Magdeburg l Ein kurzer lauter Knall ertönt in der Gartenanlage „Am Waldsee“ unweit des Stadions Neue Welt an der Berliner Chaussee in Magdeburg. Kurz nach dem Schuss zwitschern die Vögel wieder, als wäre nichts passiert. Das Prozedere hat sich hier bereits mehrmals wiederholt. Doch was steckt dahinter?

Wildkamera zur Dokumentation

„Wir haben hier ein echtes Problem mit Waschbären. Die müssen weg, egal wie“, erklärt ein Gartenfreund. Seinen Namen will er in der Volksstimme nicht lesen. Zu groß ist die Angst vor Anfeindungen innerhalb der großen Gartengemeinschaft und von außerhalb. Die ganze Misere habe vor gut anderthalb Monaten angefangen. „Da haben ein paar Waschbären nachts die Terrasse meines Nachbarn verwüstet und anscheinend Gefallen an unserer Sparte gefunden.“ Es folgt ein vor allem nächtlicher Kampf gegen die Tiere. „Ich habe mir extra eine Wildkamera zugelegt, damit ich herausfinden kann, was die Waschbären hier treiben und wie viele es sind“, erläutert der Pächter des Gartens weiter. Schnell habe sich herausgestellt, dass es bis zu 15 verschiedene Tiere seien. „Und die sind auch noch verdammt intelligent.“ In der Anfangszeit, nachdem sich der Mann eine Falle zugelegt hatte, waren die Waschbären immer aus dieser ausgebrochen oder gar nicht erst in die Falle getappt. Erst nach ein paar Wochen seien erste Erfolge ersichtlich geworden.

„Ich habe mittlerweile fünf Tiere gefangen, von denen sich zwei wieder selbst befreit haben.“ Dann in der Nacht zum 31. Juli der nächste Erfolg, wieder geht dem Mann ein Waschbär ins Netz. Das Tier ist kaum älter als ein Jahr und sitzt verängstigt im Käfig. „Gleich kommt der Jäger und erschießt den da auch.“ Das sei nötig, weil der Waschbär zu einer echten Plage geworden ist. Der Kleingärtner vergleicht den Waschbären sogar mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer. Sein Resümee: beides Schädlinge, die bekämpft gehören.

Bilder

29 616 Tiere 2018 in Sachsen-Anhalt er

Tatsächlich gilt der Waschbär als Schädling. Seit den 1950er Jahren breitet sich, das eigentlich in Amerika heimische Tier, der Waschbär in Deutschland immer mehr aus. Tatsächlich gilt Sachsen-Anhalt sogar als eine der Hochburgen der Waschbärenpopulationen. Im abgelaufenen Jagdjahr 2018 hatte Sachsen-Anhalts Jagdverband 29 616 erlegte Waschbären gezählt (inklusive Wildunfälle). Die Wildtiere gelten als besonders anfällig für die Abfälle von Menschen. So wird regelmäßig beobachtet, wie Waschbären Mülltonnen nach Essen durchwühlen, aber auch Gemüsegärten und Obstbäume fallen den gefräßigen Tieren zum Opfer. Auch in der Gartenkolonie „Am Waldsee“ haben sie immer wieder zugeschlagen. „Zum Beispiel habe ich nachts beobachtet wie die Waschbären die Kirschbäume hier geplündert haben. Bis zu drei von den Tieren hingen gleichzeitig in der Krone des Baumes.“ Aber auch ein anderes Problem verursache der Waschbär mit seiner Präsenz. „Seit der hier ist, sind viele unserer Singvögel verschwunden.“

Der Mann beklagt, dass es seitdem wieder mehr Insekten gebe. „Eine lästige Konsequenz, die man zu spüren bekommt, wenn man Nachts mal in der Laube schläft.“ Er fordert vor allem eins von Vertretern der Stadtverwaltung und Jagdverbänden: „Mehr Sensibilisierung der Bevölkerung bei dem Thema.“

Bleibt immer noch die Frage: Wieso durfte der gefundene Waschbär erschossen werden? Aufschluss darüber gibt das Jagdrecht in Sachsen-Anhalt. Demnach darf ein Grundstückseigentümer bestimmte Wildtiere, darunter auch der Waschbär, zum Zwecke der Schadensabwehr fangen und töten. Dabei müssen jagd- und tierschutzrechtliche Vorschriften eingehalten werden. Wer zum Beispiel Giftköder auslegt, macht sich damit strafbar. Betroffene können sich dagegen an einen Jäger wenden. Diese verfügen über entsprechende Genehmigungen von den zuständigen Ämtern, um auch im umfriedeten Gebiet aktiv zu werden.

Abschließend empfiehlt das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, dass Speisereste, Schlachtabfälle und Tierfutter, besonders solches für Hunde und Katzen, besonders verwahrt werden sollten. Außerdem sollten Grundstückseigentümer Mülltonnen entsprechend sichern.