Magdeburg l Ausgelöst unter anderem durch Volksstimmeberichte über Obdachlose in Magdeburg (Schlafstatt in der Tiefgarage) beauftragte der Stadtrat im Februar die Stadtverwaltung mit der Analyse der Situation, dem Einholen von Erfahrungen aus anderen Städten und damit, Vorschläge für Verbesserungen am Hilfenetz zu unterbreiten. Den Antrag dazu hatte die Fraktion der Linken gestellt. Ergebnisse liegen inzwischen in Form von zwei schriftlichen Ratsinformationen vor, die jüngste noch druckfrisch. Sie hat in dieser Woche die Magistratsrunde im Rathaus passiert und sollte Auskunft über andere und möglicherweise nachahmenswerte Angebote für Betroffene in vergleichbar großen Städten geben und vor allem darüber, was sich wohnungslose Magdeburger selbst an Hilfsangeboten wünschen. Die Ausbeute eines Kontaktversuchs ist mager.

Insgesamt seien, so die Sozialbeigeordnete Simone Borris, 280 registrierte bzw. anderweitig bekannte Obdachlose an einer Umfrage beteiligt worden. Über das Jobcenter, die soziale Wohneinrichtung in Buckau, die Bahnhofsmission und andere soziale Einrichtungen wurden Fragebögen mit frankierten Rückumschlägen verteilt. Nur 30 Bögen kamen ausgefüllt zurück, wovon wiederum zwei von Magdeburgern stammten, die (wieder) über eine eigene Wohnung verfügten.

Alle Befragten wollen eine eigene Wohnung

Zur Auswertung wurden also Antworten der 28 erreichten Magdeburger Wohnungslosen herangezogen. Durch die Bank obdachlos waren diese zum Zeitpunkt der Umfrage aber nicht. 12 von ihnen waren überwiegend im Obdachlosenasyl untergebracht, fünf bei Familienangehörigen und acht bei Bekannten (Mehrfachnennungen möglich). Sieben der 28 auskunftsbereiten Magdeburger lebten zum Zeitpunkt der Umfrage Ende Mai tatsächlich auf der Straße.

26 der 28 Befragten gaben an, ihre Lebenssituation ändern zu wollen. Alle wünschen sich wieder eine eigene Wohnung, zwölf wollen ihre Schulden regulieren, zehn eine Arbeit oder Ausbildung beginnen, vier wieder Kontakt zur eigenen Familie aufnehmen und zwei ihre Sucht bekämpfen. Zu den am häufigsten genannten Wünschen der Wohnungslosen gehörten Möglichkeiten zum Duschen und Waschen sowie der Suppenküche, eine engere Begleitung und individuelle Hilfe beim Kontakt mit Ämtern, Behörden und Vermietern. Die Obdachlosen wünschen sich feste Ansprechpartner zur Bewältigung ihrer Lebenskrisen, andererseits aber auch eine „Übernachtungsstelle ohne Bedingungen“.

Wer nicht mitwirkt, muss um 8 Uhr ausziehen

Im Obdachlosenasyl in Buckau herrscht Alkohol- und Besuchsverbot. Außerdem sind Bewohner verpflichtet, bei der Beseitigung ihrer Wohnungsnot mitzuwirken. Verweigern sie dies, bekommen sie nur Nachtasyl von 18 bis 8 Uhr.

Die Ergebnisse der verwaltungsinternen Recherche der Lage und von Hilfsangeboten in vier mit Magdeburg vergleichbaren Städten boten offenbar wenig Aufschluss über neue Handlungs- und Hilfsoptionen. Alle Städte – ihre Namen werden öffentlich nicht genannt – hielten vergleichbare Angebote wie Magdeburg mit Suppenküchen, Kleiderkammern, Beratungsstellen und Gemeinschaftsunterkünften bzw. städtisch zur Unterbringung angemieteten Wohnungen für Obdachlose bereit. Grundsätzlich hätten die angefragten Kommunen größere Probleme mit Wohnungslosigkeit als in Magdeburg und in der Spitze mehr als eintausend Betroffene, von denen 700 „ordnungsrechtlich untergebracht“, d. h. von der Kommune in Heime/Wohnungen eingewiesen wurden. Magdeburg verfügt nur über 88 Aufnahmeplätze im zentralen Asyl für Obdachlose, Frauen und Familien in Buckau. Zwar sei die Zahl der in sozialen Wohneinrichtungen untergebrachten Magdeburger von insgesamt 171 im Jahr 2014 auf 248 im Jahr 2018 angewachsen, dennoch sei das Haus in Buckau nur zu durchschnittlich 59,5 Prozent ausgelastet. Die Einrichtung ist täglich rund um die Uhr geöffnet und wird von neun Betreuern geführt.

Ausbau von Hilfeangeboten

Im Ergebnis der Untersuchung plant die Stadt den Ausbau von Hilfeangeboten. In weiteren Teilen der Stadt sollen Einrichtungen eröffnet werden, die hilfsbedürftige Magdeburger mit Essen versorgen, in denen geduscht und Kleider gewaschen werden können. Die Angebote sollen außerdem besser bekannt und ein Bedarf vor Ort neu ermittelt werden. Bis Ende 2020 will das Sozialdezernat weitere Vorschläge zum Aus- und Umbau von Hilfsangeboten machen. Die Eröffnung einer Übernachtungsstelle ohne Bedingungen lehnt die Stadt ab.