Magdeburg l Es wird in Magdeburg wohl nur vorübergehend ein stilles Gedenken werden am 10. November 2018. Um 18 Uhr beginnt die Mahnwache von Deutschem Gewerkschaftsbund und Evangelischer Jugend am Mahnmal der zerstörten Synagoge am Breiten Weg, Ecke Julius-Bremer-Straße.

Doch es sind Parallelveranstaltungen anderer Gruppierungen geplant. Eine gibt es am Hasselbachplatz. Und dort wird es laut: Die „Ravenden Europäer gegen Intoleranz und Nationalismus“ (Regina) sind mit viel Techno angekündigt. Es ist die Gegendemo zum zeitgleich stattfindenden rechten Fackelmarsch in der Innenstadt. Der Anmelder des Fackelmarsches ist der Polizei aus dem Magida-Umfeld bekannt. Die rechte Demo soll um 19 Uhr am Hauptbahnhof beginnen.

Mehrere Hundert Teilnehmer in Magdeburg

Welche Routen Fackelmarsch und Gegendemo in der Magdeburger Altstadt nehmen werden, sagte Polizeisprecher Frank Küssner am Montag nicht. In jedem Fall werde die Polizei aber mit einem „angemessenen Kräfteaufgebot“ vor Ort sein und die Demos trennen, sagte er. Beide Seiten hätten jeweils mehrere Hundert Teilnehmer angemeldet, zur Mahnwache würden 200 Menschen erwartet, berichtet Küssner.

Der Aufruf zum Fackelmarsch kursiert bereits seit Wochen in den sozialen Medien. Zum Anlass heißt es lediglich: „Für die Opfer der Politik und für sichere Städte“. Als Veranstalter tritt in sozialen Medien eine „Bürgerinitiative Magdeburg“ auf. Geteilt werden auf der Seite vor allem Artikel über Ausländerkriminalität.

Dabei ist auch eine Videobotschaft der Frau, die als „Jenny aus Köthen“ Bekanntheit erlangte, weil sie im September während einer rechten Demonstration in Köthen in Richtung Journalisten und Gegendemonstranten rief: „Ihr werdet brennen!“

Gedenken an die Novemberpogrome

Zur Gegendemo unter dem Titel „Ausgefackelt“ ruft auch das linke Bündnis „Block MD“ auf. Sprecher Robert Fietzke betonte gegenüber der Volksstimme, dass ein lauter Protest das Ziel sei. „Es soll Protest in Sicht- und Hörweite des Fackelmarschs artikuliert werden“, sagte er. Zur Blockade des Marsches werde hingegen nicht aufgerufen. Die Ankündigung der Gegendemonstration nimmt explizit Bezug auf das Gedenken an die Novemberpogrome. Der Fackelmarsch sei eine „klare und unduldbare Provokation“.

Traditionell ist der 9. November der Tag, an dem an die Pogrome im November 1938 erinnert wird. In diesem Jahr ist das allerdings anders: Die offizielle Gedenkveranstaltung ist am 11. November, also am Sonntag, um eine Überschneidung mit dem Beginn des jüdischen Schabbat am Freitag zu verhindern.

Ursprünglich war für die Veranstaltung auch Zeitzeuge Luis Simonsohn angekündigt. Er erlebte die Novemberpogrome in Magdeburg als 13-Jähriger. Aus gesundheitlichen Gründen musste er sein Kommen absagen.

Polizei sieht keine "Untersagungsgründe"

„Wenn ich mir vorstelle, er wäre gekommen, und dann gibt es diese Demonstration“, betont Waltraut Zachhuber besorgt. Sie ist seit vielen Jahren Mitveranstalterin der Gedenkveranstaltungen zu den Novemberpogromen. Ein Verbot des Fackelmarsches an „diesem sensiblen Datum“ hätte sie sich gewünscht. Die Polizei sieht indes „keine Untersagungsgründe“ für den Fackelmarsch.