Magdeburg l Im Juni 2017 hat die Pflegeeinrichtung „Haus Reform“ in Magdeburg eröffnet. Innerhalb von zwei Wochen waren bereits 42 Zimmer in dem Neubau belegt. Obgleich der Eigenanteil in dem Seniorenwohnheim für die Region verhältnismäßig hoch liegt: 1440 Euro müssen pro Platz und Monat selbst aufgebracht werden. Heute sind alle 84 Pflegeplätze längst belegt. Darüber hinaus ist die Warteliste für weitere Interessenten lang. Der Bedarf ist also da.

Das Seniorenheim gehört zur „Wohnen und Pflegen Magdeburg gemeinnützige GmbH“ (WUP). Das Unternehmen betreibt jetzt sieben städtische Einrichtungen in Magdeburg. In das neu eröffnete Pflegeheim an der Juri-Gagarin-Straße wäre auch gern eine Leserin eingezogen, die sich mit einem Brief an die Volksstimme gewandt hat. Darin erklärt die 82-Jährige: Mit einer monatlichen Rente von 822 Euro könne sie sich den Einzug bedauerlicherweise jedoch nicht leisten.

Seniorenheim ohne Fördermittel gebaut

Der Eigenanteil in Reform ist von allen WUP-Einrichtungen am höchsten. Geschäftsführer Norbert Lendrich erklärt auf Nachfrage der Volksstimme, warum das so ist: Einen Großteil der anderen Seniorenwohnheime habe man damals zu 100 Prozent mit Fördermitteln sanieren können. „Dabei fielen nur geringe Investitionskosten an“, sagt Norbert Lendrich. Anders sehe es jetzt in Reform aus: Das gesamte Haus sei „frei finanziert“ worden. Lendrich: „Dadurch ergibt sich eine ganz andere Kostenstruktur.“

Dass die Bewohner im Haus Reform für ihren verhältnismäßig hohen Beitrag ein besonders schönes Wohnen bekommen, ist auf den ersten Blick zu sehen. Gleich hinter dem Empfang sitzen Margarete Waldhelm und Waltraud Willborn auf gemütlichen roten Sesseln in der Kamin­ecke. Dahinter im großzügigen Speiseraum wird Kaffee und selbst gebackener Kuchen serviert. Durch ein großes Fenster kann dort direkt den Köchen über die Schulter geschaut werden. „Dass wir zweimal pro Tag selbst kochen und hier wie zu Hause Abendbrot gegessen wird, schätzen unsere Bewohner besonders“, sagt Einrichtungsleiterin Stefanie Stahl.

Altersgerechte Wohnungen sind belegt

Die 92-jährige Margarete Waldhelm ist gleich zur Eröffnung eingezogen. Ihr erstes Resümee: „Hier hat es mir von Anfang an gefallen, wir werden sehr gut versorgt.“ Insgesamt 60 Mitarbeiter kümmern sich um die Senioren. Jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad, auf jeder Etage befinden sich große Küchen, Terrassen und Gemeinschaftsräume. Für Ehepaare gibt es zusätzlich drei Apartments. Darüber hinaus sind im Haus noch acht altersgerechte Wohnungen entstanden. Auch diese sind seit Eröffnung alle belegt.

Was die Finanzierung eines Wohnheimplatzes betrifft, macht Norbert Lendrich deutlich: „Hier wohnen auch Sozialhilfeempfänger.“ Die einzige Voraussetzung für einen Einzug sei die Pflegestufe II. Die Möglichkeiten zur Finanzierung würde man in den einzelnen Fällen in einem gemeinsamen Gespräch ausloten. Eine Option kann dann auch die finanzielle Unterstützung vom Sozialamt sein.

Anspruch auf Pflegeheim ab Pflegestufe II

Von Stadtsprecher Michael Reif heißt es auf Nachfrage der Volksstimme dazu: „Jeder Pflegebedürftige hat ab der Anerkennung des Pflegegrades II durch die Pflegekasse auch einen Anspruch auf die Betreuung in einem Pflegewohnheim. Sollte das eigene Einkommen dafür nicht ausreichen, können betroffene Magdeburger bei unserem Sozial- und Wohnungsamt einen Antrag auf Leistungen stellen.“

Fakt ist jedoch: Bevor ein Anspruch beim Sozialamt besteht, muss der Betroffene zunächst sein gesamtes Einkommen einsetzen, heißt es vom Bundesfamilienministerium. In diesem Zusammenhang würden auch größere Schenkungen in den letzten zehn Jahren geprüft. Zudem seien die Kinder als Verwandte ersten Grades grundsätzlich dazu verpflichtet, den Unterhalt mitzufinanzieren – sobald ihr Einkommen einen bestimmten Mindestselbstbetrag überschreitet.

Wer auf Unterstützung vom Amt angewiesen ist, kann jedoch offenbar nicht in jedes Wohnheim einziehen. Von Stadtsprecher Michael Reif heißt es: „Bei der Wahl des Pflegewohnheimes müssen pflegebedürftige Antragsteller berücksichtigen, dass das gewünschte Pflegewohnheim mit dem Land Sachsen-Anhalt als Träger der Sozialhilfe bestimmte Pflegesätze zur Anerkennung der Kosten verhandelt hat.“