie strenge Zwei-Meter-Abstandsgebote.