Magdeburg l Wenn Mario Liebau und Martin Kutschmann die großen Gänge im Bördepark in Magdeburg bestreifen, dann hellen sich vor allem bei den Händlern schlagartig die Mienen auf. Sofort grüßt man sich gegenseitig freundlich und hält den ein oder anderen Plausch. Jedoch sind die beiden keine normalen Männer, sondern Polizisten.

Als Regionalbereichsbeamte (RBB) decken sie die Stadtteile Leipziger Straße, Lemsdorf und Reform ab. Nicht jeder reagiert so erfreut wie die Händler im Bördepark. „Aber damit müssen wir ja leben“, amüsiert sich Liebau. Er ist seit einem Jahr als RBB in den drei Stadtteilen unterwegs. „Aber die meisten Leute sind echt froh, uns zu sehen. Manche schildern uns dann auch ihre Sorgen.“ Im Bördepark treffen sie sich kurz mit Thomas Arndt von der Firma Pro Safe. Er ist mit weiteren Kollegen für die Sicherheit in dem großen Einkaufszentrum zuständig.

Warnung vor unseriösen Spendensammlern

In ein paar knappen Sätzen schildert er ihnen die aktuelle Lage. „Wir haben es derzeit wieder vermehrt mit unseriösen Spendensammlern zu tun“, erzählt er. Diese würden den Leuten nach dem Einkaufen auflauern und sie auf einen vermeintlichen Spendenzweck aufmerksam machen. „Vor allem ältere Leute geben dann gerne mal bis zu 50 oder 100 Euro in bar“, zeigt er sich verständnislos. Wenn man die Sammler darauf ansprechen wolle, seien diese bereits wieder verschwunden. Deswegen habe er nun Flyer in den Eingangsbereichen aufgehängt, um die Menschen im Einkaufszentrum zu warnen.

Bilder

„Das ist eine sehr gute Idee“, lobt ihn Kutschmann. Er ist 53 Jahre alt und mit Herz und Seele RBB. Seiner Einschätzung nach sind die Stadtteile Leipziger Straße, Lemsdorf und Reform relativ sicher. „Natürlich gibt es auch hier Taschendiebstähle und Einbrüche, aber das passiert doch schon eher selten.“

Ein anderes Problem hingegen sei der Strubepark am südöstlichen Ende ihres Einzugsgebietes. „Die Problematik, dass dort mit Drogen gedealt wird, ist nicht unbekannt“, erläutert er. Zum Glück werde das sehr ernst genommen und die Kollegen vom Revier seien dort regelmäßig präsent. Aber ab und zu käme es auch mal vor, dass man gemeinsam mit dem Ordnungsamt dort auf Streife gehe. Doch nicht nur „den Bereich bestreifen“ gehört zu den Aufgaben der Regionalbereichsbeamten, auch der Kontakt zum Bürger ist wichtig.

Vertrauen älterer Menschen wird ausgenutzt

Als die beiden gerade in ihren Streifenwagen an der Apollostraße einsteigen wollen, werden sie von einem älteren Mann angesprochen. Er schildert, dass er bei einem Händler auf dem Wochenmarkt etwas erworben habe, jedoch habe er keine Quittung dafür bekommen. Der Händler habe ihm aber versichert, dass er seine Ware jederzeit bei ihm umtauschen könne. „Da können wir dem Herren nur wenig Hoffnung machen, vermutlich lässt sich der Händler hier nicht mehr so schnell blicken“, gibt sich Liebau etwas geknickt. Er finde es schade, dass einige Händler das Vertrauen älterer Menschen immer wieder ausnutzen würden.

Auf dem Weg zur Förderschule „Hugo Kükelhaus“, hier wollen sie einen Flyer für einen Malwettbewerb abgeben, erzählt Kutschmann von mehr werdenden Aufgaben der RBB.

„Mittlerweile müssen wir uns auch um Aufenthalts- und Fahrerermittlungen kümmern.“ Diese werden zum Beispiel nötig, wenn jemand eine Vorladung bekommt und diese zurückgeschickt wird, da der Empfänger vor Ort nicht auffindbar war. „Dann schauen wir an der Adresse nach, ob das wirklich so ist. Manchmal kommen die Zustelldienste auch einfach nicht an die Briefkästen“, erklärt er weiter. Früher hätten das die Beamten vom Streifendienst erledigt.

Mehr Arbeit und weniger Personal

„Das stimmt, aber die Kollegen fahren im Tagesgeschäft meistens von einem Einsatz zum anderen und haben einfach keine Zeit, um solche Ermittlungen durchzuführen“, ergänzt Polizeisprecher Sebastian Alisch auf Volksstimme-Nachfrage. Die beiden RBB führen das auch auf den Personalmangel zurück. In der Förderschule angekommen, werden die Regionalbereichsbeamten herzlich empfangen. Als noch ein kleines Erinnerungsfoto gemacht werden soll, steht plötzlich die halbe Schule vor dem Haus, um mit den Polizisten aufs Foto zu dürfen.

Eine der wichtigsten ihrer Aufgaben sei aber auch der Kampf gegen Raser. „Und das kann manchmal auch ganz schön spannend sein“, sagt Mario Liebau und lacht. Dieses mal suchen sie sich den Bierer Weg als Messstelle aus. Es ist kurz nach 13 Uhr und die Eltern holen ihre Kinder von der Schule ab. Hier gilt von 7 bis 17 Uhr Tempo 30. Doch schnell zeigt sich, dass sich nicht jeder dran hält. Bevor es losgeht, richtet Martin Kutschmann die Laserpistole ein.

Es dauerte keine drei Minuten und das Gerät schlägt an. Sein Kollege hält die rote Kelle hoch und hält damit eine Dame aus dem Salzlandkreis an. Sie zeigt sich nach kurzer Erklärung einsichtig. Für ihre Geschwindigkeitsüberschreitung von zwölf  Stundenkilometern muss sie insgesamt 25 Euro zahlen. In den 60 Minuten, die die beiden an der Messstelle stehen, gehen ihnen sechs Verkehrssünder ins Netz. „Mehr können wir auch gar nicht zu zweit hier machen.“ Der Verkehr habe sich am Bierer Weg auch schon deutlich entspannt, seit die Warschauer Straße dicht ist.

Schreibtischarbeit gehört dazu

„Die Straße ist sozusagen ein Stückchen sicherer geworden“, scherzt Martin Kutschmann und packt zusammen. Für die beiden RBB geht es zurück ins Büro. Schreibtischarbeit gehört nun mal genauso zur Arbeit dazu wie die Fußstreife in den relativ sicheren Stadtteilen von Magdeburg.