Magdeburg l Heute freuen sich Passanten über Grünflächen und eine luftige Bebauung. Und meinen jene Flächen, die durch den Stadtumbau der vergangenen Jahre in Neu-Olvenstedt in Magdeburg entstanden waren. Binnen kurzer Zeit mussten jene für den Stadtteil typischen mehrgeschossigen Wohnhäuser im Stile des industriellen Wohnungsbaus weichen, die nach einer jahrelangen Planung in den 1980er Jahren entstanden waren.

Da galten die Wohnungen der System-Wohnungsbauserie (WBS) 70 in den Blöcken, die später als „Platte“ verschrien wurden, mit ihren integrierten Bädern, Balkonen und der Versorgung über Fernwärme als hochmodern und waren entsprechend begehrt. Nicht wenige der Bewohner waren in den Großbetrieben wie im Südosten der Stadt Magdeburg tätig. Arbeiter beispielsweise des Schwermaschinenbaukombinats „Ernst Thälmann“ (Sket) erhielten eine Wohnung als Auszeichnung für ihre Arbeit.

Wohnraum für 45.000 Magdeburger

Kräne, welche die im VEB Vorfertigung in Rothensee (ein Betrieb des Wohnungsbaukombinats Magdeburg, WBK) hergestellten Betonplatten in die Höhe hievten, bestimmten das Bild. So auch der Umstand, dass mit dem Bau von Straßen und Wegen kaum mitgehalten werden konnte, bei regnerischen Tagen Bretter über die Feldwege gelegt und Schuhe vor den Hauseingängen abgestellt wurden, um möglichst keinen Dreck in die Neubauten zu tragen. Von 1981 an sollte in fünf Bauabschnitten im Westen der Stadt die größte Neubausiedlung der Deutschen Demokratischen Republik im komplexen Wohnungsbau mit Wohnraum für 45.000 Bewohner geschaffen werden. Nur drei sollten bis zur Wiedervereinigung umgesetzt werden.

Neu-Olvenstedt zur DDR-Zeit

Magdeburg (ja) l Neu-Olvenstedt in Magdeburg war das größte Siedlungsvorhaben in der ehemaligen DDR. Ein Blick zurück:

  • Die Betonplatten der Wohnblöcke wurden in Magdeburg Rothensee gefertigt. Foto: Harri Schäfer

    Die Betonplatten der Wohnblöcke wurden in Magdeburg Rothensee gefertigt. Foto: Harri Sch...

  • „Fliegende Händler“ fanden sich nach der Wende zum Freiluftverkauf an der Parkstraße in Magdeburg ein. Foto: Harri Schäfer

    „Fliegende Händler“ fanden sich nach der Wende zum Freiluftverkauf an der Park...

  • Kitas in Neu-Olvenstedt entstanden in kunstvoll gestalteten Klinkerbauten. Foto: Harri Schäfer

    Kitas in Neu-Olvenstedt entstanden in kunstvoll gestalteten Klinkerbauten. Foto: Harri Schäfer

  • Straßenbahnen fuhren ab dem 28. April 1984 durch das neu geschaffene Wohngebiet in Magdeburg. Foto: Harri Schäfer

    Straßenbahnen fuhren ab dem 28. April 1984 durch das neu geschaffene Wohngebiet in Magdeburg...

  • Blick von einem der Mehrgeschosser auf den Sternsee und das dahinterliegende Wohngebiet in Magdeburg. Foto: Harri Schäfer

    Blick von einem der Mehrgeschosser auf den Sternsee und das dahinterliegende Wohngebiet in Magdeb...

  • Die Kaufhalle nahe dem Marktplatz „Olven I“ in Neu-Olvenstedt existiert heute nicht mehr. Foto: Harri Schäfer

    Die Kaufhalle nahe dem Marktplatz „Olven I“ in Neu-Olvenstedt existiert heute nicht...

  • Zu Ehren der Partnerstadt Gorki, wo eine ähnliche Siedlung entstand, wurde ein Denkmal des Dichters Maxim Gorki in Neu-Olvenstedt errichtet. Foto: Harri Schäfer

    Zu Ehren der Partnerstadt Gorki, wo eine ähnliche Siedlung entstand, wurde ein Denkmal des D...

  • Typisch DDR: Mopeds, Trabant, Würfelhaus. Foto: Harri Schäfer

    Typisch DDR: Mopeds, Trabant, Würfelhaus. Foto: Harri Schäfer

  • Montagearbeiter in Neu-Olvenstedt bei ihrer Arbeit. Foto: Harri Schäfer

    Montagearbeiter in Neu-Olvenstedt bei ihrer Arbeit. Foto: Harri Schäfer

  • Erst nach und nach wurden feste Wege und Straßen in Neu-Olvenstedt geschaffen. Foto: Harri Schäfer

    Erst nach und nach wurden feste Wege und Straßen in Neu-Olvenstedt geschaffen. Foto: Harri S...

