Magdeburg l Wer seine „Pipipause“ verrichtet, der denkt sich meist im Nachgang „Bloß schnell weg mit dem Mist“. Doch in Magdeburg gibt es eine Initiative, die aus Urin im übertragenen Sinne Gold macht.

Bei Vitopia im Herrenkrug steht die Nachhaltigkeit an oberster Stelle. Alle Menschen, die hier arbeiten und leben, versuchen, die Umwelt so freundlich wie nur möglich zu behandeln. Dabei machen sie auch nicht vor dem Urin halt, der sonst eher in unserem Leben eine untergeordnete Rolle spielt. „Deswegen haben wir nun unser ganz besonderes Örtchen gebaut“, erklärt Klaus Jacobs.

Geflüchtete helfen beim Bau der Toilette

Der Rentner wirkt aktiv bei Vitopia mit, um etwas Gutes zu tun. Er freue sich vor allem, dass er jungen Geflüchteten auch noch was beibringen konnte, denn nicht alleine baute er das stille Örtchen auf, sondern mit der Hilfe von Alan, Abdul und Amr. Die drei Männer aus Syrien sind für den Verein Kultopia e. V. im Einsatz. Dieser wird über das Programm Bundesfreiwilligendienst mit Fluchtbezug (BFDmF) gefördert.

Ziel des Programms sei es, das Arbeitsleben in Deutschland kennenzulernen. „Außerdem können wir so aktiv beim Erlernen der Sprache helfen“, erklärt Fabian Nagel. Er ist Referent beim Landesjugendwerk der Awo, welche das Förderprogramm betreut. Weiteres Ziel sei natürlich auch das Knüpfen von Kontakten hier vor Ort.

Für Alan selbst ist diese außergewöhnliche Toilette etwas seltsam. „So etwas kenne ich aus Syrien nicht“, sagt er und schmunzelt. „Wir benutzen da genauso normale Toiletten wie in Deutschland, aber ich kann mir gut vorstellen, dass die auch etwas für die Menschen in meinem Heimatland ist“, erklärt der junge Mann.

Drei Monate an Toilette gearbeitet

Rund drei Monate haben er und seine Mitstreiter an der Trocken-Trenn-Toilette gearbeitet und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Der Meinung ist auch Klaus Jacobs: „Die Jungs haben hier gezeigt, was sie draufhaben. Manche von ihnen hatten vorher noch nicht einmal einen Hammer in der Hand.“ Die drei hätten super mitgearbeitet und auch viele eigene Ideen eingebracht.

Das Besondere an der Freilufttoilette ist, dass es neben zwei normalen Kabinen auch eine behindertengerechte Toilette gibt. „Somit sind wir bei Außenveranstaltungen für unsere Besucher super ausgestattet“, erklärt der rüstige Rentner weiter. Doch was macht diese Trockentrenntoilette eigentlich zu etwas Besonderem?

„Ein normales Plumpsklo steht in fast jeder Gartensparte, aber wir verzichten darauf, dass alles miteinander vermischt wird. Außerdem stinkt es nicht.“ Dafür habe man einfach in jeder Toilette einen Computerlüfter eingebaut. Während des „Geschäfts“ werden auch gleich die festen und flüssigen Bestandteile getrennt.

Toilette produziert wertvolle Erde

Ein Prinzip, das bereits die Indios vor vielen tausend Jahren im Amazonasbecken angewendet haben sollen. „Der stickstoffreiche flüssige Bestandteil wird zur Beschleunigung des klassischen Komposthaufens verwendet.“ Die „festen“ Hinterlassenschaften werden mit einer speziellen Milchsäure vergoren. Anschließend wird selbst produzierte Biokohle hinzugefügt. „Am Ende haben wir eine besonders humusreiche Erde“, erklärt Jacobs weiter.

Dabei spreche man von der sogenannten Terra Preta - der Schwarzerde. Sie gilt als eine der nährstoffreichsten Erden auf der Welt und kommt komplett ohne Dünger aus. Hintergrund sei, dass die Vorräte an Grundstoffen für Kunstdünger in 40 bis 60 Jahren fast komplett aufgebraucht sind. Deshalb brauche es Alternativen. Die Schwarzerde sei eine davon.

Das Besondere an der Terra Preta: Sie lässt sich in jeder Region auf der Welt herstellen und die Ressourcen dafür sind so gut wie unerschöpflich. „Somit haben wir die vermutlich umweltfreundlichste Toilette in Magdeburg“, zeigt sich Klaus Jacobs begeistert. Ohne die Hilfe von Alan, Abdul und Amr wäre eine so schnelle Umsetzung aber nicht möglich gewesen.