Magdeburg l Graffiti und Vandalismus sind für die Verkehrsbetriebe schon immer ein Problem. Der Wintereinbruch hat die Lage aber noch verschärft. Weil einige Bahnen vor Schnee und Eis auf freier Strecke kapitulieren mussten, nutzten dies Sprayer aus und hinterließen ihre Spuren an den Wagen.MagdeburgDas sichtbarste Opfer der Schmierereien stand tagelang am Olvenstedter Platz.

Dort musste eine Niederflurbahn aufgeben, weil ihr mit dem Wintereinbruch Schnee und Eis den Weg versperrten. Folglich stand der Zug auch über Nacht ungesichert und unbeobachtet auf dem Platz. Das blieb Sprayern nicht lange verborgen. Schon in der Nacht zum vergangenen Montag machten sie sich an der Bahn zu schaffen. Ein riesiges Logo wurde aufgesprüht.

 

Schäden bis zu 20.000 Euro

Wer es war, lässt sich im Moment nicht nachvollziehen. Auch nicht, ob die Schmiererei mit einem Vorfall in derselben Nacht am selben Platz in Verbindung steht. Zwei Jugendliche wollten sich an der Bahn zu schaffen machen und wurden durch eine Gruppe Unbekannter gestört. Die Angreifer flüchteten unerkannt. Schäden betragen jährlich bis zu 20.000 Euro.

Die beiden Jugendlichen wurden nach der Personalienaufnahme und kurzer Behandlung im Krankenhaus wieder auf freien Fuß gesetzt. Auffällig: Die Bahn wurde aber trotzdem beschmiert. Zusammenhänge kann man vermuten, sind aber reine Spekulation. Die Bahn wurde dann am Sonnabend noch einmal Ziel von Sprayern (siehe auch Polizeimeldung rechts). Hier wurden mutmaßliche Täter ermittelt. Ob ihnen die Tat nachzuweisen sein wird, ist noch offen.

So ist es fast immer. MVB-Sprecher Tim Stein ist jedenfalls nicht bekannt, wann in letzter Zeit mal ein Bahn-Beschmutzer gefasst und für den Schaden auch haftbar gemacht werden konnte. Und so bleiben die Verkehrsbetriebe jedes Jahr auf einem Schaden für die Graffiti-Beseitigung von bis zu 20.000 Euro sitzen. Allein die Beseitigung der Farbe an der Bahn vom Olvenstedter Platz dürfte rund 5000 Euro kosten.

Dabei ähnelt alles einem Katz-und-Maus-Spiel. Ist eine neue Schmiererei festgestellt worden, wird die Bahn möglichst schnell aus dem Verkehr gezogen und gereinigt. „Wir wollen verhindern, dass sich die Farbe in den Lack einfrisst“, erklärt Tim Stein. Ist das doch passiert, müssen die Verkehrsbetriebe eine Fremdfirma mit hinzuziehen, um den Wagen neu zu lackieren. In der Zwischenzeit hat es dann oft schon eine neue Bahn getroffen – und das Spiel geht von vorn los.

Die Sprayer schlagen oft an den Endstellen zu. Wenn die Bahnen dort in einer Kurve pausieren, nutzen die Sprayer den toten Winkel aus. Der Fahrer kann dann diese blitzschnellen Aktionen nicht sehen. Drei Bahnen waren jetzt während der Schneetage besonderes Ziel von Schmierereien. Neben dem Olvenstedter Platz waren noch Züge an der Planckstraße und der Wendeschleife in Olvenstedt gestrandet und beschmiert worden.

In letzter Zeit sei unabhängig von jüngsten Einzelfällen eine Zunahme von Graffiti an Bahnen registriert worden, so Stein. Das ist nicht das einzige Problem. Zu den Schmierereien kommen noch die Schäden durch Vandalismus obendrauf. 50?000 Euro jährlich sind es mindestens, die die Verkehrsbetriebe für die Reparatur zerstörter Kameras, beschmutzter Sitze oder herausgerissener Halterungen berappen müssen. Kosten, die letztlich Fahrgäste und Steuerzahler mittragen müssen.