Magdeburg l Die Nahverkehrsangebote in Magdeburg schneiden im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten über 200.000  Einwohner in puncto Fahrpreis gut ab. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie des Internetportals „Testberichte.de“. Magdeburg logiert im Vergleich mit den 38 anderen Städten jeweils unter den ersten fünf und gilt damit als besonders günstig. Einzig bei der Beförderung von Kindern schneiden die Magdeburger Verkehrsanbieter schlecht ab. Dort belegen sie Platz 35.

„Wir wissen, wo wir im Vergleich mit anderen Städten stehen“, sagte am Freitag der Pressesprecher der Magdeburger Verkehrsbetriebe, Tim Stein. Die Magdeburger Verkehrsbetriebe würden zudem ein Angebot vorhalten, das es in vielen anderen Städten nicht gibt – wie zum Beispiel den Nachtverkehr oder den 10-Minuten-Takt im Bahnverkehr. Der Fahrpreis werde in jedem Jahr neu berechnet – nicht etwa nach Ergebnissen von Studien wie der von Testberichte.de, sondern danach, wie das aktuelle Angebot gemessen an Kosten für Personal, Energie, Wartung und Reparatur sowie allgemeiner Kostenentwicklung aufrechterhalten werden kann. Außerdem würden die Zuschüsse der Stadt Magdeburg bei der Preiskalkulation eine Rolle spielen.

Kritik an der Erhebung

Kritisch sieht Tom Bruchholz als Vorsitzender des Fahrgastverbandes die vorgelegten Zahlen. Denn bei der Statistik ist unter anderem nicht berücksichtigt, wie weit man zum Beispiel mit einem Ticket fahren kann. In Magdeburg könne der Einzelfahrschein zum Beispiel nur 60 Minuten in eine Richtung genutzt werden, in Braunschweig dagegen könne man mit einem Fahrschein 90  Minuten in alle Richtungen fahren. Bei der Vierer-Karte, für die man in Magdeburg genauso viel bezahlt wie für vier Einzelfahrscheine, gibt es in anderen Städten Ermäßigungen. In Dresden beispielsweise kostet ein Einzelticket 2,40 Euro, die Vierer-Karte 8,60 Euro. Pro Fahrschein spart der Fahrgast dort 25 Cent und auf vier Fahrscheine damit einen Euro. Mit der Monatskarte könne man in Dresden bereits ab 18 Uhr drei Kinder mitnehmen, während das in Magdeburg erst ab 19 Uhr und nur mit der übertragbaren Abo-Monatskarte möglich sei.

„Die Systeme sind sehr komplex und schwer zu überblicken“, sagte Bruchholz weiter. Die Probleme der Magdeburger Verkehrsbetriebe sieht er zudem in anderen Bereichen – nämlich in der Kundenbindung. Durch die zahlreichen Baustellen würden die Fahrgäste wegbleiben. Die Magdeburger Verkehrsbetriebe hätten im ersten Halbjahr 2018 etwa vier Millionen Fahrgäste weniger transportiert als im ersten Halbjahr 2017. Die Verkehrsbetriebe sollten daher lukrativere Angebote schaffen. Auch das Thema Verlässlichkeit müsse mehr in den Fokus. Immer wieder würden sich Busse und Bahnen verspäten oder ganz ausfallen, bemängelt er.

Der Fahrgastverband wurde 2015 als Verein gegründet. Die Mitglieder möchten die Interessen der Fahrgäste gegenüber den Verkehrsunternehmen und Verwaltungen vertreten. Sie setzen sich für einen kundenfreundlichen Nahverkehr ein.