  • Die Wohnungen der System-Wohnungsbauserie 70 der DDR wurden später Plattenbauten genannt. Foto: Harri Schäfer

    Die Wohnungen der System-Wohnungsbauserie 70 der DDR wurden später Plattenbauten genannt. Fo...

  • Auch ein Spielplatz war Teil des Wohngebietes in Neu-Olvenstedt. Foto: Harri Schäfer

    Auch ein Spielplatz war Teil des Wohngebietes in Neu-Olvenstedt. Foto: Harri Schäfer

  • Die Gemeinde Olvenstedt wurde 1979 aus dem Kreis Wolmirstedt nach Magdeburg eingemeindet. Foto: Harri Schäfer

    Die Gemeinde Olvenstedt wurde 1979 aus dem Kreis Wolmirstedt nach Magdeburg eingemeindet. Foto: H...

  • Damals galten die DDR-Wohnungen mit ihren integrierten Bädern, Balkonen und der Versorgung über Fernwärme als hochmodern. Foto: Harri Schäfer

    Damals galten die DDR-Wohnungen mit ihren integrierten Bädern, Balkonen und der Versorgung &...

  • Auf diesem Schild wird für Wohnraum in Magdeburg-Olvenstedt für 45.000 Bewohner geworben. Foto: Harri Schäfer

    Auf diesem Schild wird für Wohnraum in Magdeburg-Olvenstedt für 45.000 Bewohner geworbe...

  • Drei Bauabschnitte wurden in Neu-Olvenstedt bis zur Wiedervereinigung umgesetzt. Foto: Harri Schäfer

    Drei Bauabschnitte wurden in Neu-Olvenstedt bis zur Wiedervereinigung umgesetzt. Foto: Harri Sch&...

  • Die ersten Erdarbeiten für das Magdeburger Neubaugebiet begannen 1980. Foto: Harri Schäfer

    Die ersten Erdarbeiten für das Magdeburger Neubaugebiet begannen 1980. Foto: Harri Schäfer

  • Die Wohnungen in Neu-Olvenstedt sollten ursprünglich in fünf Bauabschnitten errichtet werden. Foto: Harri Schäfer

    Die Wohnungen in Neu-Olvenstedt sollten ursprünglich in fünf Bauabschnitten errichtet w...

  • Die Betonplatten der Bauten wurden im VEB Vorfertigung in Magdeburg-Rothensee hergestellt. Foto: Harri Schäfer

    Die Betonplatten der Bauten wurden im VEB Vorfertigung in Magdeburg-Rothensee hergestellt. Foto: ...

  • Die Grundsteinlegung für den ersten Wohnblock in Neu-Olvenstedt erfolgte am 31. januar 1981. Foto: Harri Schäfer

    Die Grundsteinlegung für den ersten Wohnblock in Neu-Olvenstedt erfolgte am 31. januar 1981....

  • Arbeiter in Großbetrieben wie Sket in Magdeburg erhielten eine Wohnung als Auszeichnung für ihre Arbeit. Foto: Harri Schäfer

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  • Auch Künstler waren bei der Gestaltung des Wohngebietes in Neu-Olvenstedt involviert. Sie gestalteten sogenannte Hauszeichen sowie Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Jugendclubs und Mehrzweckhäuser. Foto: Harri Schäfer

    Auch Künstler waren bei der Gestaltung des Wohngebietes in Neu-Olvenstedt involviert. Sie ge...

Zwei Jahre vor dem Baustart wurde mit der Eingemeindung von Olvenstedt die Voraussetzung dafür geschaffen. Die Gemeinde Olvenstedt wurde am 1. April 1979 aus dem Kreis Wolmirstedt nach Magdeburg eingemeindet, nachdem die Stadt 1977 beschlossen hatte, das geplante Wohngebiet Neu-Olvenstedt unmittelbar östlich des alten Dorfes errichten zu lassen. Es sollte mit dem neuen Wohngebiet an die Bezirkshauptstadt angeschlossen werden.

Nach der Eingemeindung sollte das Tempo zulegen: Die ersten Erdarbeiten für das Neubaugebiet begannen 1980. Die Grundsteinlegung für den ersten Wohnblock erfolgte am 31. Januar 1981. Zum Ende des Jahres wurden die ersten 166 Wohnungen an Mieter übergeben. Künstler waren bei der Gestaltung des Wohngebiets mit involviert. Als sogenannte Kunst am Bau gestalteten sie u. a. sogenannte Hauszeichen sowie Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Jugendclubs und Mehrzweckhäuser (Flachbauten in den Wohnquartieren, die beispielsweise für Feiern genutzt werden konnten) mit.

Erinnerungen gesucht

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren Einzug oder an die Entstehung von Neu-Olvenstedt? Schreiben Sie unter dem Stichwort „Neu-Olvenstedt" die Geschichte an Volksstimme Lokalredaktion, Bahnhofstraße 17, 39104 Magdeburg, rufen Sie unter Telefon 0391/5999-550 an oder melden Sie sich per E-Mail an marco.papritz@volksstimme.de mit Ihrem Namen und Ihrer Telefonnummer.