Magdeburg l Magdeburgs Imker helfen weiter im Kampf gegen das Insektensterben – diesmal mit der Spende einer bei Bienen, Hummeln und Co. höchst beliebten Winterlinde an die Stadt. Der Baum wurde jetzt gemeinsam mit Vertretern des Stadtgartenbetriebs Am Costerberg in Ottersleben am südlichen Stadtrand gepflanzt.

Es ist schon die dritte Baumspende, wie Vereinsvorsitzender Tom Förster berichtet. Zuletzt wurde jeweils ein Schnurbaum im Hopfengarten und am Denkmal „Eike von Repgow“ in den Boden gebracht. Der Verein bemühe sich fürs Jahr 2019 wieder um einen Schnurbaum, da dieser später blüht und den Tisch für die Insekten länger deckt. „In diesem Jahr ging das leider nicht, weil keine geeigneten Flächen frei waren“, so Förster.

Trockenheit macht Bienen Leben schwer

Hilfe brauchen die kleinen Nützlinge jetzt mehr denn je, da die Trockenheit 2018 den Bienenvölkern zusätzlich das Leben schwer gemacht hat. Anstatt in die Vermehrung und damit in Nektar zu investieren, haben viele Pflanzen ihre wenige Flüssigkeit für sich behalten, so dass beispielsweise die Lindentracht, sonst eine der Haupttrachten, stellenweise ausfiel. Besonders arme Böden, die sonst sehr artenreich sind und von vielen Wildinsekten frequentiert werden, sahen schlecht aus, stellt Förster fest. Ackerbegleitgrün habe es nicht gegeben, sagt er.

Die Auswirkungen für die Wildinsekten dürften enorm gewesen sein, da sie nicht in dem Umfang Vorräte anlegen, wie es die Honigbiene tut. „Insgesamt sind wir Imker mit einem blauen Auge davongekommen. Noch so ein Jahr wird aber sicherlich nicht auszuhalten sein“, meint der Chef des Vereins, dem inzwischen 140 Mitglieder aus Magdeburg und Umgebung angehören. Es fehle immer noch einiges an Feuchtigkeit im Boden. Wie sich die Trockenheit unter anderem auf die Frühblüher auswirken wird, wisse man noch nicht.

Insektenmonitoring in Magdeburg

Um sich ein genaueres Bild von der Entwicklung des Insektenvorkommens in der Stadt Magdeburg machen zu können, hat der Imkerverein 2018 mit Hilfe von Studenten ein Insektenmonitoring in Magdeburg durchführen lassen. Auf die Auswertung im Frühjahr warten die Imker mit Spannung.

Bei den Ernteverlusten beim Honig lag Sachsen-Anhalt derweil mit minus 23 Prozent im bundesweiten Mittel. Daran hätten sich die Imker aber inzwischen wohl oder übel gewöhnt, meint Förster. Mit Blick auf die vielen Neuimker sieht er das Problem aber weniger in der Erntemenge. „Aktuell können wir die Nachfrage nach Bienenvölkern nicht decken. Für Neuimker liegt es deshalb nahe, auf zweifelhafte Angebote einzugehen“, erzählt der Hobbyimker. So befürchte man die Einschleppung des kleinen Beutenkäfers, ein Parasit aus Italien. „Das wäre für uns Imker in Deutschland eine Katastrophe mit biblischem Ausmaß“, meint Förster.

Imker arbeiten mit Landwirten zusammen

Eine positive Entwicklung sehen Tom Förster und seine Imkerfreunde dennoch. „Wir haben festgestellt, dass es Landwirte gibt, die auf uns zukommen und uns fragen, wie man besser zusammenarbeiten kann. Das freut uns natürlich enorm. Das Bild vom intensiven Landwirt, der alles totspritzt, was kein Geld bringt, gilt lange nicht immer und überall.“ Es sei sogar angedacht, die Felder eines Bauern aus der Umgebung im nächsten Jahr mit den Bienen „anzuwandern“, wie der Fachmann es formuliert.