Magdeburg l An rund 20 Stellen in der Stadt konnten bis vor drei Wochen in Magdeburg Fahrräder des Leipziger Anbieters Nextbike ausgeliehen werden. Doch zum Juli 2018 hat das Unternehmen die 50 Zweiräder aus der Landeshauptstadt abgezogen. Die Rede ist davon, dass man sich in Gesprächen mit Kooperationspartnern befinde. Wann und wie aber ein Neustart stattfinden könne, wollte eine Sprecherin des Unternehmens nicht sagen. Kunden mit einem Jahresabonnement in Magdeburg könnten jedenfalls von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen.

Jüngst hatte das Aus für das weltweit agierende Unternehmen Obike aus Singapur für Schlagzeilen gesorgt. Von heute auf morgen war die Firma, die häufig durch Fahrräder mit einem schlechten Standard aufgefallen war, nicht mehr erreichbar. Was mit den zurückgebliebenen Fahrrädern wird, ist unklar.

Andere Situation in anderen Städten

Ohnehin werden andere Städte teilweise mit Leihfahrrädern überflutet. Beispiel Berlin: Hier gibt es 16 000 Fahrräder von acht großen Anbietern. In einigen Städten werden bereits Initiativen ergriffen, um der Schwemme von Fahrrädern Herr zu werden. Tilman Bracher vom Deutschen Institut für Urbanistik sagte gegenüber der Berliner Morgenpost, dass er mit einer Konsolidierung des Marktes rechne. Bei vielen Anbietern sei noch nicht klar, mit welchem Geschäftsmodell sie überleben möchten: Beispielsweise indem Geld über Verkäufe über die Leihapp verdient wird oder indem Dank der Bewegungsdaten des jeweiligen Nutzers zielgerichtet Werbung auf die Smartphones ausgespielt wird. Offenbar gehe es derzeit für viele zunächst darum, möglichst viele Kunden zu gewinnen.

Von einer Schwemme von Leihfahrrädern wie in anderen Städten konnte in Magdeburg auch vor dem zumindest vorläufigen Abzug von Nextbike aber keine Rede sein. Zwar boten die Fahrräder, wenn sie zum Beispiel nach einem Sturm umgekippt waren, kein besonders gutes Bild. Davon, dass Fußwege unpassierbar wurden oder die für andere Radfahrer notwendigen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder vollständig durch ungenutzte Leihfahrräder blockiert waren, war in der Landeshauptstadt aber kaum zu beobachten.

Und mit dem Abzug der 50  Nextbike-Räder gibt es keinen Anbieter mehr, dessen Fahrräder an mehreren Standorten Magdeburgs ausgeliehen und abgegeben werden konnten. Enttäuscht über diese Entwicklung ist auch der Verkehrsverbund Marego, in dem regionale Unternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs mit einheitlichen Tickets und unternehmensübergreifend zusammenarbeiten. Marego hatte nämlich mit Nextbike zusammengearbeitet. Kunden der Nahverkehrsunternehmen konnten auf Wunsch auch die Räder von Nextbike nutzen. Ulrike Gottschalk ist Sprecherin von Marego und sagt: „Wir haben das Angebot als sinnvolle Ergänzung zu Bus und Bahn gesehen. Die Fahrgäste hatten so eine Möglichkeit, das letzte Stück zu ihrem Ziel zügig zurückzulegen.“ Falls sich eine Alternative biete, werde man diese prüfen, so die Marego-Sprecherin.

Alternative bei Händlern

Derzeit dürfte sich dies aber schwierig gestalten: Denn ein Verleiher, der seine Fahrräder an mehreren Standorten anbietet, ist derzeit nicht vorhanden. Sehr wohl gibt es aber in Magdeburg noch Möglichkeiten, Fahrräder auszuleihen. So hat die Deutsche Bahn Fahrräder am Westausgang des Hauptbahnhofs zum Busbahnhof. Und die Stadt hat auf www.magdeburg.de.