Magdeburg l Die Sehnsucht ist der Geist ihrer Poesie. Das Verlangen nach Liebe und Zärtlichkeit bestimmen den Fluss ihrer Verse.

Marita Hoffmann hat jahrzehntelang ihren Mann gepflegt. Nähe und Berührungen waren seit jeher krankheitsbedingt mit Schmerz verbunden. Die 81-Jährige weiß: „Ich habe dadurch ein großes Zärtlichkeitsdefizit.“

Inserat hilft bei der Liebe

Nach dem Tod ihres Mannes sehnte sie sich mehr denn je danach. „Ich wollte mich unbedingt noch einmal verlieben“, gesteht sie. Ihr hohes Alter sei kein Grund, nicht noch einmal glücklich zu werden. Ein Inserat sollte bei der Suche helfen. Ihre Gedanken und Erlebnisse verpackt sie in Reim und Vers.

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„Zukunft ist immer – Liebe im Alter“ ist der Titel ihrer Gedichtsammlung, die sie noch vor ihrem 80. Geburtstag veröffentlicht hatte. Etliche handeln von der Frage, was denn Liebe sei, viele von den Falschen und noch mehr von der Liebe zu einem jüngeren Mann. Denn genau das ist ihr widerfahren.

Freund ist mehr als 20 Jahre jünger

Marita Hoffmann hat sich noch einmal verliebt. Mehr als zwei Jahrzehnte trennen die beiden. Er könnte ihr Sohn sein. „Na und? Liebe kennt kein Alter“, entgegnet sie selbstbewusst. Ihre Liebe ist das, was heutzutage wohl mit dem Beziehungsstatus „kompliziert“ beschrieben wird.

Doch genau das sei es auch, was die 81-Jährige zum Schreiben inspiriert. Die Gefühle in den Momenten des Wartens, des Hoffens, des flüchtigen Beisammenseins bringt sie zu Papier. „Ich wollte keinen Ingenieur oder Doktor, ich wollte was fürs Herz.“ Und das habe sie bekommen.

Poesie-Preis vom Theater-Förderverein

Ein Tabuthema sei das für sie nicht. Ganz im Gegenteil – in ihren Gedichten kehrt sie ihr Innerstes nach außen. So gewann sie 2015 auch den 1. Preis bei „Ge(h) und dichte! Komm und lies!“, einem Poesie-Preis vom Förderverein des Theaters Magdeburg.

Das Schreiben bereitet der einstigen Lehrerin für Deutsch und Geschichte wahrlich keinerlei Anstrengungen. Inzwischen leitet sie im Alten- und Seniorenzentrum Cracau gar die Schreibwerkstatt. Dort hatte sie unter der Anleitung von Bianca Kahl auch einst begonnen, selbst Geschichten zu schreiben. Gemeinsam mit Reha Schmidt, Renate Schulz, Anna Reindl, Helga Busse und Ingrid Franzke gab sie mit „Von Wichteln, Nixen, Gespenstern und anderen Gegebenheiten“ ein Buch heraus, in dem die schönsten Schreibergüsse festgehalten waren.

Magdeburger Stadtgeschichte

Und auch ein „Magdeburger Allerlei“ hat sie geschrieben – ein Buch, in dem sie Fantastisches mit Magdeburger Stadtgeschichte paart. „Ich kann mich erinnern, als ich mit meiner Tochter schwanger war, fror die Elbe zu. Es stank bis zum Himmel, das Leitungswasser war ungenießbar. Tankwagen versorgten die Menschen mit Trinkwasser.“

Diese Erinnerung an den Winter 1963 veranlasste sie beispielsweise zu einer Geschichte über das Verschwinden der Elbnixen. „Schließlich haben sie in der von der Industrie verseuchten Elbe nicht mehr leben können, da sich durch das Zufrieren des Flusses das Gift im Wasser konzentrierte“, erklärt sie.

Lieblingsgeschichte vorlesen

Zahlreiche dieser Geschichten habe sie schon zu Papier gebracht oder noch im Kopf. „Als meine Enkel noch klein waren, musste ich ihnen immer Geschichten vorlesen oder erzählen.“ Erst kürzlich war ihr inzwischen 33-jähriger Enkel Andreas zu Besuch und bat sie, ihm seine frühere Lieblingsgeschichte vorzulesen – „Rikki-Tikki-Tavi“.

Nachvollziehbar ist das. Denn wenn Marita Hoffmann beginnt, ihre Gedichte vorzutragen oder etwas zu erzählen, bannt es den Zuhörer. Die Betonung, die Pausen, Mimik und Gestik verfehlen ihre Wirkung nicht. Gelernt habe sie das wohl von ihrem Vater, denn auch er erzählte zeit seines Lebens gern Geschichten. Viele davon waren seine eigene Lebensgeschichte. Gewissermaßen als sein Vermächtnis hat Marita Hoffmann nicht nur seine Erzählweise verinnerlicht, sondern seine Geschichten in einer Familienchronik vereint.

Bei Schreibwerkstatt mitmachen

Die bleibt im Gegensatz zu den anderen Büchern jedoch privat. Wer Interesse an der Poesie oder den Geschichten aus der Schreibwerkstatt hat, kann sich bei ihr unter Telefon 0391/99979443 gern melden.