Öffentlicher Personennahverkehr

Preise für Bus und Bahn im Raum Magdeburg stabil

Bis zur Corona-Krise wurden in Magdeburg immer im August Preise im öffentlichen Personennahverkehr angehoben. 2021 fällt dieser Schritt aus.

Von Martin Rieß
Wegen der Bauarbeiten auf der Ebendorfer Chaussee fährt  die Linie 1 der MVB derzeit in Magdeburg zum Neustädter See. Wer ins Danziger Dorf oder zu Ikea möchte, muss auf den Schienenersatzverkehr warten.
Wegen der Bauarbeiten auf der Ebendorfer Chaussee fährt die Linie 1 der MVB derzeit in Magdeburg zum Neustädter See. Wer ins Danziger Dorf oder zu Ikea möchte, muss auf den Schienenersatzverkehr warten. Foto: Martin Rieß

Magdeburg - Bis zur Corona-Krise wurden über Jahre im August Fahrpreise für Bus und Bahn erhöht. Wie im vergangenen Jahr, fällt diese „Tarifmaßnahme“ im Sommer 2021 aber aus.

Lisa Mertens ist Produktmanagerin beim Tarifverbund Marego, bei dem die Fahrpreise im öffentlichen Personennahverkehr für Magdeburg und die benachbarten Landkreise koordiniert werden. Sie begründet den Schritt so: „Durch die befristete Mehrwertsteuersenkung im vergangenen Jahr hatten sich die Verkehrsunternehmen im Marego-Verbund dazu entschieden, die geplante Tarifmaßnahme im August 2020 auszusetzen und erst zum 1. Januar 2021 umzusetzen. So wurde die Mehrwertsteuersenkung direkt an die Fahrgäste weitergegeben. Um nicht zwei Tarifanpassungen im Jahr 2021 durchzuführen, wird auch in diesem Jahr auf eine Tarifmaßnahme im August verzichtet.“

Preisstabilität soll Bus und Bahn wieder stärken

Diese Entscheidung sei frühzeitig gemeinsam durch die Verkehrsunternehmen getroffen worden. Daher gab es auch kein Genehmigungsverfahren zur Tarifänderung. Will heißen: Anders als im vergangenen Jahr, liegen die Pläne für die neuen Preise noch nicht in der Schublade bereit. Doch aufgeschoben, ist nicht aufgehoben: „Im Jahr 2022 plant der Marego-Verbund, eine Tarifanpassung vorzunehmen“, so Lisa Mertens gegenüber der Volksstimme. Sobald Details dazu spruchreif seien, wolle man die Öffentlichkeit informieren.

Als Grund für den Verzicht von Preiserhöhungen nennt die Marego-Mitarbeiterin die Corona-Krise. Durch die Corona-Pandemie waren die Fahrgastzahlen im öffentlichen Personennahverkehr eingebrochen. Mit Ende des Lockdowns und den stetig sinkenden Inzidenzzahlen steigen die Fahrgastzahlen der Verkehrsunternehmen wieder an. „Diesen positiven Trend möchte der Marego-Verbund unterstützen, unter anderem mit der Preisstabilität in diesem Jahr und Sonderaktionen wie der aktuellen Kampagne zum flexiblen Abo. Eine Tarifmaßnahme zum jetzigen Zeitpunkt wäre aus unserer Sicht kontraproduktiv gewesen und hätte zu keinen signifikanten Mehreinnahmen geführt“, sagte Lisa Mertens gegenüber der Volksstimme.

Abwarten, wie neue Angebote genutzt werden

Einen weiteren Grund für den Verzicht auf Preisänderungen nannte Birgit Münster-Rendel, Geschäftsführerin der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB), während einer Sitzung des Bauausschusses.

Sie verwies darauf, dass seit der Tarifanpassung im Januar noch keine Zeit gewesen sei, die Entwicklung zu beurteilen. Die MVB-Chefin sagte: „Wenn ich den Tarif weiterentwickele, dann muss ich wissen, wie Kunden neue Angebote nutzen.“ Ein Beispiel ist die neue 24-Stunden-Karte, die zum Jahresbeginn an die Stelle des bisherigen Tagestickets getreten ist. Es müsse herausgefunden werden, ob die neuen Angebote wie prognostiziert, neue Nutzergruppen ansprechen. Erst aus dieser Erkenntnis lasse sich ableiten, was getan werden müsse, um mehr Menschen von der Nutzung von Bus und Straßenbahn zu begeistern.

Corona sorgt für Datenmangel

Dass noch nicht genügend Daten vorliegen, hat nicht einmal allein mit der kurzen Zeitspanne seit Januar zu tun. Vielmehr steigen die Fahrgastzahlen im öffentlichen Personennahverkehr wieder – doch nach wie vor sind bei den Fahrgastzahlen die Corona-Folgen spürbar.

Bei der letzten Erhöhung von Preisen im öffentlichen Personennahverkehr hatte es übrigens in Magdeburg einiges, Diskussionen gegeben. Nicht allein, dass die MVB in Absprache mit der Stadt angesichts der niedrigen Fahrgastzahlen mit einem ausgedünnten Angebot unterwegs waren. Vielmehr hatten ab Beginn des Tunnelbauprojekts Einschränkungen im Angebot und Umleitungen bei Fahrgästen für erheblichen Frust gesorgt. Inzwischen sind weitere Großbaustellen dazugekommen: Ebendorfer Chaussee mit einer Sperrung für die Linie 1 - siehe Foto - Schönebecker Straße, Brückstraße und Adelheidring beispielsweise.