Magdeburg l Hübsch anzuschauen ist er nicht und zum Verweilen lädt er auch nicht ein. Obgleich er so zentral gelegen allerlei Potenzial bietet, fristet der Olvenstedter Platz in Magdeburg ein liebloses Dasein. Magdeburgs Stadträte nahmen sich der Sache an, die Linke/future schickte die Idee eines Brunnens für den Platz ins Rennen. Nunmehr ein Jahr später liegt nun ein erster Entwurf zur Umgestaltung vor. Und dieser beinhaltet nicht nur den ersehnten Brunnen, sondern auch neue Sitzgelegenheiten, Beleuchtung und Bepflanzung.

Der Berliner Landschaftsarchitekt Jörg Michel hat es sich zur Aufgabe gemacht, „einen attraktiven und identitätsstiftenden Ort aus hoher Aufenthalts- und emotionaler Gestaltqualität zu schaffen“. Er führt dazu aus: „Der Platz kann, bedingt durch die flankierenden Straßen und die kaum vorhandenen stadträumlichen Anknüpfungspunkte, autark nur aus sich heraus wirken. Er muss dabei wie ein Medaillon oder Schmuckanhänger sich selbst als Referenz begreifen. So wie eine Schmuckbrosche die Aufgabe hat das Kleidungsstück aufzuwerten und nicht umgekehrt, gilt Gleiches für den Olvenstedter Platz und sein angrenzendes Stadtquartier.“

Gelingen soll dies durch eine Vielzahl einzelner Maßnahmen. Ein platzprägendes Oberflächenmaterial soll dem Platz zu neuem Ansehen verhelfen. Der Landschaftsarchitekt schlägt hier die Verwendung von Naturstein aus hellem und dunklem Kleinsteinpflaster und dunklem Mosaiksteinpflaster (Basalt) vor. Alternativ zum Granit- und Basaltstein sei auch die Verwendung des regional typischen Bernburger Kalksteins, auch Bernburger Rogenstein genannt, oder ein aus buntem Großsteinpflaster recyceltes Kleinsteinpflaster denkbar. Letzteres hätte den gestalterischen Vorteil, dass es die Farbigkeit des Granitgroßsteinpflasters der Straße „Olvenstedter Platz“ aufnehmen und in Einklang mit der Platzfläche bringen würde, erläutert der Landschaftsarchitekt.

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Bänke mit Holz

Zudem schlägt er vor, die bestehenden Metallsitzbänke zu demontieren und durch Sitzbänke mit einer Holzlattung und Rückenlehne zu ersetzen. Einzelbänke sollen dabei zu langen zusammengestellt werden. Dies stärke die Kommunikation miteinander und das Gemeinschaftsgefühl. Vier neue Papierkörbe sollten aufgestellt und ein Unterflurelektrant (versenkbare Energiesäule) eingebaut werden. Letzterer diene der Nutzung für Marktbeschicker während eines möglichen Wochenmarktes oder speziellen Events.

Neben neuen Sitzgelegenheiten und der Reduzierung der Vielfalt der vorhandenen Oberflächenmaterialien soll auch ein neues Lichtkonzept für Atmosphäre sorgen.

Beleuchtung in Stauden und Gehölzflächen

Da die Gehwegsflächen von der vorhandenen Straßenbeleuchtung ausreichend und verkehrssicher ausgeleuchtet werden, setzt der Landschaftsarchitekt auf eine dezente und zurückhaltende Ausleuchtung des Platzes. Dies nicht zuletzt, um eine höhere Lichtverschmutzung zu vermeiden. Im Zuge dessen soll auf Mast-, Aufsatz- oder Zylinderleuchten auf der Platzfläche verzichtet werden. Die Beleuchtung erfolgte stattdessen über niedrige Pollerleuchten, die in den Stauden- und Gehölzflächen positioniert werden.

Insgesamt werden 19 dieser Leuchten mit einer durchschnittlichen Lichtstärke von drei Lux und einer maximalen Lichtstärke von fünf Lux geplant. Die geplante Brunnenfontäne erhalte zudem eine separate Beleuchtung in Form von bodenbündig in den Beckenboden und den Beckenrand eingelassenen Leuchten.

Obgleich bereits ein grünes Blätterdach den Olvenstedter Platz umgibt, sollen zehn neue Solitärbäume gepflanzt werden. Acht in ihrer Vitalität und Verkehrssicherheit gefährdete Bestandsbäume werden hingegen gefällt und standortgerecht ersetzt, heißt es in der Bau- und Entwurfsbeschreibung. Sieben Bestandsbäume an der Olvenstedter Chaussee erhalten zudem einen Pflege- und Erhaltungsschnitt. Die art- und standortfremde, jedoch vitale Birke werde – zugunsten einer verbesserten stadträumlichen Öffnung und Wahrnehmung des Platzes - gefällt. Der pflanzliche Rahmen und die Unterpflanzungen der Bäume werden durch eine höhengestaffelte Gehölz- und Staudenbepflanzung geprägt.

Pavillon bleibt, Denkmal wird versetzt

Nicht zuletzt erklärt Jörg Michel, dass der Blumen-Pavillon stehen bleiben kann. Das Erich-Schaft-Denkmal werde hingegen in den zentralen Platzraum versetzt.

Ob die Vorschläge des beauftragten Landschaftsarchitekten den Weg zur Weiterbearbeitung bis hin zur Kalkulation und Umsetzung finden, entscheidet der Stadtrat am 15. April 2021. Mit einem Grundsatzbeschluss muss sich dieser zunächst zu einer Umgestaltung bekennen. Zuvor wird die Beschlussvorlage jeweils im Umwelt- sowie Bauausschuss und ebenso im Betriebsausschuss Stadtgarten und Friedhöfe beraten. Die weitere Planung erfolge dann unter Beteiligung der Bürger, Einbeziehung der Geschäftsstraßenmanagerin und der Stadträte.