Magdeburg l Es ist eine Messe, die an diesem Abend auf dem Probenplan des Magdeburger Domchores steht. Elf Sänger sind zur Probe gekommen. „Die Urlaubszeit ist noch nicht vorbei“, sagt der Kantor später, der sich eigentlich ein Ensemble mit einem festen Kern von etwa 25  bis 30 Sängern wünscht. Dennoch: Die Anwesenden erfüllen den Raum mit einem vollen Klang. Barry Jordan fordert immer wieder Präzision, lässt einzelne Stellen wieder und wieder singen und schließt die Augen, um sich ganz auf den Klang zu konzentrieren. Erst wenn die Takte perfekt wiedergegeben werden, geht er mit den Sängerinnen und Sängern zur nächsten Stelle über.

Urkunde vom Bundespräsidenten

Am frühen Nachmittag hatte er in Anzug und Krawatte noch in der Staatskanzlei im Palais am Fürstenwall gestanden. Denn der Chor, der auf einen Schüler von Carl Friedrich Zelter zurückgeht, wurde mit der Zelter-Plakette ausgezeichnet. Sie wurde 1956 von Bundespräsident Theodor Heuss gestiftet, um Chorvereinigungen auszuzeichnen, die sich um die Chormusik und das Volkslied verdient gemacht haben. Mit dem deutschen Volkslied habe der Chor zwar recht wenig zu tun, gesteht Barry Jordan. Doch er kann auf eine 200-jährige Geschichte zurückblicken. Und bei der Auswahl war das Alter des Chores maßgeblich. Und weil ein Schüler von Carl Friedrich Zelter den Magdeburger Domchor wiedergründete, auf den die Plakette zurückgeht, „ist das schon ein Highlight“, sagt Barry Jordan über die vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier persönlich unterschriebene Urkunde, die es zur Auszeichnung dazugab. Und natürlich freut er sich, den Chor auf diese Weise in die Öffentlichkeit zu bringen.

Denn während die lange Vergangenheit stolz macht, ist der Blick in die Zukunft des Ensembles in den vergangenen Wochen eher sorgenvoll gewesen.

Brahms-Requiem wird erarbeitet

Das Ensemble sucht dringend Zuwachs – und zwar in fast allen Stimmgruppen. Nach einem Volksstimme-Bericht über das drohende Aus des Chores hätten sich zwar keine neuen Sänger gefunden. Dennoch ist Barry Jordan von der Zukunft des Ensembles überzeugt. „Ich bin letzten Endes doch Optimist“, sagt er, „und ich denke, wir sind und bleiben erst einmal singfähig. Wir werden auch schöne Konzerte machen, daran habe ich gar keinen Zweifel.“ Und vielleicht würden sich in Zukunft wieder mehr Menschen entscheiden, im Domchor mitzusingen.

Aktuell erarbeitet er mit den Sängerinnen und Sängern ein Brahms-Requiem, das am 19. Oktober im Dom zu Gehör gebracht wird. „Das wird beeindruckend“, sagt er, aber eben auch ein ganzes Stück Arbeit. Denn er probt dafür mit dem Domchor, einem Projektchor und dem Jugendchor, die erst am Ende zusammengebracht werden. Außerdem findet am 7.  September im Magdeburger Dom ein Fernsehgottesdienst statt, den es vorzubereiten gilt. Und dann beginnen schon bald die Proben für die Weihnachtsgottesdienste.

Das Singen in den altehrwürdigen Mauern des Magdeburger Domes ist für viele Sänger ein Umstand, der das Singen im Domchor zu etwas Besonderem macht. Und wenn sich weitere finden, die gern mitmachen wollen, wäre das umso schöner. Der Chor probt immer montags um 19.15  Uhr.